Sa, 25. November 2017

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02.02.2015 16:50

ÖBB-Chef Kern: Kein „Putschplan“ gegen Faymann

Heftig, aber nicht ohne Humor hat am Montag ÖBB-Generaldirektor Christian Kern auf erneute Spekulationen reagiert, er strebe die Nachfolge von Kanzler Faymann an. In einer auf Facebook veröffentlichten Stellungnahme schreibt der Bahnchef wörtlich von "einem Putschplan", der ihm unterstellt werde. Nichts davon sei wahr, sagte Kern.

Auslöser der Unterstellungen war ein Ballbesuch des ÖBB-Generaldirektors bei der Grazer Opernredoute in der Loge des steirischen Landeshauptmanns Franz Voves am vergangenen Samstag. Voves gilt in der SPÖ seit langem als Kritiker von Bundeskanzler Faymann und war erst am Freitag das Ziel heftiger Angriffe des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl.

Ein einschlägig bekanntes Krawallblatt inszenierte daraus am Montag eine bunte und wüste Story, in der davon die Rede war, dass die Steirer gemeinsam mit dem "Bahn-Chef Häupl und Faymann aushebeln" wollen.

ÖBB-General Kern, derzeit auf Skiurlaub, bestätigte der "Krone", dass er persönlich über Facebook seiner Empörung Luft gemacht habe. "Da ich ja offenbar bei diesem Putschplan eine wesentliche Rolle spiele, sollte ich mich vielleicht bei 'Österreich'-Chef Wolfgang Fellner erkundigen, worum es überhaupt geht", lautete Kerns Facebook-Eintrag.

Kern macht sich über Spekulationen lustig
Der Manager machte sich auch lustig über die wilden Spekulationen des Blattes: "Putschversuche finden doch wohl eher hinter dem Vorhang statt. Hat sich schon jemand gefragt, was das für ein armer Plan sein soll, den die Protagonisten vor laufender Kamera aufführen", schrieb Kern.

Kerns Karriereplanung, der zuletzt für den hoch dotierten Posten des OMV-Chefs im Gespräch war, sieht offenbar seinen Verbleib in der Wirtschaft: "Es ist tatsächlich so: es gibt bewohnte Planeten außerhalb des 'Raumschiffs Politik'".

Kommentar: Feschak in Rage
Ein wenig geschmeichelt fühlt sich ÖBB-Generaldirektor Christian Kern offenbar schon, seit Tagen als möglicher nächster Bundeskanzler gehandelt zu werden. Diese Eitelkeit kann als lässliche Sünde betrachtet werden. Zumal es nicht Kern selbst war, der sich ins Spiel gebracht hat. Wirklich explodiert ist das Thema erst durch einen Radioauftritt der Faymann-Vertrauten Doris Bures, die dem höchst erfolgreichen Bahnmanager ohne Not die Kanzlerqualifikation abgesprochen hatte.

Richtig ernst genommen hat die Kanzlerspekulationen um Kern bisher ohnehin nur ein seltsames Krawallblatt. Und das ist nun wahrlich kein Renommee für den ÖBB-Chef. Möglicherweise ist der 48-jährige Feschak auch deshalb am Montag auf Facebook derart in Rage geraten, dass er von seinem Skiurlaub aus die angeblichen Putschpläne gegen Bundeskanzler Werner Faymann dementierte.

Gewohnheitsmäßige Intriganten werten aber nun gerade diese entrüstete Zurückweisung als Indiz für entsprechende Ambitionen Kerns. Und dass Kern ebenso ehrgeizig wie talentiert ist, wissen alle, die ihn auch nur ein wenig besser kennen.

Zudem kann es der SPÖ, die schon rosigere Zeiten erlebt und über ein breiteres Personalreservoir verfügt hat, gar nicht schaden, wenn neue Zukunftshoffnungen in den Vordergrund rücken.

Allerdings gilt Kern – vor allem in Wiener SPÖ-Kreisen – nicht unbedingt als "Vote Getter", also nicht als einer, der dringend benötigte Wählerstimmen bringen könnte. Aber Kern ist ja noch vergleichsweise jung.

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