Di, 22. Mai 2018

Böses Kammerspiel

14.01.2015 16:01

"Frau Müller muss weg": Alle gegen die Lehrerin

Der Übertritt ans Gymnasium beherrscht bei vielen Familien den Alltag. Denn ob ein Kind diesen Wechsel schafft, ist nach Ansicht vieler Eltern richtungsweisend für sein ganzes späteres Leben. Entsprechend aufgeladen oder gar hysterisch ist deshalb die Stimmung in den Abschlussklassen der Volksschulen. Sönke Wortmann bringt dazu den passenden Film ins Kino: "Frau Müller muss weg" (Kinostart: 16. Jänner).

Eine Gruppe engagierter Mütter und Väter aus Dresden (darunter Justus von Dohnanyi und Anke Engelke) will die Lehrerin bei einem Elternabend auffordern, ihre Klasse abzugeben. Ihre Begründung: Frau Müller ist überfordert, vergibt zu schlechte Noten und verbaut den Zehnjährigen so Zukunft, Karriere und Lebensglück.

Im leeren Klassenzimmer warten fünf Eltern auf die Lehrerin. Bis Frau Müller endlich kommt, bringen sie sich mit Lästereien und Gerüchten über die Klassenleiterin in Fahrt. "Wer auf dem falschen Posten sitzt, fliegt", findet der arbeitslose Wolf (von Dohnanyi), dessen Tochter für ihn zu Höherem berufen ist ("Leistungsschwach ist nicht das richtige Wort für Janine"). Karrierefrau Jessica (Engelke) erklärt: "Ich bin hier heute angetreten, weil ich Laura auf dem Gymnasium haben will, alles andere ist mir scheißegal." Und eine andere empört sich, das Talent ihres Sohnes werde verkannt: "Hochbegabt haben sie auf der Montessorischule gesagt, hochbegabt."

Frau Müller (Gabriela Maria Schmeide) selbst ist erst gelassen, dann zutiefst verletzt: "Fassen Sie sich gefälligst an Ihre eigenen Nasen, bevor Sie mich für Ihre Fehler verantwortlich machen." Auch sie ist nicht fehlerfrei und lässt sich zu einem unschönen Wutausbruch hinreißen. Trotzdem weckt der Film Sympathie für Frau Müller, deren pädagogisches Konzept permanent infrage gestellt wird und die mit Drohungen gefügig gemacht werden soll.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Basierend auf dem gleichnamigen erfolgreichen Bühnenstück offeriert uns Sönke Wortmann, nachdem er den Stoff bereits 2012 für das Grips-Theater in Berlin inszenierte, einen famos dynamischen Schlagabtausch über Leistungsdruck in Schulzeiten wie diesen, der ironisch-dialogstark und top besetzt an Polanskis Verfilmung von "Der Gott des Gemetzels" erinnert. Ein Elternabend mit Sprengkraft.

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