Di, 22. Mai 2018

Fake-Profil

21.01.2015 13:05

Identitätsraub: Justiz zahlt Frau 134.000 Dollar

Weil ein Fahnder der US-Drogenpolizei DEA unter falschem Namen ein Facebook-Profil erstellt und dafür jahrelang unerlaubt Bilder einer verurteilten Frau verwendet hat, muss das Justizministerium der betroffenen Klägerin jetzt 134.000 US-Dollar zahlen – umgerechnet knapp 116.000 Euro.

Sondra A. aus New York war im Juli 2010 wegen einer Verwicklung in Drogengeschäfte verhaftet worden. Der Richter setzte die Strafe zur Bewährung aus. Was die Frau jedoch nicht ahnte: Während sie noch auf das Urteil wartete, hatten Beamte ihr beschlagnahmtes Smartphone untersucht und private Fotos von ihr gespeichert, um mit diesen unter ihrem Namen ein gefälschtes Facebook-Profil zu erstellen. Ziel: mögliche Mitverschwörer eines Drogenrings dingfest zu machen.

Freizügige Fotos als Köder
Ohne das Wissen der Frau, die selbst nie ein Profil in dem sozialen Netzwerk eingerichtete hatte, postete ein Drogenfahnder gut vier Jahre lang immer wieder frühere Bilder von ihr, die sie teilweise leicht bekleidet zeigten. Zudem nahm er Freundschaftsfragen an und stellte aktiv Anfragen an andere Nutzer des Netzwerks, nach denen gefahndet wurde.

US-Justiz verteidigte Identitätsdiebstahl
Die Frau wehrte sich dagegen und reichte Klage gegen den Beamten ein. Nicht nur habe er ihre Privatsphäre verletzt, sondern sie auch in Gefahr gebracht, so der Vorwurf. Die US-Justiz verteidigte die Aktion zunächst: Zwar habe die Klägerin nicht ausdrücklich die Erlaubnis erteilt, die Fotos von ihrem Smartphone für eine Undercover-Facebook-Seite zu benutzen, räumte man im vergangen Oktober im Justizministerium ein. Sie habe jedoch stillschweigend zugestimmt, bei laufenden Strafermittlungen zu helfen.

"Der Vergleich zeigt, dass die Regierung ihre Pflicht ernst nimmt, die Rechte Dritter zu schützen, wenn es darum geht, diejenigen vor Gericht zu bringen, die Bundesverbrechen begehen. Er berücksichtigt zudem Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre im Zeitalter sozialer Medien und stellt eine faire Lösung für die Klägerin dar", teilte der zuständige Bezirksstaatsanwalt laut einem Bericht der Nachrichtenagentur AP nun mit.

Profil von Facebook gelöscht
Das gefälschte Facebook-Profil wurde nach Bekanntwerden des Vorfalls übrigens gelöscht – weil es die allgemeinen Geschäftsbedingungen Facebooks verletzte, wie ein Sprecher des sozialen Netzwerks gegenüber der Website "Buzzfeed" damals erklärte. In diesen heißt es: "Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen oder ohne Erlaubnis ein Profil für jemand anderen erstellen."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden