So, 17. Dezember 2017

WM-Special

31.01.2015 20:15

Hermann Maier beantwortet Fragen der "Krone"-Leser

"Ist Marcel dein kleiner Bruder? oder "Was war die beste Fahrt deiner Karriere?" Die "Krone"-Leser reagierten auf unsere große Herminator-Aktion und stellten dem Doppel-Weltmeister von Vail 1999 vor der Ski-WM 2015 in Vail ihre Fragen – Sportchef Robert Sommer übermittelte alle Hermann Maier, der sie gewissenhaft beantwortet. Heute beginnen wir damit, einen Teil davon zu veröffentlichen: etwa zu Hirschers Freiheiten im ÖSV-Team!

Hallo Hermann! Marcel Hirscher hat beim ersten Slalom in Levi eine vertragsfremde Bindung beziehungsweise Bindungsplatte verwendet. Kann es sich dabei um eine  handeln, die im Zehenbereich höher gestellt ist als im Fersenbereich? (Ewald Fritz Schrempf aus Ramsau am Dachstein)
Sehr gut beobachtet! Marcel genießt alle Freiheiten, auch bei der Wahl seiner Ausrüstung werden da alle Augen zugedrückt. In der Tat verwendet er eine "vertragsfremde" Platte und Bindung. Treibende Kraft dahinter ist Ferdl Hirscher, sein Vater, der mit einer ungeheuren Hingabe, fast einer Besessenheit, am besten Material für seinen Sohn tüftelt.

Was dachtest du dir bei der Anfrage von Marcel Koller, beim Fußballteam einen Vortrag zu halten? (Ines Buchholzer)
Es war eine sehr interessante Erfahrung für mich. Nachdem ich vor der WM bereits die deutsche Mannschaft im Südtiroler Trainingslager besuchte und ein paar Erfahrungen mit ihr teilen durfte, lag es fast ein bisschen auf der Hand, auch einmal beim österreichischen Team vorbeizuschauen. Ich erinnere mich genau: Auch da entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch mit den Spielern. Und wenn ich mir die guten Resultate danach so anschaue, habe ich zumindest keinen größeren Schaden angerichtet.

Marcel Hirscher hat offenbar viele Gemeinsamkeiten mit  dir – Ehrgeiz, Trainingseifer, Professionalität. Eigentlich könnte er doch dein kleiner Bruder sein, oder? (P. Feichtinger, Wien)
In einem Punkt hast du bestimmt Recht: Marcel geht sehr professionell an die Sache heran und überlässt nichts dem Zufall. In dem Punkt sind wir uns ähnlich, zumal wir auch aus der selben Gegend stammen. Aber im Gegensatz zu mir befand sich Marcel von Kindesbeinen an in ÖSV-Obhut. Er startet nicht in den schnellen Disziplinen, was viel weniger psychische Belastung und mehr Ruhephasen bedeutet. Er genießt alle Freiheiten und verfügt über ein mindestens siebenköpfiges Team im Team, das sich nur um ihn kümmert. Aber kleine Brüder genießen bekanntlich immer einen gewissen Sonderstatus.

Ich bin zehn Jahre alt und fahre selbst Skirennen. Meine Frage an Hermann: Was hast du gemacht, wenn du an einem Renntag total niedergeschlagen warst? (Christian Grünwald)
Lieber Christian, als echter Sportler muss man in Kauf nehmen, nicht immer gewinnen zu können. Das Wichtigste dabei ist, dass man aus Fehlern lernt und es das nächste Mal besser macht. Vielleicht ist es manchmal auch ratsam, die roten und blauen Stangen wegzulassen und einfach Skifahren zu gehen.

Welche Sportarten haben dich als Kind noch interessiert? Ich bin mir sicher, dass du in jeder dieser Sportarten der Beste gewesen wärst. Danke, für die vielen schönen Stunden, die wir wegen dir vor dem Fernseher verbringen durften. (Gusti Stöckl aus Neukirchen am Großvenediger)
Ich freue mich, wenn dir meine Auftritte als Skirennfahrer in guter Erinnerung sind. Ich hatte eben das Glück, die Sportart zu wählen, für die ich das meiste Talent mitbrachte. Hätte ich mehr aufs Geld und meine Sicherheit geachtet, wäre Golf vernünftiger gewesen. Aber auch Puzzle und Fußball zählten zu meinen Spezialitäten.

Kannst du uns Skifans erklären, warum unsere Herren nicht mehr so stark sind  wie früher? Wenn wir den Marcel nicht hätten, haben wir keinen Siegfahrer mehr! (M.K. Kures)
Es ist nicht ganz gerecht, jetzt immer wieder die wahnsinnig erfolgreiche Ära Ende der 90er und Anfang der 2000er zum Vergleich heranzuziehen. Damals gab es einfach eine einzigartige Konstellation, in der ich eine gewisse Rolle spielen konnte. Wir haben uns jedenfalls  – in den verschiedenen Trainingsgruppen – als Mannschaft gegenseitig zu Spitzenleistungen angestachelt. Das führte zu dieser unglaublichen Leistungsdichte. Da herrschte fast schon so etwas wie Kannibalismus. Ohne eine Platzierung unter den ersten drei war man bei Großereignissen nicht dabei. Und in den Speed-Disziplinen haben wir im Übrigen auch heute noch durchaus Siegkandidaten.

Welche war die beste Fahrt in deiner Karriere? (Simon Marchl)
Es fällt mir  sehr schwer, deine Frage zu beantworten, weil es da einige Fahrten gab, die mir recht gut gelungen sind. Andererseits gab es auch kaum eine, mit der ich hundertprozentig zufrieden war. Oft hat man mich gefragt, warum ich mich sogar nach Siegen mit großen Vorsprüngen offensichtlich geärgert habe. Das hatte einzig und allein den Grund, dass ich überzeugt war, nicht das Maximum herausgeholt zu haben.

Wäre es für Dich eine Option,  für den ORF als Co-Kommentator zu arbeiten? (Tobias Rainer)
Da herrscht überhaupt kein Bedarf, am Wochenende habe ich  eh keine Zeit, und zum Glück gibt es jede Menge andere Optionen.

Weitere Fragen lesen Sie am Sonntag in der Kronen Zeitung!

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