Di, 20. Februar 2018

Ulbricht vor Gericht

14.01.2015 14:19

"Silk Road": Jetzt beginnt der Darknet-Prozess

Der mutmaßliche Drahtzieher des illegalen Online-Handelsplatzes "Silk Road" muss sich seit Dienstag vor einem US-Gericht in New York verantworten. Im Prozess gegen den 30-jährigen Ross William Ulbricht, der unter dem Pseudonym "Dread Pirate Roberts" den Drogen-Umschlagplatz im Internet betrieben haben soll, plädierte der Angeklagte auf nicht schuldig.

Ulbricht habe die eBay-ähnliche Seite zwar erfunden, bald aber an andere übergeben, sagte sein Anwalt der "New York Times" zufolge zu Beginn des Verfahrens. Er habe nur eine Handelsmöglichkeit "für alles außer ein paar verbotener Dinge" aufbauen wollen. Missbraucht hätten sie andere. Ulbricht war vor einem Jahr verhaftet worden.

Ulbricht soll kräftig an "Silk Road" verdient haben
Er habe mit zehn bis zwölf Prozent Provision bei jedem Verkauf auf der Milliardenplattform jedoch kräftig profitiert, wird ihm vorgeworfen. Sein Vermögen in der Digitalwährung Bitcoin soll mehr als 50 Millionen Dollar betragen haben, von denen die Strafverfolger den Großteil beschlagnahmten. Die Anklage wirft Ulbricht sogar vor, er habe Morde in Auftrag gegeben. Sie räumte jedoch ein, dass keine Informationen über tatsächliche Morde vorliegen.

Ulbricht bezeichnet sich als Sündenbock für die Bereicherung anderer. Der Fall zieht großes Interesse auf sich. Vor dem Gericht in Manhattan demonstrierten mehrere, teils vermummte Unterstützer Ulbrichts. Zudem dreht ein Filmemacher gerade eine Dokumentation über ihn.

Schwierige Ermittlungen im Darknet
Die Bundespolizei FBI und die Drogenbehörde DEA hatten mehr als zweieinhalb Jahre nach "Dread Pirate Roberts" gesucht - und am Ende Ulbricht gefunden. Die Ermittlungen waren knifflig, weil "Silk Road" nur über das Darknet, also jenen Teil des Internets, der nur über Anonymisierungsdienste wie Tor zugänglich ist, aufgerufen werden konnte.

Die Transaktionen wurden anonym über die Digitalwährung Bitcoin abgewickelt. Die Seite, eine Art Ebay für illegale Güter, hatte hunderttausende Nutzer rund um die Welt. Im Oktober 2013 nahm das FBI Ulbricht in einer Bibliothek in San Francisco fest.

Über "Silk Road" wickelten auch mitteleuropäische Täter illegale Geschäfte ab. Mitte 2013 wurde ein deutscher Drogenhändler festgenommen, der seine Geschäfte über diese Plattform abwickelte. Möglich wurde die Festnahme vor allem durch Ermittlungen von Drogenfahndern aus Wien und Salzburg, die ein Jahr zuvor dessen wichtigste Subhändler aus dem Verkehr gezogen hatten.

Lebenslange Haft droht
Dem mutmaßlichen "Silk Road"-Betreiber Ulbricht werden unter anderem Drogenhandel, Geldwäsche und Verschwörung zum Computer-Hacking vorgeworfen. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall lebenslange Haft.

Die US-Justiz beschlagnahmte bei den Ermittlungen gegen "Silk Road" nach eigenen Angaben Bitcoins im Wert von mehr als 150 Millionen Dollar (126 Millionen Euro). Im November schlossen die Behörden eine neue Version "Silk Road", die nach dem Schlag gegen Ulbrichts Website innerhalb kurzer Zeit im Netz landete. Gegen vier Verdächtige läuft ein Strafverfahren, zwischenzeitlich haben Unbekannte schon wieder eine neue Nachfolge-Website ins Darknet gestellt.

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