Sa, 25. November 2017

Spaßige Knobelei

17.02.2015 15:00

Die Chaos-Helden sind zurück: „Unwritten Tales 2“

Nicht ganz sechs Jahre ist es her, dass das deutsche Adventure "The Book of Unwritten Tales" mit viel Humor, sympathischen Charakteren und tollen Sprechern für Begeisterung sorgte. Nach dem kleineren Ableger "Die Vieh Chroniken" ist nun Teil zwei der "BoUT"-Serie erschienen. Was Fans von Knobeleien und Satire erwartet, hat krone.at getestet.

Eines vorweg: Die ans Herz gewachsenen Hauptfiguren aus Teil eins sind in "The Book of Unwritten Tales 2" alle wieder mit dabei. Und wie immer hat jeder von ihnen eine Menge Probleme. Gnom Wilbur etwa kämpft als frischgebackener Zauberlehrer nicht nur mit aufmüpfigen Schülern, sondern auch dem überkorrekten Schulleiter und dem Hausmeister, der nicht nur ein Troll ist, sondern sich auch so verhält wie die gleichnamige Spezies Mensch in Online-Foren. Elfe Ivo dagegen ist urplötzlich schwanger - und das ganz ohne diesen ominösen "Sex", den der Elfenprinzessin gegenüber zwar jeder erwähnt, aber niemand so recht erklären möchte. Ihr ehemaliger Liebster Nate wiederum hat sich sehr zu ihrem Ärger einfach davongeschlichen und steckt mit dem gewohnt knuddeligen Vieh erneut mitten in einem gefährlichen Abenteuer.

Jede Menge Probleme in Aventásien
Auch andere aus Teil eins bekannte Charaktere wie der Erzmagier, Ratte Rémi, die liebenswerten Zombies oder Bösewicht Munkus sind wieder an Bord. Letzterer ist allerdings nicht die einzige Gefahr für die Fantasywelt Aventásien: Eine skrupellose Politikerin und ihre missratene Tochter bedrohen die Freiheit ebenso wie ein uraltes Übel, das im Dunkel lauert. Ob Korruption, die Problematik Reich gegen Arm, Ausbeutung, Flüchtlingslager, "Lügenpresse" oder vergessene dunkle Mächte - von hochmoderner Sozialkritik bis zu klassischen Märchenthemen steckt jede Menge Unheil in "BoUT 2".

Und da liegt auch der Schwachpunkt der Geschichte: Statt sich auf ein, zwei Handlungsstränge zu konzentrieren und beispielsweise aktiv mit den ausgestoßenen Flüchtlingen zusammenzuarbeiten und politische Veränderungen zum Guten anzustoßen, streift das Spiel irgendwie alles, schafft es dabei aber bei der Fülle an Themen kaum, zu berühren. Auch die Widersacher bleiben arg blass und wecken kein Interesse. Das ist schade, denn mit zwischen 16 und 18 Stunden Spielzeit bietet "BoUT 2" ansonsten jede Menge Gegenwert.

Coole Sprüche und Geschwafel
Insbesondere die Hauptfiguren wachsen erneut sofort ans Herz. Ob der schneidige Nate, irgendwo zwischen Indiana Jones und Han Solo, sein flauschig-verwirrter Kumpane oder die aufgeweckte Ivo - sie alle haben ihre Eigenheiten, coole Sprüche und sind ausnahmslos hervorragend vertont. Positiv aufgefallen ist uns übrigens die Emanzipation im Spiel: Die Frauen suchen, anders als in vielen anderen Games, selbst ihr Glück. Und das ganz ohne "Gutmenschen"-Holzhammer, sondern mit viel Humor - vorbildlich, liebe Entwickler von King Art!

Welchen Charakter man bevorzugt, ist wie schon im Vorgänger Geschmackssache. Wilbur etwa plappert für unseren Geschmack viel zu lange. Wer sich hier jeden Kommentar - noch dazu sind viele Gegenstände mehrmals anklickbar, auch wenn sie nicht rätselrelevant oder wenigstens interessant sind - wirklich anhört, ohne die Untertitel anzuschalten und weiterzuklicken, muss ein echter Fan sein.

