Fr, 24. November 2017

Drama im Mittelmeer

11.02.2015 22:33

Über 300 Flüchtlinge „vom Meer verschluckt“

Beim schlimmsten Flüchtlingsdrama im Mittelmeer in diesem Jahr sind am Mitwoch vor der süditalienischen Insel Lampedusa voraussichtlich über 330 Menschen ums Leben gekommen. Drei Schlauchboote mit jeweils rund 100 Insassen, die von Libyen abgefahren waren, werden vermisst. Die Flüchtlinge seien "vom Meer verschluckt" worden, sagte Carlotta Sami, Sprecherin des UNO-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, sichtlich erschüttert.

Insgesamt seien drei Schlauchboote mit Flüchtlingen unterwegs gewesen. Auf einem waren zu Beginn der Woche 29 erfroren. Auf zwei weiteren Booten seien insgesamt mehr als 210 Menschen gewesen. "Von diesen überlebten nur neun", so Sami im Kurznachrichtendienst Twitter. "Es sind neun, sie wurden nach vier Tagen auf dem Meer gerettet. Die anderen hat das Meer verschluckt." Es sei eine "schreckliche und enorme Tragödie".

Die neun Überlebenden erreichten am Mittwoch die italienische Mittelmeerinsel Lampedusa. Sie sprechen Französisch und stammen vermutlich aus Westafrika. Laut der Internationalen Organisation für Migration starteten sie am Samstag an der libyschen Küste mit zwei Schlauchbooten. Auf jedes der Boote hätten sich mehr als 100 Flüchtlinge gezwängt, vermutlich am Montag seien sie dann gekentert.

Italien startete mittlerweile eine Suchaktion nach den vermissten Flüchtlingen. Hubschrauber, Flugzeuge und Schiffe der Marine patrouillierten am Mittwoch im Seeraum 100 Meilen südlich von Lampedusa. Die Suche habe allerdings bisher keine Ergebnisse gebracht, teilte die Küstenwache nach Angaben italienischer Medien mit.

Lampedusa als Sinnbild der Flüchlingskatastrophen
Lampedusa ist nach zwei Schiffsunglücken mit mehr als 350 Toten im Oktober 2013 zum Sinnbild für Flüchtlingskatastrophen auf dem Mittelmeer geworden. Danach hatte Italien die Rettungsmission "Mare Nostrum" ins Leben gerufen, die in den folgenden Monaten Tausende Flüchtlinge auf dem Mittelmeer in Sicherheit brachte. "Mare Nostrum" wurde vergangenes Jahr von der EU-Grenzschutzmission "Triton" abgelöst.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk kritisierte angesichts des jüngsten Dramas das Programm erneut als unzureichend und rief die EU dazu auf, Italien im Einsatz zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer aktiver zu unterstützen. Die Flüchtlingswelle über den Meeresweg hält trotz niedrigen Temperaturen an. Seit Jänner seien 3.528 Migranten in Italien eingetroffen, im Vergleichszeitraum 2014 waren es noch 2.171. Seit Beginn 2015 seien bereits 50 Tote bei Seefahrten über das Mittelmeer verzeichnet worden, im Vergleichszeitraum 2014 waren es noch zwölf, teilte das UNHCR mit.

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