Mo, 20. November 2017

Urteil gefällt

11.02.2015 20:12

16 Jahre Haft für „Kapitän Feig“ Schettino

Der Kapitän des 2012 havarierten Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia", Francesco Schettino, ist im toskanischen Grosseto zu 16 Jahren und einem Monat Haft verurteilt worden. Das Gericht berücksichtigte einige strafmildernde Umstände. Die Staatsanwaltschaft hatte 26 Jahre und drei Monate Haft für den 54-Jährigen beantragt, während die Verteidigung auf Freispruch plädiert hatte. Schettino war wegen Fiebers bei der Urteilsverkündung nicht im Gerichtssaal anwesend. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, Schettinos Anwalt wird Berufung einlegen.

Über "Kapitän Feig", dem das Verschulden des Schiffsunglücks mit 32 Toten vorgeworfen wird, verhängte das Gericht auch ein fünfjähriges Berufsverbot. Schettino wird weiters lebenslang von allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen und muss Entschädigungen an mehrere Nebenkläger zahlen. Zu ihnen zählen überlebende Passagiere, Familienangehörige der Todesopfer, die Region Toskana, das italienische Umweltministerium und die Insel Giglio.

30.000 Euro Entschädigung für Ex-Geliebte
Eine Entschädigung in Höhe von 30.000 Euro erhält auch die Ex-Geliebte des Kapitäns, Domnica Tschemortan. Diese hatte berichtet, einen doppelten Schaden als Passagierin und wegen des "Medienangriffes" aufgrund ihrer Beziehung zum Kapitän erlitten zu haben. Sie hatte deswegen eine Entschädigung von 200.000 Euro verlangt. Die Tänzerin hatte sich zum Zeitpunkt des Unglücks mit Schettino auf der Kommandobrücke des Schiffes aufgehalten.

Urteil nach siebenstündigen Beratungen
Das Gericht fällte nach siebenstündigen Beratungen das Urteil gegen Schettino, den einzigen Angeklagten in dem Prozess. Schettinos Haftstrafe setzt sich aus fünf Jahren Haft wegen fahrlässiger Havarie und zehn Jahren Haft wegen fahrlässiger Tötung zusammen. Das Verlassen des Schiffes mit Minderjährigen und Behinderten an Bord brachte dem 54-Jährigen ein weiteres Jahr Haft ein.

Schettino bleibt vorerst auf freiem Fuß
Das Gericht lehnte den Antrag der Staatsanwaltschaft auf Inhaftierung Schettinos ab, denn es bestehe keine konkrete Fluchtgefahr. Dieser Beschluss wurde mit dem korrekten Verhalten des Kapitäns begründet, der an fast allen Gerichtsverhandlungen teilgenommen hatte. Das Urteil fiel milder aus als allgemein erwartet und ist noch nicht rechtskräftig.

Verteidiger kündigt Berufung an
Schettinos Anwalt ist mit dem Schuldspruch nicht zufrieden und kündigte an, Berufung einzulegen. "Der Kapitän ist kein Verbrecher. Die Havarie war ein Unfall. Mein Mandant ist schwer mitgenommen", betonte Domenico Pepe. Juristen hoben hervor, dass in Italien noch nie eine so hohe Strafe wegen fahrlässiger Tötung gefällt worden sei. Staatsanwältin Maria Navarro hingegen hat an dem Urteil nichts auszusetzen.

Schettino ortet "ungerechte Behandlung"
Wenige Stunden vor der Urteilsverkündung hatte sich Schettino in seinem Schlusswort noch einmal verteidigt und war in Tränen ausgebrochen. "Mein Kopf wurde geopfert, um wirtschaftliche Interessen zu schützen. Am 13. Jänner 2012 ist auch ein Teil von mir gestorben", sagte der 54-Jährige, der auch über eine seiner Ansicht nach ungerechte Behandlung und über eine gegen ihn gerichtete Verleumdungskampagne klagte. Von den Medien sei er demnach durch einen Fleischwolf getrieben worden.

Salzburgs Bürgermeister: "Urteil angemessen"
Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, der das Unglück als Passagier überlebt hatte, hält den Schuldspruch "für angemessen". Die Verurteilung des Kapitäns sei auch "wichtig für die Angehörigen, die Todesopfer zu beklagen haben", sagte Schaden. "Nun ist es spannend, was in den Berufungsverfahren herauskommt."

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