Mi, 21. Februar 2018

krone.at-Test

13.01.2015 14:22

"Captain Toad": Kleines Schwammerl auf Rätselreise

Nintendos knuffiger Fliegenpilz Toad hatte es in der Vergangenheit nicht leicht. Seit Jahrzehnten führt er ein Schattendasein neben dem bekanntesten Installateur der Welt. Bisweilen taucht er in Mario-Games auf, die erste Geige durfte er aber noch nie spielen – bis jetzt. Nach seinem Gastauftritt als Schatzsucher in "Super Mario 3D World" hat Nintendos Schwammerl-Kopf nun mit "Captain Toad: Treasure Tracker" sein eigenes Spiel bekommen. Ob es Spaß macht, hat krone.at getestet.

Wer "Super Mario 3D World" gespielt hat, wird in Nintendos neuem Denkspiel mit Schwammerl Toad mit keinen großen Überraschungen konfrontiert. Wie im Minispiel aus dem Mario-Game gilt es in "Captain Toad: Treasure Tracker", den schwer bepackten Schatzsucher Toad langsam und behutsam durch frei drehbare 3D-Levels zu steuern, die aus verschiedenen Perspektiven unterschiedliche Geheimnisse freigeben. Springen kann der Held dabei nicht – wohl wegen des schweren Rucksacks.

Schwammerl rettet verschleppte Freundin
Die Story handelt Nintendo-typisch von tragischem Verlust und einer daraus erwachsenden Odyssee für den Titelhelden. Wo in Mario-Games Bowser die Prinzessin entführt, krallt sich in "Captain Toad: Treasure Tracker" der Riesenvogel Wingo Toads Freundin Toadette. Das Federvieh verschleppt das possierliche Schwammerl samt Power-Stern und es obliegt Schatzsucher Toad, seine Holde zu retten.

Das ist nicht sonderlich einfallsreich, reicht aber als Handlung. Der Fokus in "Captain Toad" liegt nämlich ohnedies am fordernden Gameplay, das in Dutzende kleine Häppchen aufgeteilt ist. Bei jedem dieser Häppchen handelt es sich um einen liebevoll designten, frei schwebenden 3D-Level, den der Spieler mittels Gamepad so dreht und wendet, wie er es gerade braucht.

Schatzsuche strengt die grauen Zellen an
In den Levels verteilt finden sich Münzen und Items, die Toad sammelt oder gegen seine Feinde einsetzt. Einige Gegner, derer man am einfachsten durch den Beschuss mit Gemüse Herr wird, bevölkern die Spielwelten ebenfalls. Der Rest ist eine Mixtur aus verschiedenen Plattformen, Geheimgängen, Schaltern, Rätseln – und drei Diamanten sowie einem Stern.

Als abgeschlossen gilt der Level, wenn der darin versteckte Power-Stern gesammelt wurde, für einen perfekten Abschluss mit allen drei Diamanten und einer an den Level angepassten Zusatzaufgabe gibt's Extrapunkte. Die Zusatzaufgaben sind Herausforderungen wie beispielsweise, sich nicht von Gegnern entdecken zu lassen, die den Levels noch ein bisschen mehr Würze verleihen.

Wer Perfektion anstrebt, muss seine grauen Zellen ordentlich anstrengen, befinden sich die begehrten Diamanten doch allzu oft an schwer zugänglichen Orten. Sie sind häufig nur durch Geheimgänge oder besonders gefinkeltes Vorgehen zu erreichen. Vereinzelt kann der Spieler auch durch Verwendung des Wii-U-Gamepads Levels verändern und beispielsweise Plattformen in die Höhe oder nach unten bewegen, um zuvor unzugängliche Orte zu erreichen.

Gemächliches Gameplay mit wenigen Ausreißern
Spielerisch geht es in "Captain Toad" recht gemächlich zur Sache, was angesichts des beträchtlichen Denkaufwands, den das Schwammerl dem Spieler bisweilen abverlangt, auch gut so ist. Nur vereinzelt wird das Gameplay flotter – etwa, wenn der Protagonist in ein Fahrzeug steigt und der Spieler die Bordkanone des Vehikels steuert. Wohlgemerkt: Solche Ausflüge sind die Ausnahme, nicht die Regel, und auch die Bosskämpfe in "Captain Toad" spielen sich nicht unbedingt pfeilschnell.

Diese Langsamkeit steht "Captain Toad" aber gut zu Gesicht. Als Zwischenmahlzeit für die grauen Zellen eignen sich die Levels in Nintendos Denkspiel bestens, außerdem bilden sie einen schönen Kontrast zur Action-Kost, die dem Spieler normalerweise vorgesetzt wird. Mitunter ist es schon fast ein wenig meditativ, Schatzsucher Toad durch die verschachtelten Levels zu lotsen. Und dank intuitiver Steuerung geht es auch unkompliziert von der Hand.

Abwechslungsreiche Levels, nette Extras
Obwohl das Spielprinzip während des gesamten Spiels das gleiche ist, mangelt es "Captain Toad" nicht an Abwechslung. Nintendos Level-Designer haben die Welten mit viel Liebe zum Detail entworfen und verschiedenste Umgebungen ins Spiel einfließen lassen. Mal erforscht Toad eine sonnige Wiesenlandschaft, dann wieder Höhlen mit Lavaflüssen. Mal geht's in die Wüste, dann wieder unter Wasser – jeder Level hat seinen eigenen Charme, auch wenn optische Hingucker und spektakuläre Effekte fehlen. Dafür ist das Game erfreulich bugfrei.

Nett: Als kleines Extra haben die Macher von "Captain Toad" Levels aus "Super Mario 3D World" ins Spiel integriert, die man nach und nach freischalten und mit Toad erforschen darf. Ein Mehrspieler-Modus fehlt hingegen. Wobei: Rätseln kann man durchaus auch gemeinsam, die Steuerung von Toad obliegt jedoch stets einem einzelnen Spieler.

Unaufdringlich, aber eingängig präsentiert sich der Soundtrack von "Captain Toad", in dem sich auch immer mal wieder Lieder aus "Super Mario 3D World" und anderen Nintendo-Klassikern wiedererkennen lassen. Auf eine Sprachausgabe wird Nintendo-typisch verzichtet, stattdessen kommuniziert Toad mit sympathischen Quieklauten.

Fazit: Ein episches Abenteuer ist "Captain Toad" nicht geworden, was sich auch am Budget-Preis von 40 Euro zeigt. Vielmehr handelt es sich um ein sympathisches Denkspiel, das große wie kleine Spiele-Fans mit vielen abwechslungsreichen Level-Häppchen bei der Stange hält und mit der Herausforderung, die Levels perfekt abzuschließen, für Langzeitmotivation sorgt. Wer die Mini-Games in "Super Mario 3D World" gern hatte oder generell ein Fan von Denkspielen ist, wird mit "Captain Toad" viel Freude haben.

Plattform: Wii U
Publisher: Nintendo

krone.at-Wertung: 8/10

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