Do, 23. November 2017

„Relativ brutal“

27.01.2015 12:50

Masken-Räuber nach fünf Überfällen in Wien gefasst

Das Landeskriminalamt Wien hat eine Überfallserie auf Super- und Drogeriemärkte geklärt. Ein Hinweis aus der Szene führte zu der Bande. Fünf junge Männer wurden festgenommen, sie sollen sieben Überfälle begangen haben. Dabei trugen die Täter u.a. auffällige Masken, wie sie im Film "V, wie Vendetta" vorkommen. Die Schadenssumme beläuft sich auf "knapp unter 20.000 Euro", sagte Oberstleutnant Robert Klug am Dienstag in Wien.

Das Quintett habe die Taten seit Dezember 2014 verübt, erläuterte Oberst Michael Mimra, der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes. Die jungen Männer werden für einen Überfall in Floridsdorf, zwei in Simmering und vier in Favoriten verantwortlich gemacht. Ausgeforscht wurden sie von der neuen Ermittlungseinheit "Bandenkriminalität".

"Wir zählten eins und eins zusammen"
Der Zugriff erfolgte vergangenen Freitag in Favoriten - nach einem Überfall auf eine Billa-Filiale in der Geiselbergstraße in Simmering. Dabei wurden die Kassierin in den Würgegriff genommen und die Kassenlade aus der Verankerung gerissen. "Wir waren den Tätern schon auf der Spur, hatten die Wohnadressen ausgeforscht und Festnahmeaufträge beantragt. Während wir das Einschreiten geplant haben, konnten wir per Funk mithören, dass in der Nähe der Überfall stattgefunden hatte", schilderte Klug. Daraufhin "zählten wir eins und eins zusammen, auch die Täterbeschreibung passte auf unsere Personen". Die Polizei positionierte sich nach dem Überfall vor dem Wohnhaus der Verdächtigen.

"Drei Personen gingen schließlich rein, wir forderten Unterstützung an. Während wir darauf gewartet haben, kamen zwei Männer wieder raus", sagte der Ermittler. Das Duo wurde im Stiegenhaus festgenommen. Der dritte Mann warf noch die erbeutete Kassenlade und einen Sack mit Kleidung aus einem Fenster im zweiten Stock. "Dadurch wurde die Windschutzscheibe eines Autos zerstört", sagte Klug. Der Komplize wurde in der Wohnung überwältigt. Die drei Hauptbeschuldigten - österreichische Staatsbürger - sind 18, 19 und 21 Jahre alt. Die Polizei forschte noch zwei 19-Jährige aus, die den Räubern die Waffen zur Verfügung gestellt haben sollen.

"Relativ brutal" und "gut maskiert"
In der Wohnung der Beschuldigten fand die Polizei die Beute vom letzten Überfall sowie die Tatwaffen, zwei Gaspistolen. Insgesamt fünf Wohnungen wurden durchsucht. Das bei den anderen Überfällen erbeutete Geld gaben die Männer "für den Lebensunterhalt" aus, sagte Klug. Die Burschen sind nicht einschlägig amtsbekannt, zwei hatten jedoch schon mit dem Gericht zu tun. Einer von ihnen wohnte noch bei seinen Eltern.

Die Räuber gingen bei allen Überfällen "relativ brutal" vor, waren immer so "gut maskiert", dass auch nicht ersichtlich war, dass zwei der Hauptverdächtigen eine dunkle Hautfarbe haben. Die Männer drohten immer mit den Waffen, teilweise wurden Angestellte zur Seite gestoßen, sagten die Ermittler. Die Taten wurden stets in den Abendstunden verübt.

Täter hat "zu viel geplaudert"
Auf die Spur des Quintetts kam die Polizei durch einen Hinweis. "Einer der Täter hat offensichtlich ein bisschen zu viel geplaudert, er dürfte zu stolz auf die Tat gewesen sein, denn er hat sich damit gebrüstet, dass er einen Überfall begangen hat. Das wurde uns mitgeteilt, wir haben Erhebungen eingeleitet und sind ihnen auf die Schliche gekommen", erklärte Klug. Die Festgenommenen sind laut den Ermittlern teilgeständig.

Heuer wurden bereits fünf Raubüberfälle auf Supermärkte begangen, sagte Mimra. Im Vorjahr waren es insgesamt 63, 2013 waren es 57, von denen zahlreiche geklärt sind. "Supermärkte sind ein leichtes Ziel, sie sind nicht so gesichert wie andere gefährdete Objekte", erklärte der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes.

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