Di, 17. Oktober 2017

Schattenwirtschaft

04.02.2015 10:02

Pfusch in Österreich weiter im Vormarsch

Die wachsende Arbeitslosigkeit und die konstant hohe Last an Steuer- und Sozialabgaben werden den Pfusch in Österreich heuer weiter steigen lassen. Die Schattenwirtschaft dürfte 2015 das dritte Jahr in Folge zunehmen und auf 21,3 Milliarden Euro bzw. 8,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes klettern, nimmt der Linzer Volkswirtschaftsprofessor Friedrich Schneider an. Das ist EU-weit der niedrigste Wert.

Größter Verlierer beim Pfusch sei der Staat, dem dadurch Steuern und Sozialbeiträge in Höhe von 2 bis 3,5 Milliarden Euro pro Jahr entgehen, so Schneider. Die Steuerverluste selbst würden sich deshalb in Grenzen halten, da das "schwarz" verdiente Geld sofort wieder im offiziellen Wirtschaftskreislauf ausgegeben werde. Weiterer Verlierer seien die Krankenversicherungen, die Kosten zusätzlicher Unfälle bzw. von Arbeitsunfähigkeit der Pfuscher tragen müssten.

Österreich EU-Schlusslicht bei Pfusch-Quote
In der EU ist Österreich - in positiver Hinsicht - Schlusslicht beim Anteil der Schattenwirtschaft, gemessen am offiziellen Bruttoinlandsprodukt. Ebenfalls einstellige Raten weisen nur noch Luxemburg (8,3), die Niederlande (9) und Großbritannien (9,4 Prozent) auf. Jedoch ist Österreich eines von nur sechs EU-Ländern, in denen der Pfusch zunimmt. Deutschland liegt bei 12,2 Prozent. Die höchsten Werte hat Schneider für Bulgarien (30,6), Rumänien (28) und Kroatien (27,7 Prozent) ermittelt. Im OECD-Raum weisen nur Neuseeland, die Schweiz und vor allem die USA mit 8 bzw. 6,5 und 5,9 Prozent noch geringere Pfusch-Quoten als Österreich auf.

In Österreich dürfte heuer die Schattenwirtschaft um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen. Abgesehen vom Anstieg von 5,8 Prozent im Jahr 2014 ist dies das stärkste Plus seit 2011. Quantitativ am bedeutendsten ist die Schattenwirtschaft in Wien mit 5,9 Milliarden Euro sowie in den großen Bundesländern Ober- und Niederösterreich mit 3,6 bzw. 3,5 Milliarden Euro.

Am Bau wird am meisten gepfuscht
Baugewerbe und der Handwerksbetrieb halten in Österreich mit etwa 39 Prozent naturgemäß den größten Anteil beim Pfusch. 2015 werden hier rund 8,3 Milliarden Euro "schwarz" umgesetzt, schätzt der Schneider. Es folgen sonstige Gewerbebetriebe und haushaltsnahe Dienstleistungen mit 17 Prozent Anteil bzw. absolut 3,6 Milliarden. Weitere jeweils 3,4 Milliarden Euro entfallen bundesweit auf die beiden Sektoren "andere Gewerbe- und Industriebetriebe" sowie "Dienstleistungsbetriebe". Den geringsten Anteil hat laut Schneider die Unterhaltungs- und Vergnügungsbranche mit 2,6 Milliarden Euro "Schattenvolumen" in ganz Österreich.

Historisch gesehen war der Pfusch-Anteil am Bruttoinlandsprodukt hierzulande vor einem Jahrzehnt spürbar höher. Von 2003 bis 2005 etwa war der Kuchen jeweils zehn bis elf Prozent groß, bis 2008 schrumpfte er stetig bis auf 8,1 Prozent. Dann, im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise, wuchs er 2009 auf 8,5 Prozent, um danach im Zuge des etwas kräftigeren Wirtschaftswachstums wieder bis auf 7,5 Prozent im Jahr 2013 zu sinken. 2014 waren es 7,8 Prozent.

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