Do, 24. Mai 2018

Prozess startet

05.01.2015 07:31

Boston-Bomber Tsarnaev droht die Todesstrafe

Mit der Auswahl der Geschworenen beginnt am Montag in der US-Metropole Boston der Prozess um den Terroranschlag auf den Marathonlauf am 15. April 2013. Der mutmaßliche Bombenleger Dzhokhar Tsarnaev muss sich vor einem Bundesgericht für den Tod von drei Menschen bei dem internationalen Sportereignis verantworten. Dem Studenten, der den Anschlag mit seinem älteren Bruder zusammen verübte, droht die Todesstrafe.

Es war der schwerste Terroranschlag in den USA seit dem 11. September 2001: Mehr als 260 Menschen wurden verletzt, als nahe der Ziellinie des Marathons zwei Bomben explodierten. Die Brüder Tamerlan und Dzhokhar Tsarnaev hatten auf der Zielgeraden des Marathons zwei selbstgebastelte Bomben in Rücksäcke versteckt. Die Folgen waren entsetzlich: Drei Zuschauer kamen ums Leben, darunter ein achtjähriger Bub.

Tamerlan Tsarnaev sowie ein Polizist kamen nach dem Anschlag bei einer Verfolgungsjagd ums Leben. Nach den Worten eines behandelnden Arztes hatte Tamerlans Körper so viele Einschusslöcher, dass man sie nicht mehr zählen konnte.

Todesstrafe nach Bundesrecht
Dzhokhar Tsarnaev war bei dem Anschlag 19 Jahre alt, der junge Mann tschetschenischer Abstammung lebte seit Langem in den USA, ging dort auf eine gute High School und begann anschließend an der University of Massachusetts Meeresbiologie zu studieren. Er besitzt sogar die US-amerikanische Staatsbürgerschaft - nun droht ihm die Todesstrafe. Die Staatsanwaltschaft hat bereits mitgeteilt, dass sie die Hinrichtung des Attentäters fordern könnte.

Zwar ist die Todesstrafe im US-Bundesstaat Massachusetts verboten, aber Tsarnaev wurde dort nach Bundesrecht angeklagt. Hinrichtungen auf Bundesebene sind sehr selten, denn zumeist werden sie von einzelnen Staaten verfügt. Seit den 1970er-Jahren gab es sie nur in drei Fällen, zuletzt 2003. Davor war 2001 der Attentäter von Oklahoma City, Timothy McVeigh, auf Geheiß des Bundes hingerichtet worden.

Tsarnaev plädiert auf nicht schuldig
Der Anschlag von Boston erschütterte Amerika. Es herrschte Ratlosigkeit. "Warum haben junge Männer, die hier aufgewachsen und studiert haben, zu so starker Gewalt gegriffen?", fragte US-Präsident Barack Obama damals. Ob diese Frage bei dem Prozess wirklich geklärt werden kann, ist fraglich. Insgesamt muss sich Tsarnaev wegen 30 Anklagepunkten verantworten - unter anderen wegen des Einsatzes von Massenvernichtungswaffen. Er wird in allen Punkten für nicht schuldig plädieren, wie seine Anwältin mitteilte.

Zum Prozessauftakt am Montag geht es zunächst um die Auswahl der Geschworenen. Allein das dürfte zwei bis drei Wochen dauern. Die Anwälte haben noch in den vergangenen Tagen vergeblich versucht, den Prozessbeginn abermals hinauszuschieben - sie hätten zu wenig Zeit zur Vorbereitung gehabt. Der ursprünglich schon früher geplante Prozess dürfte etwa vier Monate dauern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden