Fr, 24. November 2017

BirdLife warnt:

06.02.2015 09:54

Viele geschützte Vögel sterben an Stromschlägen

Gefahren für die Vogelwelt sind vielfältig: Sie reichen von der Kollisionen mit Glasscheiben, dem Straßenverkehr oder der Eisenbahn über die illegale Verfolgung durch den Menschen bis zum Revierkampf, Krankheiten und feindlichen Beutetieren. Untersuchungen ergeben aber auch, dass eine erhebliche Anzahl an besonders geschützten Vogelarten wie Uhu, Kaiser-, See- und Steinadler tödlichen Stromschlägen zum Opfer fällt.

Insbesondere konnte durch Studien beim Uhu nachgewiesen werden, dass diese Verluste sich nicht durch den regionalen Bruterfolg ausgleichen und der scheinbar stabile Uhu-Bestand in Wirklichkeit nur durch mögliche Einwanderer aufrechterhalten wird.

Projekt untersucht Todesursache von Vögeln
Die Vogelschutzorganisation BirdLife geht daher im Rahmen eines Projektes der ORF-Umweltinitiative "Mutter Erde" nicht nur der genauen Todesursache von verendeten Vögeln nach, sondern speist die Daten erstmals in eine koordinatengenaue Datenbank ein. Mit den gewonnenen Erkenntnissen sollen praktikable Lösungsvorschläge direkt mit den Netzbetreibern erarbeitet werden.

Datenbank soll helfen, Lösungen zu finden
"Das Ziel des Projekts ist es, möglichst rasch handeln zu können und Sicherungsmaßnahmen zum Schutz der Vögel einzurichten. Wie oft Stromunfälle passieren, ist stark von der Größe des Vogels und der Bauart des Strommastens abhängig. Vereinfacht kann man sagen, dass größerer Vogelarten auf Mittelspannungsleitungen mit kurzen Stehisolatoren besonders gefährdet sind", erklärt Remo Probst, Ornithologe und Projektleiter bei BirdLife Österreich.

Vögel lösen leicht Kurzschlüsse aus
Zum Stromschlag kommt es dann, wenn ein Vogel zwei Leiterseile (Kurzschluss) oder die Strecke zwischen einem spannungsführenden und einem geerdeten Teil (Erdschluss) überbrückt. "Oft setzt sich beispielsweise ein Uhu auf den Querträger eines Mastens und streift bei An- oder Abflug gleichzeitig eine Leitung mit seinem Flügel und überwindet so die viel zu kurze Isolatorstrecke, die die stromführenden Teile einer Leitung eigentlich trennen. Aber auch mit dem Kotstrahl kann ein Kurzschluss ausgelöst werden", weiß Probst.

Störche, Greifvögel, Falken und Eulen besonders betroffen
Ersten Erkenntnissen zu Folge betreffen 90 Prozent der Stromtodfälle vor allem Warten nutzende große oder häufige Arten wie Störche, Greifvögel, Falken und Eulen. "Alarmierend dabei ist die breite Palette von besonders geschützten Arten, die als Stromtodopfer zu beklagen sind. Es bedarf daher rasch eines neuen Problembewusstseins und einer intensiven Zusammenarbeit mit den Stromversorgern", bringt Probst die prekäre Lage auf den Punkt.

Abdeckhauben als Gegenmaßnahme
Die technischen Möglichkeiten zur Verhinderung des Stromtods sind heute weit ausgereift. Mittel der Wahl sind in der Regel Abdeckhauben, welche den Kurz- beziehungsweise Erdschluss verhindern. Nachdem es in Österreich aber keine verbindliche Rechtslage für entsprechende Schutzmaßnahmen gibt, beruhen die einzelnen Maßnahmen auf freiwilligen Leistungen der Betreiber. Einige der führenden Stromanbieter konnte BirdLife bereits für das Thema sensibilisieren.

Hinweise aus der Bevölkerung erbeten
Für Probst bleibt dennoch der Aufbau einer Datenbank zunächst vordringlich: "Nur so können wir uns über das Ausmaß der Stromtod-Problematik und der besonders betroffenen Gebiete ein konkretes Bild schaffen." Die Vogelschutzorganisation bittet dabei auch aufmerksame Bürger, Meldungen von durch Stromschlag getötete Vögel an BirdLife weiterzuleiten. Hinweise bitte per E-Mail an remo.probst@birdlife.at.

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