Rätsel mit viel Laufarbeit
A propos rätselrelevant: Die allermeisten Rätsel sind über Inventargegenstände zu lösen. Das ist zwar dank Hotspot-Anzeige sehr komfortabel gelöst, hat aber zwei Nachteile: Erstens muss der Spieler viel öfter, als ihm lieb ist, alte Locations noch einmal absuchen. Denn es kommt nicht selten vor, dass man an mehreren Orten weiterkommen könnte - wenn man denn wüsste, was genau fehlt. So grast man, dankenswerterweise meist mit praktischem Schnellreisesystem, häufig alte Locations noch einmal ab, um durch Zufall irgendwo auf das benötigte Item zu stoßen.

Der zweite Nachteil: Logikrätsel und solche zum Um-die-Ecke-denken sind relativ selten, dabei sind sie in den allermeisten Fällen richtig gut gemacht. Ob man in einer Pyramide herausfinden muss, wie man gefräßigen Käfern aus dem Weg geht, gegen einen altägyptischen Pharao im Kugelspiel antritt (und womöglich sogar schummelt) oder die Mechanismen zum Öffnen einer geheimnisvolle Truhe enträtseln muss - das alles macht Spaß und bringt Abwechslung, ist aber leider rar gesät.

Herrlicher Humor und hochwertige Produktion
Dafür haben die Entwickler wieder jede Menge sehr witzige Anspielungen auf die Gaming-Kultur, aber auch Kinofilme eingebaut. Da unterhält man zum Beispiel vergessene Götter mit einer frei kombinierbaren Story zwischen "Harry Potter" und "Die üblichen Verdächtigen" oder lacht sich mit Wilbur kaputt über den Irrsinn von weiblichen vs. männlichen Rüstungen in Spielen - dass der Mini-Metallbikini genauso viel Schutz bieten soll wie der gewaltige Harnisch für den echten Kerl, will nicht nur dem Gnom nicht eingehen. Auch dass der Spieler in "BoUT 2" einmal Gott spielen darf, ist eine wirklich spaßige Idee, genau wie die Reise zurück in die Vergangenheit, bis sogar die 8-Bit-Ära wiederauflebt.

Abgesehen von diesem Kurzausflug ist die Grafik aber überaus zeitgemäß. Die Figuren sind deutlich detailreicher als im Vorgänger, die Umgebungen nun überwiegend in 3D - was die Entwickler für kleine Kamerafahrten und Unschärfeeffekte nützen. Der Look ist erneut äußerst farbenfroh und märchenhaft, diesmal wirkte unter anderem Comic-Zeichner Marvin Clifford (bekannt für "Schisslaweng" und "Shakes & Fidget") mit. Untermalt wird das Geschehen von epischen orchestralen Klängen und die Sprecher sind durch die Bank, man kann es kaum oft genug erwähnen, hervorragend.

Fazit: Es sind wieder vor allem die sympathischen Charaktere mit viel Witz, die "BoUT 2" zu einem tollen Erlebnis machen. Viele gelungene Anspielungen auf Spiele und Filme bringen ebenso Lacher, und auch bei manchen Rätseln blitzt der besondere Charm des Games auf. Für unseren Geschmack ist man allerdings zu oft auf der Suche nach Items und grast dabei dieselben Locations ab. Auch das teils überbordende Gerede ist sicher nicht jedermanns Geschmack - genau wie die blassen Bösewichte, die überladene Hintergrundgeschichte und das unbefriedigende Ende, das einen dritten Teil prophezeit. Adventurefans sollte das aber nicht abhalten, denn selten bekommt man so viel Witz und hochwertig produziertes Spiel für sein Geld!

Plattform: PC
Publisher: Nordic Games
krone.at-Wertung: 8/10

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