Do, 23. November 2017

„SwissLeaks“

10.02.2015 19:18

HSBC-Skandal: „War erst die Spitze des Eisbergs“

Die von Journalisten aufgedeckten Schweizer Schwarzgeldkonten von Kunden der britischen Großbank HSBC sind dem Hauptinformanten zufolge nur die "Spitze des Eisbergs". Die Steuerbehörden hätten Zugang zu viel mehr Dokumenten, sagte der frühere HSBC-Mitarbeiter Herve Falciani der französischen Tageszeitung "Le Parisien".

Auf die Frage, ob es um mehr als die in verschiedenen Medienberichten genannten gut 100.000 Kunden gehe, antwortete er: "Natürlich, es waren viel mehr, als die Journalisten berichtet haben." In den Dokumenten, die er den Behörden übergeben habe, tauchten Millionen an Transaktionen zwischen verschiedenen Banken auf. Weitere Details nannte er in dem Interview nicht.

Auch genügend Kunden "mit Österreich-Bezug"
In den Jahren 1975 bis 2006 haben laut dieser Liste bei der HSBC-Schweiz 399 Kunden "mit Österreich-Bezug" 1.200 Konten eröffnet. 2007 gab es rund 250 aktive Konten mit Österreich-Bezug. Nur 52 Prozent der Österreich zugeordneten Kunden haben allerdings einen österreichischen Pass. Der größte Einzelbetrag auf einem Konto mit Österreich-Bezug lag bei 149 Millionen Dollar.

Im internationalen Vergleich ist Österreich unter den HSBC-Kunden ein kleiner Fisch und liegt nach Vermögen gewichtet nur auf Rang 41. Die fünf wichtigsten Herkunftsländer für HSBC-Schweiz-Kunden sind - nach den Schweizern - Großbritannien, Venezuela, die USA, Frankreich und Israel.

"SwissLeaks": Promis, Sportler und Despoten auf der Liste
Nach am Wochenende bekannt gewordenen Recherchen des internationalen Journalisten-Zusammenschlusses ICIJ soll HSBC in der Schweiz Wohlhabenden aus aller Welt bei Steuerhinterziehung oder Geldwäsche geholfen haben - darunter Schauspielern, Sportlern und Musikern, aber auch Industriellen, Waffenhändlern und Diktatoren. Das Recherche-Netzwerk hat eigenen Angaben zufolge einen als "SwissLeaks" bekannten Datensatz aus den Jahren 2006 und 2007 intensiv ausgewertet, der mehr als 100.000 Kunden mit einem Einlage-Vermögen von rund 100 Milliarden Dollar (89 Milliarden Euro) umfasst haben soll.

Die Daten hatte sich nach Angaben von HSBC Falciani beschafft, er war in der IT-Abteilung der Schweizer Tochter tätig. Falciani hatte der Nachrichtenagentur Reuters unlängst gesagt, er habe damit Regierungen helfen wollen, gegen Bürger vorzugehen, die Schweizer Konten zur Steuerhinterziehung nutzten. In verschiedenen Ländern laufen jetzt Ermittlungen an.

Bank gesteht, Fehler gemacht zu haben
HSBC hatte bereits am Sonntag erklärt, es habe in der Vergangenheit Fehler bei der Aufsicht und der Durchsetzung von Regeln und Vorschriften bei der Schweizer Tochter gegeben. Sie sei nach der Übernahme 1999 nicht vollständig integriert gewesen, deshalb habe es dort deutlich laxere Standards gegeben. Inzwischen sei die Bank aber radikal umgebaut.

Am Dienstag wurde ein internes Memo bekannt, in dem der für das weltweite Private Banking zuständige HSBC-Manager Peter Boyles die Belegschaft eindringlich mahnte, unlautere Geschäftspraktiken aus der Vergangenheit seien inakzeptabel und dürften sich keinesfalls wiederholen. Steuerbetrüger seien als Kunden nicht gewünscht. "Unsere Kunden wollen wissen, dass wir uns geändert haben." HSBC habe etliche Schritte eingeleitet, um das Geschäft in der Schweiz transparenter zu machen. Boyles hat die Verantwortung für den Geschäftsbereich seit Dezember 2012.

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