Mo, 23. Oktober 2017

Seit zehn Jahren

04.02.2015 17:16

56-Jähriger geht täglich 34 Kilometer zur Arbeit

Weil er sich mit seinem Gehalt kein eigenes Auto leisten kann und in der pleitegeplagten US-Stadt Detroit der öffentliche Nahverkehr nicht sehr gut ausgebaut ist, muss der 56-jährige James Robertson auf seinem Weg zur Arbeit und nach Hause jeden Tag 34 Kilometer zurücklegen. Insgesamt ist der Fabrikarbeiter fünf Tage die Woche je neun Stunden unterwegs. Nachdem nun eine Lokalzeitung über den "Walker" berichtet hat, fanden sich spontan zahlreiche Menschen zusammen und starteten eine Spendenaktion. Damit wollen sie dem 56-Jährigen ein Auto finanzieren.

Sein letztes Fahrzeug, ein Honda Accord Baujahr 1988, hatte vor rund zehn Jahren endgültig den Geist aufgegeben. Seither ist der 56-Jährige der sogenannte Walker. Zwar bewältigt er nicht die gesamte Strecke zu Fuß, doch die Buslinien, die Robertson benützen kann, verkehren nur auf wenigen Etappen seines Weges. Auch seine Kollegen leben nicht in der Nähe seines Wohnsitzes.

"Walker" wendet mehr Zeit fürs Gehen als fürs Schlafen auf
Die Fahrten im Bus nützt der Mann jedenfalls immer wieder für kleine Nickerchen. Mit ausreichend Schlaf ist er nämlich nicht gesegnet. Hat er Spätschicht, kommt Robertson erst gegen 4 Uhr nachts nach Hause und muss um kurz nach 6 Uhr bereits wieder aufstehen. Um 8 Uhr muss der 56-Jährige wieder losmarschieren, um rechtzeitig für seine Schicht zu erscheinen, die um 14 Uhr beginnt. Kurz gesagt: Der Mann geht mehr als er schläft.

"Am Ende der Woche fühlt man sich physisch und psychisch ziemlich fertig. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg", gibt sich Robertson kämpferisch und lässt sich nicht unterkriegen, wie die "Detroit Free Press" in ihrer Online-Ausgabe berichtet. Und trotz dieser Strapazen hat der 56-Jährige weniger Krankenstandstage als alle seine Arbeitskollegen in seinem metallverarbeitenden Betrieb. Am Wochenende schläft der "Walker" laut eigenen Worten dafür sehr lange.

"Er lässt sich nicht mitnehmen. Er mag seine Unabhängigkeit"
Nun wollen mitfühlende Spender Robertson helfen. Auf der Spendenplattform gofundme.com wurde eine Sammelaktion gestartet. Die Zielsumme in der Höhe von 5.000 Dollar wurde mittlerweile um ein Vielfaches übertroffen. Derzeit liegt der Stand bei knapp unter 276.000 Dollar. Doch obwohl sich mit diesem Geld bereits Luxusautos kaufen ließen, will der Mann offenbar gar keinen fahrbaren Untersatz. "Er lässt sich nicht mitnehmen. Er mag seine Unabhängigkeit", meint Robertsons Chef Todd Wilson.

Robertson: "Geld lieber in den öffentlichen Verkehr stecken"
Und tatsächlich ließ der 56-Jährige ausrichten, dass er sich durch die Sammelaktion geschmeichelt fühle - doch er wolle gar kein eigenes Auto. Vielmehr soll das Geld für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs verwendet werden. "Sie sollten das Geld eher in 24-Stunden-Buslinien stecken. Können Sie das dem Bürgermeister ausrichten?"

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