Mi, 21. Februar 2018

Paris-Drama überlebt

10.01.2015 16:31

Geisel: "Ich versteckte mich in einer Kühlkammer"

Als die Islamisten am Freitag einen jüdischen Supermarkt in Paris und eine Druckerei in der Nähe der französischen Hauptstadt stürmten, gelang es mehreren Menschen, sich in Verstecke zu retten. Mindestens sechs Personen entgingen so offenbar einer Geiselnahme durch die drei bewaffneten Extremisten und überlebten unverletzt. Während sich in der Druckerei ein junger Mann unter einer Spüle versteckte, harrten in dem koscheren Supermarkt mehrere Menschen in einem kalten Versteck aus. "Ich und die anderen überlebten, weil wir uns in einer Kühlkammer versteckten", erklärte Lassana Bathily, der selbst Moslem ist, gegenüber CNN.

Dramatisch verliefen die Ereignisse im koscheren Supermarkt im Osten von Paris, in den der Attentäter Amedy Coulibaly Freitagmittag eingedrungen ist und mehrere Geiseln, darunter der oben erwähnte Augenzeuge sowie ein Vater mit seinem dreijährigen Sohn, genommen hat. Der Vater gab seinem kleinen Kind seine Jacke, um ihn vor der eisigen Kälte zu schützen. Fast fünf Stunden mussten sie in der Kühlkammer ausharren.

Die Mutter wusste, dass sich ihr Sohn in dem Supermarkt befand, und gab seine Handynummer an die Polizei weiter. So konnten die Ermittler sein Handy orten und erfahren, wo genau sich die Gruppe versteckt hielt. Als Eliteeinheiten schließlich den Supermarkt stürmten - kurz nach dem tödlichen Feuergefecht vor der Druckerei in Dammartin -, entgingen die Versteckten dem Kugelhagel.

Grafiker versteckte sich unter Spüle
In Dammartin-en-Goele im Nordosten von Paris ist der 26-jährige Lilian fast zu Tode erschrocken, als die beiden Brüder Said und Cherif Kouachi in die Druckerei eindrangen, wie Staatsanwalt Francois Molins berichtet. Dennoch hatte der Grafiker die Geistesgegenwart, sich in der Kantine im zweiten Stock unter einer Spüle zu verstecken. Nach Angaben aus Polizeikreisen informierte der junge Mann von dort aus per SMS die Polizei über seinen Aufenthaltsort, die Beamten wiederum gaben ihm Anweisungen, wie er sich während der bevorstehenden Erstürmung des Gebäudes durch die Eliteienheit GIGN verhalten solle.

In seinem Versteck habe Lilian die beiden Extremisten sprechen hören, die am Mittwoch bei einem Anschlag auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" in Paris zwölf Menschen ermordet hatten, hieß es. Als die Kouachi-Brüder gegen 17 Uhr aus der Druckerei stürmten und im Feuergefecht mit den Eliteeinheiten der Polizei getötet wurden, schickte die Gendarmerie ein gepanzertes Fahrzeug, um Lilian zu befreien. Aus Sorge vor möglicherweise im Erdgeschoß versteckten Sprengsätzen wurde er direkt aus dem zweiten Stock geborgen.

Die vier in einem jüdischen Supermarkt in Paris getöteten Geiseln kamen laut Behördenangaben schon vor der Befreiungsaktion der Polizei ums Leben. Sie seien "wahrscheinlich" erschossen worden, als der islamistische Geiselnehmer Amedy Coulibaly zu Mittag in das Geschäft stürmte, hieß es.

Weitere Details zu Tod der "Charlie Hebdo"-Attentäter
Staatsanwalt Molins gab am Freitagabend weitere Details zur Jagd nach Cherif und Said Kouachi seit deren Angriff auf die Redaktion der Satirezeitung "Charlie Hebdo" am Mittwoch mit zwölf Toten bekannt. Demnach wurde der 34-jährige Said Kouachi bereits am Freitagvormittag leicht am Hals verletzt, als es auf einer Nationalstraße einen Schusswechsel mit Polizisten gab. Anschließend verschanzten sich die Brüder in der Druckerei nahe dem Pariser Flughafen Charles de Gaulle.

Weltweites Entsetzen nach Blutbad
Das Blutbad in der "Charlie Hebdo"-Redaktion am Mittwoch hatte weltweit für Entsetzen gesorgt. Einen Tag nach dem Anschlag wurde in Montrouge südlich von Paris eine Polizistin erschossen - offenbar von dem Geiselnehmer im jüdischen Supermarkt, Coulibaly. Laut Staatsanwalt Molins wurden auf einer am Tatort in Montrouge gefundenen Maske DNA-Spuren von Coulibaly gefunden, auch beschrieben Zeugen den Mann.

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