Mo, 11. Dezember 2017

Emotionaler Sieg

06.02.2015 09:13

Reichelt: "Habe mir geschworen, nicht zu weinen"

Mit Gold im WM-Super-G hat Hannes Reichelt am Donnerstag in den USA ein Ski-Märchen vollendet. Nur ein Jahr nach einer komplizierten Rückenoperation fuhr der Salzburger die erste Goldmedaille seiner Karriere ein. Reichelt avancierte mit 34 Jahren und 215 Tagen zum ältesten Weltmeister der Geschichte und gleichzeitig zum ersten österreichischen WM-Champion in einer Speed-Disziplin seit 2003. Seine Goldfahrt sehen Sie oben im Video.

Der Traum von WM-Gold begann für Reichelt fast auf den Tag genau vor 24 Jahren. Am 3. Februar 1991 war Reichelt als zehnjähriger Bub live in Saalbach mit dabei gewesen, als Rudi Nierlich den Sieg im WM-Riesentorlauf holte.

Nierlichs WM-Sieg als Motivation
"Es war richtig cool, wie die Leute dem Rudi zugejubelt haben. Ich hab mir gedacht: 'Wow, das ist ein Held". Seitdem wollte ich das auch einmal erreichen, und jetzt ist dieser Kindheitstraum in Erfüllung gegangen", erzählte Reichelt. Der Radstädter war auch 2003 dabei, als Stephan Eberharter als bis Donnerstag letzter Österreicher WM-Gold im Super-G gewann. Damals allerdings schon als aktiver Rennläufer. Reichelt schied jedoch in St. Moritz aus und haderte.

"Ich ärgerte mich, warum es beim Großereignis nicht geklappt hat. Heute weiß ich, dass man am Tag X neben einem guten Lauf auch das Glück auf seiner Seite haben muss. Und das hatte ich diesmal", sagte Reichelt, der 0,11 Sekunden vor dem Überraschungszeiten Dustin Cook aus Kanada gewann. Knapp dran war Reichelt bereits bei der WM 2011 gewesen, damals hatte er sich jedoch mit Silber hinter dem Südtiroler Christof Innerhofer begnügen müssen.

"Habe mir geschworen, nicht zu weinen"
Die emotionalsten Minuten erlebte der Nordamerika-Spezialist in Beaver Creek bereits wenige Minuten nach Rennende. Bei der sogenannten "Flower Ceremony" im Zielraum wurde Reichelt bei der österreichischen Bundeshymne von den Gefühlen übermannt. "Ich hatte mir geschworen, nicht zu weinen. Weil das nicht wirklich männlich ist", merkte Reichelt lachend an.

"Aber dann sind mir die Gedanken über die vergangenen zwölf Monate durch den Kopf gegangen. Ich habe daran zurückgedacht, wie ich vor einem Jahr im Krankenhaus gelegen bin. Damals hätte ich nicht einmal zu träumen gewagt, dass ich wieder so zurückkomme;", sagte Reichelt, der wenige Tage nach seinem Abfahrtstriumph in Kitzbühel 2014 seine Olympia-Hoffnungen begraben hatte müssen.

"Ich bin sehr dankbar. Dankbar an mein ganzes Team und mein gesamtes Umfeld", meinte Reichelt. Sein Dank galt vor allem der Familie, Freundin Larissa, dem ÖSV, der Skifirma Salomon und dem gesamten medizinischen Team, das beim Comeback mitgeholfen hat. "Es haben sehr viele Leute dazu beigetragen, dass ich wieder so fit bin."

Generalprobe in Kitzbühel verhaut
Dabei hatten die unmittelbaren Vorzeichen vor der WM für Reichelt gar nicht so gut ausgesehen. Die Generalprobe in Kitz hatte er verhaut: Rang 24 im Super-G, Platz 34 in der Abfahrt. "Ich konnte mich in Kitz nichts aufs Wesentliche konzentrieren, also aufs Skifahren. Und dann kommt so etwas raus." Und auch das erste Abfahrtstraining bei der WM war nicht nach Wunsch verlaufen, nur mit Mühe hatte Reichelt einen schweren Sturz vermieden.

Nun ist Reichelt aber ältester Weltmeister der Geschichte. Der Pongauer hat in dieser Rangliste Didier Cuche abgelöst, der Schweizer war 2009 bei seinem Super-G-Sieg in Val d'Isere 43 Tage jünger gewesen.

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