Fr, 17. November 2017

Stadthalle live

10.01.2015 01:13

Die Fantastischen Vier feierten verspätet Jubiläum

Freitagabend holten die Stuttgarter Rap-Legenden Die Fantastischen Vier ihr im Dezember abgesagtes Konzert in der Wiener Stadthalle nach. Auf ihrer "Rekord"-Tour zum 25-Jahre-Bandjubiläum zeigten sich Thomas D, Smudo, Michi Beck und And.Ypsilon gut gelaunt, in Top-Form und mit unbändiger Spielfreude. Die Bundeshauptstadt bebte.

"Dieses Haus ist besetzt, Wien. Wir freuen uns, dass wir den zweiten Teil unserer ,Rekord'-Tour hier bei euch starten." Was Fanta-4-Hauptdarsteller Thomas D als fulminanten Tourauftakt verkauft, ist eigentlich der Notwendigkeit geschuldet. Schon im Dezember des Vorjahres hätten die Stuttgarter Rap-Pioniere in der Wiener Stadthalle glänzen sollen – Smudo und Michi Beck kam dann aber das Engagement beim TV-Dauerbrenner "The Voice Of Germany" dazwischen. Gerüchteweise hat das nicht nur so manchen bereits mit Karten ausgestatteten Fan genervt, sondern auch Menschen im engeren Band-Umkreis. Das richtige Setzen der Prioritäten erschwert sich aber bekanntlich mit der Anzahl der Hochzeiten, auf denen man tanzt.

Eine klare Ansage
Mit dem fulminanten Auftakt an diesem stürmischen und eher frühlingshaften Freitagabend ist aber schon nach wenigen Sekunden aller Ärger gänzlich vergessen. Während Tonmeister And.Ypsilon auf der Hauptbühne seines Amtes waltet, sich die hervorragend eingespielte Background-Band vorbereitet und ein monströser Videowürfel gen Decke gezogen wird, stürmen Thomas D, Smudo und Michi Beck von der anderen Seite der Stadthalle mitten durch die Menge auf eine eigens aufgebaute Nebenbühne, um bei Konfettiregen, Pomp, Trara und anfangs miserablem Sound die neue Top-Single "25" zu zelebrieren. Das nennt man wohl eine klare Ansage und die erste große Überraschung ist den Urgesteinen und Mitbegründern des deutschen Hip Hop schon in den ersten Minuten gelungen.

Die gut 10.500 Fans sorgen zudem von Anfang an für absolute Hochstimmung, auch wenn die Songs des brandneuen Albums "Rekord" nicht allesamt zünden. "Disco" wirkt in der opulenten Band-Diskografie sehr austauschbar und mit "Und los" biedern sich die Jungs mit kitschigen Coldplay-Keyboard-Spuren gar am massenkompatiblen Stadionsound an. Was so manchem Old-School-Fan fremdartig erscheinen mag, hat aber auch etwas Grundpositives. Keine Band im Hip-Hop-Segment hat sich wie die Fantas schon seit jeher jeglichen Szene-Dogmen verweigert, um vielmehr selbst stilbildend zu sein. Mut, der mit einer beispiellosen Karriere belohnt wurde und auf der "Rekord"-Tour für zahlreiche ausverkaufte Shows sorgt.

Fitter denn je
Neben den optischen Effekten ist bei den Fanta-Jungs die bloße Anwesenheit der Mitglieder ausreichend, um auch gestandene Mittdreißiger im Publikum zum ausgelassenen Johlen zu bewegen. In der Standard-Uniform (alle drei gehen mit schwarzer Hose, schwarzem Shirt und schwarzer Weste auf die Bühne) und mit unglaublichem Körpereinsatz agiert das Trio an der Front wie eine Riege an Fitness-Trainern. Unglaublich, dass alle drei schon mitten in den 40ern stehen, den agiler waren sie auch in ihren jungen Jahren nicht.

Gemäß dem Tour-Überthema lassen die Fantas auch keine Phase ihrer Karriere aus und greifen bei Songs wie "Dicker Pulli" oder dem sitzend vorgetragenen und mit einem hinreißenden Keyboard-Solo verstärkten "Tag am Meer" sehr weit zurück. Dazwischen ist genug Zeit, um ein mit Falco-Zitaten unterstütztes Wien-Special, eine hinreißende Performance von Thomas D zu "Liebesbrief" und mit so manchem Witz aufzutrumpfen. Parallel zum sich ständig verbessernden Sound und einer immer stärker in Form kommenden Band steigt auch der Adrenalin-Spiegel im Publikum ins Unermessliche. Als die Fantas vor der Zugabe mit "Gebt uns ruhig die Schuld", "Einfach sein" und "Smudo in Zukunft" die Temposchraube bis aufs Äußerste anziehen, bebt die Stadthalle in ihren Grundfesten.

Vielseitigkeit und Energie
Im Zugabenteil manifestiert sich noch einmal die Vielseitigkeit der Band. Das brandneue "Gott ist mein Zeuge", von Thomas D heute den Fans gewidmet, sorgt mit seinem nachdenklichen, an Casper gemahnenden Sound unweigerlich für Gänsehaut, während das Medley-Triple "Du mich auch", "Der Picknicker" und "Was geht" einfach nur für die gewohnt starke "Fanta-Party" sorgt. Mit "MfG", "Populär" und dem programmatischen Abschluss "Troy" beschließen die Fantas eine mehr als zwei Stunden lange, energetische und niemals langweilige Show.

Ein erstes großes Jahreshighlight, auch wenn der von der Band verachtete Durchbruchs-Hit "Die da!?" erwartungsgemäß fehlte. Wer die großartige Show verpasst hat – in ziemlich genau sechs Monaten wird man Thomas D und Co. am Nova Rock bewundern können. Natürlich weiter auf "Rekord"-Tour.

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