Fr, 24. November 2017

Ich hasse Montag

05.02.2015 09:42

Mazda2: Selbstbewusstsein kann man kaufen

Mazda ist erfolgsverwöhnt. Selten wird einem neuen Kompaktmodell von allen Seiten so viel Gutes nachgesagt wie dem Mazda3. Nun soll der Mazda2 eine Klasse tiefer die gleichen Begeisterungsstürme auslösen wie sein großer Bruder aus der Golf-Klasse. Dafür haben die Japaner dem Kleinen (zumindest optional) viel feine Technik und geschmackvolles Interieur mitgegeben und ihn dem Vorbild vor allem aus dem Gesicht geschnitten.

Vorne ist die Schokoladenseite. Diese Schnauze mit den Chromeinfassungen am Kühlergrill, die wir vom Mazda3 kennen, ist elegant as can be und steht stolz im rauschenden Fahrtwind. Die Einfassungen der Nebelscheinwerfer zeigen ein stilisiertes "Daumen hoch", als wäre es Programm. Die Linie zieht sich über die vorne flach zusammenlaufende Motorhaube über eine ebenfalls recht flache Frontscheibe und das Dach, das hinten sportlich abfällt und in einem Dachspoiler ausläuft. Seitlich mit feiner Klinge gesetzte gegenläufige Charakterlinien, Kotflügel wie mit dem Buttermesser abgeschnitten. Die hinteren Türgriffe (der Mazda2 ist grundsätzlich ein Fünftürer) sind im Fensterrahmen versteckt.

Am Heck dominiert der leicht pummelige Stoßfänger, die Optik strebt nach oben. Durch die schwarze Blende unten hat das was Hochbeiniges. Im Vergleich zum Vorgänger ist der Mazda2 14 cm länger und 2 cm höher (bei mit ab 970 kg unverändertem Gewicht). Der eine oder andere Zentimeter mehr Breite hätte im dazu gut getan; so wirkt er insgesamt etwas gedrungen. Die fade Lackierung des Testwagens in Unscheingrau-metallic unterstützt diesen Eindruck. Direkt neben meinem Testwagen stand auf der Vienna Autoshow ein strahlend blaues Exemplar – das wirkte deutlich positiver. Also aufgepasst bei der Farbwahl!

Beim Innenraum ist Eigenverantwortung gefragt
Der Blaue hatte auch den deutlich schöneren Innenraum: zweifarbige Lederausstattung, auch am Armaturenbrett. Wunderschön. Dem Designer, der das Interieur des Testwagens (Ausstattungsversion Hazumi) zusammengestellt hat, kann man Geschmackssicherheit sicher nicht als hervorstechendste Eigenschaft nachsagen: Zum grundsätzlich schwarzen, wenig eleganten Plastik gesellen sich eine strukturierte weiße Blende quer über die Konsole, der Rahmen um die Lüftungsdüsen ist wie mit Nagellack knallrot gefärbt, dazu rote Sitze und eine rote Türarmlehne. Ist das alles für sich genommen schon grenzwertig, passt es schon gar nicht zum unauffälligen Außenauftritt. Wer's mag. Aber es gibt den Innenraum ja auch in Schön.

Hervorragende Bedienung
Bei der Bedienung überzeugt mich der Mazda2 hingegen, vor allem weil er nicht dem Trend zum Touchscreen nachläuft. Er geht den Weg, den etwa BMW beschreitet (auch beim Fahrverhalten gerne als Vorbild genommen), und bietet einen Dreh-drück-Steller, der griffgünstig zwischen den Sitzen platziert ist. Auch wenn die Menüführung nicht der Weisheit allerletzter Schluss ist, so gibt es doch kaum Grund zur Klage. Das geht schnell, zügig und ohne lange den Blick von der Fahrbahn nehmen zu müssen.

Der Mazda2 ist neben dem Mini der einzige Kleinwagen, der mit Head-up-Display (mit aufklappbarer Plastikscheibe) bestellt werden kann. Der Testwagen hat das allerdings ebenso wenig wie das Sicherheitspaket mit der Auspark-Hilfe, die ums Eck schaut und dadurch beim Reversieren frühzeitig vor herannahenden Objekten oder Personen warnt. Allerdings ist der Spurhalteassistent an Bord, auf den ich wiederum gut verzichten könnte, denn er warnt akustisch bei Überfahren einer Linie – das nervt entweder oder ist gar nicht zu hören: Bei Autobahntempo wird es so laut, dass man das Brumm-Signal schlicht nicht hört. Und warum muss man damit überhaupt die Mitfahrer behelligen?

Weitere elektronische Assistenten helfen bei Notbremsungen, beim Spurwechseln oder beim Aus- und Einschalten des Lichts. Hut ab vor den hochwertigen Ausstattungsoptionen, zu denen auch LED-Scheinwerfer (empfehlenswert, Halogen ist relativ schwach) gehören.

