Di, 21. November 2017

Tatum & Carell

04.02.2015 15:05

Einsame Ringer-Füchse: „Foxcatcher“

In den USA löst der Name John du Pont Gänsehaut aus, in Europa ist er weitgehend unbekannt. Mit dem Kinostart von "Foxcatcher" (Start: 5. Februar), Bennett Millers psychologischem Drama über das schicksalhafte Bündnis des exzentrischen Millionärs mit dem Ringerduo Mark und Dave Schultz, könnte sich das ändern. Dafür sorgt nicht zuletzt der oscarnominierte Steve Carell in einer ungewöhnlich ernsten Rolle.

Als Mark Schultz (Channing Tatum) erstmals auf John du Pont (Carell) trifft, lässt sein Lebensstil nicht auf jenen eines Olympia-Goldmedaillengewinners schließen. In einem tristen Keller trainiert der Ringer gemeinsam mit seinem älteren Bruder Dave (Mark Ruffalo), in dessen Schatten er seit jeher steht; in seiner kahlen Wohnung isst er abends vereinsamt Instant-Nudeln vor dem Fernseher.

Da kommt die Einladung des reichen Chemiekonzern-Erben, Philanthropen und Ringer-Aficionados du Pont, auf dessen Luxus-Anwesen zu wohnen und mit seiner finanziellen Unterstützung für die Olympischen Spiele in Seoul 1988 zu trainieren, gerade recht.

Mark ist fortan Goldjunge von du Ponts "Team Foxcatcher", benannt nach dem Pferdegestüt von du Ponts kritischer Mutter Jean (Vanessa Redgrave), Foxcatcher Farms. Sie ist es, deren Respekt du Pont mit dem "Coachen" eines Weltklasse-Teams gewinnen will. Dieses Ziel nicht erreichend, lässt auch seine Unterstützung für den nach mittlerweile von du Pont ebenso wie von Kokain abhängigen, nach Anerkennung lechzenden Mark nach.

Das ablehnende, irritierende Verhalten du Ponts Mark gegenüber bricht dessen Selbstbewusstsein zunehmend - nicht zuletzt, als du Pont seinen Fokus auf Dave verlegt, der mit Ehefrau Nancy (Sienna Miller) und den beiden Kindern auf das Anwesen zieht. Die angespannte Stimmung befördert du Ponts Paranoia - mit fatalem Ausgang.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Die an wahre Begebenheiten in den späten 1980ern angelehnte Story fesselt als Parabel über die Fragilität des amerikanischen Traums. Steve Carell, der für schräge Komödien bekannte Star, glänzt oscarwürdig als ein mit Komplexen beladener Exzentriker, der mit der snobistischen Geringschätzung seines Umfelds hadert und die Bestie Wahnsinn peu à peu von der Leine lässt. Ein atmosphärisch packendes Wrestler-Drama, das um emotionale Verletzungen, Isolation und Ruhmsucht kreist.

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