Di, 21. November 2017

Terror in Kopenhagen

15.02.2015 14:11

Wie konnte Täter zweimal stundenlang abtauchen?

Nach den Anschlägen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge in Kopenhagen steht Dänemark unter Schock. Drei Tote, darunter der Attentäter, und mehrere Verletzte sind zu beklagen. Doch die Bilanz hätte weit blutiger ausfallen können - falls es der Täter ins Innere der Synagoge geschafft hätte, in der etwa 80 Menschen gerade eine Bar Mitzwa feierten. Die Frage, die sich trotz der relativ schnellen Klärung stellt, ist aber, wie der Mann gleich zweimal stundenlang abtauchen konnte – obwohl er sogar in einem Taxi geflüchtet war. Außerdem teilte die dänische Polizei mittlerweile mit, dass der Attentäter den Ermittlern bekannt gewesen sei.

Zuerst hatte der Mann, laut Polizei arabischen Aussehens und zwischen 25 und 30 Jahren alt (siehe kleines Bild links oben), am Samstagnachmittag auf das Kulturcafé "Krudttoenden" das Feuer eröffnet und einen 55-jährigen Besucher der Pressefreiheit-Veranstaltung, einen dänischen Filmressigeur, getötet sowie mehrere Personen, darunter drei Polizisten, verletzt. Der Mohammed-Karikaturist Lars Vilks, dem der Anschlag höchster Wahrscheinlichkeit nach gegolten hatte, kam unverletzt davon.

Der Attentäter flüchtete zunächst in einem schwarzen VW Polo, der kurz darauf in der Nähe des Veranstaltungsortes verlassen aufgefunden wurde, und stieg laut dem deutschen Nachrichtensender n-tv in ein Taxi. Danach verliert sich seine Spur zum ersten Mal. Stundenlang fahndeten alle verfügbaren Einsatzkräfte nach dem Verdächtigen, umgehend wurden Fahndungsfotos veröffentlicht - ohne Ergebnis.

Dann, am späten Samstagabend, kam es zu einer Schießerei vor einer Synagoge, nicht weit entfernt von dem Kulturcafé und auch in der Nähe des Bahnhofes gelegen, wo der Mann in den frühen Morgenstunden des Sonntags das Feuer auf Polizisten eröffnete und schließlich von Polizeikugeln tödlich getroffen zu Boden sank.

Täter wollte ins Innere der Synagoge
Beim Todesopfer vor der Synagoge handelt es sich um ein 37-jähriges Mitglied der jüdischen Gemeinde, das als Wachmann im Einsatz war. "Er kontrollierte die Menschen, die in die Synagoge zur Feier einer Bar Mitzwa kamen", so der Vorsitzende der Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen. Dem Mann wurde in den Kopf geschossen. Der Attentäter dürfte versucht haben, ins Innere der Synagoge zu gelangen, wo etwa 80 Menschen versammelt waren. Doch das gelang ihm zum Glück nicht. Die Sicherheitsvorkehrungen waren nach den islamistischen Terroranschlägen in Paris Anfang Jänner verstärkt worden.

Nach diesem schon zweiten blutigen Angriff, bei dem auch zwei Polizisten Schussverletzungen an Armen und Beinen erlitten, gelang es dem Attentäter ein weiteres Mal, unerkannt zu flüchten. Wieder fahndete die Polizei stundenlang nach dem Mann - zu diesem Zeitpunkt war allerdings noch nicht klar, dass es sich um denselben Täter wie beim Anschlag auf das Café handelte.

In den frühen Morgenstunden schließlich konnte der Attentäter überwältigt werden. Er hatte am Bahnhof Noerrebro das Feuer auf Beamte eröffnet und wurde daraufhin tödlich von Polizeikugeln getroffen. Die Terrorserie von Kopenhagen war damit zu Ende.

Zweimal stundenlang vor Polizei versteckt
Doch was bleibt, ist die Frage, warum der Täter gleich zweimal stundenlang abtauchen konnte. Zwar sprach er mit dem Taxifahrer, von dem er sich chauffieren ließ, laut n-tv kein Wort, doch aufgrund der Fahndungsfotos hätte es möglich sein müssen, ihn zumindest zu erkennen oder in Erfahrung zu bringen, in welche Richtung der Mann geflohen ist, lautet die Kritik.

Zudem sei es verwunderlich, dass ein Mann einen Anschlag durchführe, sich ein Taxi nehme, sich vier, fünf Stunden lang verstecken könne, dann den nächsten Anschlag folgen lasse, wieder abtauche und erst Stunden später das nächste Blutbad starte, heißt es. In den nächsten Tagen werde es demnach nötig sein, die Ermittlungsschritte genau zu analysieren.

Attentäter war den Ermittlern bekannt
Zumal der Mann den Ermittlern auch bekannt gewesen sei, wie es bei einer Pressekonferenz der Polizei am frühen Sonntagnachmittag hieß. Seine Identität wollte man zunächst aber nicht preisgeben. "Er kommt aus Kopenhagen, das ist alles, was wir sagen können", sagte der Chef der Sicherheitsbehörde PET, Jens Madsen.

Er betonte, dass nichts darauf hindeute, dass der Täter einen Komplizen gehabt oder dass er sich als Dschihadist in Syrien oder im Irak aufgehalten habe. Doch könnte der Anschlag gegen das Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Jänner in Paris den Mann zu seinen Taten inspiriert haben.

Thorning-Schmidt: "Es gibt viele Fragen"
"Es gibt viele Fragen, die die Polizei noch beantworten muss", sagte auch Ministerpräsidentin Helle Thorning-Schmidt bei einer Pressekonferenz. "Aber es gibt eine Antwort, die wir heute schon geben können. Und die lautet, dass wir unsere Demokratie verteidigen werden." Dänemark werde sich nicht von den Terroranschlägen einschüchtern lassen.

Dänemark habe einige Stunden erlebt, die das Land nicht vergessen werde. "Wir wissen nicht, was die Motive für die Attacken waren, aber wir wissen, dass es Kräfte gibt, die Dänemark schaden wollen, die unsere Meinungsfreiheit und unseren Glauben an Freiheit zerstören wollen", sagte Thorning-Schmidt. Die Ministerpräsidentin brachte auch ihre Solidarität mit der jüdischen Gemeinde zum Ausdruck. "Die jüdische Gemeinde ist ein wichtiger Teil von Dänemark. Ihr steht nicht alleine da", sagte sie.

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