Di, 21. November 2017

Für Juden in Europa

06.02.2015 07:13

Haarige „Zauber-Kippa“ als Schutz vor Attacken

In seinem Unisex-Haarsalon in einem Vorort der Stadt Rechovot mitten in Israel führt Shalom Koresh auf dem Haupt eines jungen Kunden seine "Zauber-Kippa" vor: Eine jüdische Kopfbedeckung, angepasst an das Haar ihres Trägers. Die unsichtbaren Käppchen sollen praktizierende Juden vor antisemitischen Anfeindungen bewahren, ohne dass sie gegen ihre religiösen Gebräuche verstoßen müssen. Vor allem in Europa sieht ihr Erfinder eine wachsende Nachfrage.

"Vor rund einem halben Jahr kam mir die Idee zum ersten Mal", sagt der Figaro. "Kunden, die nach Europa gefahren waren, berichteten vom dort wachsenden Antisemitismus und ihrer Furcht, sich mit der Kippa zu zeigen", berichtet Koresh. "Also warum nicht Kippot tragen, die sich optisch ins Eigenhaar fügen?"

Angepasst an den Schopf des Kunden
Seine runden Haarteile mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern wirken überzeugend. Die kleinen Perücken sind in Farbe und Textur individuell angepasst an den Schopf des Kunden. Synthetisch hergestellt kosten sie umgerechnet knapp 50 Euro, die Echthaarvariante kommt auf 70 Euro. Im unscheinbaren Vorort von Rechovot, wo Koresh seinen Salon betreibt, erscheint dies als völlig überflüssige Ausgabe. Doch der Erfinder setzt auf den Export: Auf seinem schwarzen T-Shirt steht in Goldlettern deshalb auf Französisch: "La Kippa Magique".

Die meisten Anfragen habe er aus Frankreich und Belgien erhalten. "Seit den Attentaten in Paris häufen sich die Mails, in denen nach Bezugsquellen gefragt wird. Und auch das wachsende Medieninteresse dürfte die Nachfrage anheizen", ist sich der Frisör sicher. Statistiken belegen eine wachsende Zahl von Übergriffen auf Juden vor allem in Frankreich, Großbritannien und Belgien. Der Hersteller der "Zauber-Kippa" ist überzeugt, dass seine Haarteile angesichts der aktuellen Lage hilfreich sind und nachgefragt werden. "Natürlich werden sie hohe Verbreitung finden", ruft Koresh aus. Wie viele schon verkauft oder bestellt wurden, will er nicht sagen: "Das ist geheim - wie das genaue Herstellungsverfahren."

Soziologen skeptisch
In Israel befragte Soziologen sind dagegen skeptisch, ob die Unsichtbarkeit nicht genau dem Grundzweck der Kippa widerspricht. Professor Gideon Aran von der Hebräischen Universität in Jerusalem sagt dazu: "Die orthodoxen Juden tragen diese Kopfbedeckung doch gerade, um sich von den Gojim zu unterscheiden", wie die Nicht-Juden auf Jiddisch genannt werden. "Sie wollen damit ihre Glaubenszugehörigkeit gegenüber der Außenwelt und auch Ihresgleichen gegenüber demonstrieren."

Wolle ein Jude seine religiöse Identität verdecken, "trägt er eher eine Baseballkappe und sieht aus wie jeder andere", hat Aran beobachtet. Zudem gebe es ja kein Gebot in den Heiligen Schriften, das die Juden zum Tragen eines Huts zwinge. "Das ist doch nur eine Art Brauch, der mit der Entstehung des orthodoxen Judentums vor rund 200 Jahren entstanden ist", erläutert der Professor. "Viele lassen die Kippa deshalb einfach weg, wenn sie nicht auffallen wollen."

"Millionär wird er damit wohl nicht werden"
Sein Universitätskollege Tamar El Or hielt die Idee von der Haar-Kippa zunächst überhaupt für einen Witz. Nun sagt er: "Offenbar hatte hier jemand die Idee für ein neues Geschäftsfeld. Millionär wird er damit wohl nicht werden."

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