Fr, 24. November 2017

„So war es wirklich“

06.02.2015 16:05

Fall Tugce: Jetzt sprechen Freunde des Schlägers

Zweieinhalb Monate nach der tödlichen Prügelattacke auf die deutsche Studentin Tugce Albayrak vor einer McDonald's-Filiale haben sich das erste Mal Freunde des in U-Haft sitzenden Angeklagten Sanel M. zu Wort gemeldet. Bisher kannte man aus den Medien nur die Version der Freundinnen Tugces und von Mädchen, die von M. und seinen Freunden belästigt worden sein sollen. In einem Interview stellen die jungen Männer, die in der Tatnacht an M.s Seite waren, die Ereignisse nun in einem völlig anderen Licht dar. Sie hätten keineswegs provoziert, es hätte keine Belästigung gegeben - und der 18-Jährige sei überhaupt kein Schläger.

"Natürlich, er ist bestimmt nicht unschuldig. Aber ich bin mir sicher, Sanel wollte das nicht", beteuert einer der drei jungen Männer, die dem Nachrichtenmagazin "Stern" ein ausführliches Interview gegeben haben. Sie hätten niemals daran gedacht, dass eine Ohrfeige so fatal enden würde.

Zur Erinnerung: Auf dem Parkplatz des Fast-Food-Restaurants kam es zur finalen Auseinandersetzung zwischen Tugces Clique und jener von M.: Wie auf Bildern der Überwachungskamera zu sehen ist, wird der Angeklagte immer wieder von seinen Freunden zurückgehalten. Doch plötzlich reißt er sich los und verpasst Tugce einen Schlag ins Gesicht. Die junge Studentin fällt zu Boden und steht nicht mehr auf. Sie fällt ins Koma und stirbt knapp zwei Wochen später im Krankenhaus.

Gegen M. wurden Ermittlungen wegen Körperverletzung mit Todesfolge eingeleitet und in weiterer Folge auch Anklage erhoben.

"Mädchen gefragt, ob es ihnen gut geht"
Tugce gilt seit der verhängnisvollen Nacht als Heldin, die zwei Mädchen beschützt hat. Sie sollen von M. und seinen Freunden auf der Damentoilette des McDonald's-Restaurants belästigt worden sein. Doch auch diesem Vorwurf widersprechen M.s Freunde vehement und erzählen, "wie es wirklich war": Einer der Burschen habe durch die geöffnete Toilettentür gesehen, dass die zwei Mädchen auf dem Boden saßen, und sei zu ihnen gegangen, um zu fragen, ob es ihnen gut gehe.

"Die beiden haben gesagt, sie könnten nicht nach Hause. Es sei schon so spät. Sie kämen aus Frankfurt und es gebe keine Bahn mehr. Ihre Eltern dürften nicht wissen, dass sie getrunken hätten. Sie wüssten auch nicht, wo sie bleiben sollten, denn McDonald's wollte zumachen", schildert ein Teenager. Dann sei der Angeklagte hinzugekommen und kurze Zeit später auch Tugce.

Basierte heftiger Streit auf einem Missverständnis?
"Was habt ihr hier verloren? Raus aus dem Damenklo! Lasst die Mädels in Ruhe! Verpisst euch!", soll die 22-Jährige geschrien haben. Daraufhin sei es zum Streit zwischen Tugce und M. mit gegenseitigen Beleidigungen gekommen. Nach dem Einschreiten eines älteren Restaurantgasts habe sich die Situation vorerst beruhigt. Doch nach dem Verlassen des Lokals ging es offenbar mit Beleidigungen auf beiden Seiten weiter. Wobei laut den Freunden M.s Tugces Freundinnen eher das Problem gewesen seien.

M. sei von Tugces Freundinnen als Hurensohn geschimpft worden. Danach brannte beim 18-Jährigen wohl die Sicherung durch. "Ich habe ihn gepackt und gesagt: 'Sanel, lass dich nicht provozieren, geh zurück! Setz dich ins Auto, wir fahren nach Frankfurt. Wir machen uns noch einen schönen Abend.' Aber er hat nicht mehr darauf gehört. Er hatte sich vorher wirklich lange zurückgehalten. Das hat wirklich lange gedauert. Aber dann war dieser Punkt gekommen", erinnert sich einer der Freunde, der den Angeklagten als netten und eher schüchternen Burschen kennen will. Doch der 18-Jährige ist bereits einschlägig amtsbekannt und soll mehrere Vorstrafen haben - unter anderem wegen Körperverletzung.

"Warum ging Tugce an diese Grenze?"
Er habe den 18-Jährigen zurückhalten wollen, doch plötzlich sei Tugce hinter seinem Rücken gestanden - und dann habe M. zugeschlagen. "Warum nur ging Tugce an diese Grenze?", fragen die jungen Männer, die auch sagen, dass sie danach die Eltern der Studentin aufsuchen und ihre Geschichte erzählen wollten - doch aus Angst hätten sie sich nicht getraut.

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