Bitte Platz zu nehmen!
Die Sitze mit ihrer langen Beinauflage sind sehr bequem und bieten gerade so viel Seitenhalt, wie es in einem Kleinwagen sein muss. Ihre Beheizung arbeitet besonders schnell und effektiv. Platz ist vorne ausreichend vorhanden, auf den Rücksitzen geht es hingegen eng zu, obwohl der Radstand um acht Zentimeter gewachsen ist. Es fehlt vor allem an Beinraum (trotz 19 Extra-Millimetern) und das flach abfallende Dach prädestiniert Reihe zwei für Kinder und Glöckner. Groß Gewachsenen fällt schon das Ein- und Aussteigen schwer. Die tiefe Höhle des Kofferraums fasst beachtliche 280 Liter, das Gepäck muss aber durch einen schmalen Ausschnitt und über eine hohe Ladekante gewuchtet werden. Unpraktisch: In der Aussparung für den Kofferraumgriff sammelt sich bei Regen Wasser, in dem man beim Öffnen seine Finger badet.

Und wie fährt er sich?
Vom Mazda3 bin ich recht verwöhnt, was das Fahrverhalten angeht. Der 2er kann da nicht ganz mithalten. Über gröbere Unebenheiten hoppelt er geradezu hinweg, dafür brilliert er auf feinen Wellen wie etwa denen auf der A23/A2 am Knoten Inzersdorf Richtung Süden (wer die Stelle kennt, weiß, was ich meine), an deren Ausgleich teilweise Autos scheitern, die mindestens eine Klasse höher kategorisiert sind. Die Lenkung ist für Mazda-Verhältnisse wenig präzise. Und zum Getriebe komme ich später.

Der Testwagen ist mit dem 90 PS starken1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner ausgestattet, der beileibe kein Wunder an Durchzugskraft ist. Sein maximales Drehmoment von 148 Nm erreicht er bei 4.000/min., unter 3.000 Touren lässt er sich sehr bitten. Mazda gibt als 0-100-Sprintwert 9,4 Sekunden an, was ebenso unrealistisch ist wie der Normverbrauchswert von 4,5 l/100 km. Der Sprintwert geht eher Richtung 11, mein Testverbrauch liegt bei 7,3 Liter auf 100 Kilometer. Sensationell auf Zack ist das i-stop genannte Stopp-Start-System, das auch ungeduldige Gemüter nicht ausbremst.

Weitere Motorvarianten (alle mit 1,5 Liter Hubraum): Der Benziner ist auch mit 75 PS und Fünfganggetriebe oder mit 115 PS und sechs Gängen zu haben. Die 90 PS-Version gibt es statt mit dem getesteten Fünfganggetriebe auch mit Sechsgangautomat. Der einzige Diesel leistet 105 PS und bietet 220 Nm ab 1.400/min., bei einem Normverbrauch von 3,4 l/100 km.

Wendig ist er, der kleine Mazda; 9,4 Meter Wendekreis machen das Einparken leicht. Allerdings muss man im Auge haben, dass die Front liegt so tief liegt wie bei einem Sportwagen. Da schrammt man dann gerne mal über einen gar nicht so hohen Randstein drüber.

Warum sagt man eigentlich Montagsauto?
Mein Testwagen ist der erste Mazda2 auf österreichischem Boden. Mazda hat ihn mir direkt von der Vienna Autoshow auf den Parkplatz des "Krone"-Verlagshauses gestellt, mit kaum mehr als 0 km. Im Vertrauen darauf, dass alles okay ist, wenn ein Mazda frisch vom Band rollt, ohne ihn vorher gründlich durchzuschauen. Das erwies sich als keine gute Idee, denn es hakte hie und da. Das sonst brave Navi hat mich mitten auf der Südautobahn verloren und laut Karte einige Hundert Meter neben die A2 gesetzt – teilweise quer zu meiner Fahrtrichtung. Aus dem Armaturenbrett vibrierte und klappert es vernehmlich, der Schaltknauf dreht sich haltlos. Ja, und das Getriebe hat auch nicht von der sprichwörtlichen Mazda-Knackigkeit, sondern nervt durch unexakte Klapprigkeit. In Berichten von Testfahrten mit Vorserienfahrzeugen war davon nicht die Rede, daher gehe ich davon aus, dass es sich tatsächlich um ein Montagsauto handelt. Bei nächster Gelegenheit werde ich das mit einem Ersatzwagen überprüfen.

Grundsätzlich ist der Mazda2 ein Kleinwagen, den man mögen kann, mit einem sportlichen, gut abzulesenden Armaturenbrett, wenig Platz auf den Rücksitzen und jeder Menge Optionen, für die aber auch richtig Geld hinzulegen ist. Das 75-PS-Basismodell kostet 12.490 Euro, für eine Klimaanlage sind 1.100 Euro extra fällig. Der Testwagen kommt auf 19.500 Euro, inklusive den Extras Navi (500 Euro) und Metallic (440). Bei Mazda ist man selbstbewusst.

Warum?

  • Ein modernes, gut ausgestattetes Auto ohne Touchscreen ist schwer zu trong>

    • Beengte Verhältnisse auf der Rückbank

    Oder vielleicht …

    … Hyundai i20, Skoda Fabia, VW Polo, Peugeot 208, Citroen DS3, Audi A1 etc.

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