So, 22. Oktober 2017

"Kollaps bei Grexit"

08.02.2015 22:50

Griechischer Finanzminister: „Euro wie Kartenhaus“

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat davor gewarnt, sein Land aus dem Euro zu drängen. In einem solchen Fall würden unweigerlich weitere Staaten folgen und der gesamte Währungsblock würde kollabieren, sagte Varoufakis in einem Interview des italienischen Fernsehsenders RAI. Denn: "Der Euro ist instabil wie ein Kartenhaus."

"Wenn man die griechische Karte herauszieht, werden die anderen zusammenfallen", sagte Varoufakis laut einem Transkript des Interviews, das von dem Sender am Sonntag im Voraus veröffentlicht wurde. "Wer wäre der Nächste? Portugal? Was würde passieren, wenn Italien feststellt, dass es unmöglich ist, in der Zwangsjacke der Sparpolitik zu bleiben?"

"Italiens Schuldensituation nicht tragbar"
Varoufakis und Ministerpräsident Alexis Tsipras hatten vergangene Woche Rom besucht. Dabei hätten ihnen ranghohe italienische Gesprächspartner im Vertrauen gesagt, sie würden das Vorgehen der Griechen unterstützen. Sie könnten aber nicht die Wahrheit sagen, weil sie fürchteten, dass Italien dann der Bankrott drohe, und weil sie die Reaktion Deutschlands fürchteten. "Seien wir ehrlich, Italiens Schuldensituation ist nicht tragbar", fügte der Minister hinzu.

Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan reagierte darauf umgehend: Die Verschuldung seines Landes sei tragbar und auf einer soliden Basis, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Bemerkungen Varoufakis' seien deplatziert. Italien arbeite mit an einer europäischen Lösung für die griechischen Probleme, das erfordere aber "gegenseitiges Vertrauen". Italien hat nach Griechenland die höchste Staatsverschuldung in der Eurozone.

Tsipras: Werden die Wunden der Sparpolitik heilen
Tsipras, der am Montag in Wien mit Bundeskanzler Werner Faymann zusammentrifft, zeigte sich am Sonntag überzeugt, dass Griechenland eine Übereinkunft mit seinen europäischen Partnern zur Lösung seiner Schuldenprobleme erreichen wird. Trotz aller Schwierigkeiten könne eine Vereinbarung innerhalb von 15 Tagen erzielt werden, sagte Tsipras im Parlament.

Eine solche Vereinbarung würde die EU-Regeln respektieren, das Land aber nicht in eine Rezession stürzen. Zu den griechischen Positionen in den Verhandlungen gehöre das Ziel, einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Höchste Priorität habe für seine Regierung aber die Heilung jener Wunden, die die Hilfspakete und die damit verbundene Sparpolitik den Griechen zugefügt hätten. Tausende Haushalte, die Opfer dieser Sparpolitik geworden seien, würden kostenlose Lebensmittel und Energie erhalten.

Ausgaben kürzen, Flugzeug verkaufen
Der Hauptkampf im Land werde sich gegen die Korruption und die Steuervermeidung richten, betonte der Ministerpräsident. Dazu werde die Liste großer Auslandsguthaben überprüft. Außerdem würden die Staatsausgaben gekürzt. Vergünstigungen für Minister und Abgeordnete sollen gestrichen und ein Flugzeug des Regierungschefs verkauft werden. Tsipras kündigte zudem an, dass alle öffentlichen Auftragsvergaben auf Korruption hin untersucht würden. Der öffentliche Sektor dürfe nicht länger den Interessen der Oligarchen dienen, sagte er.

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