Sa, 18. November 2017

Nicht schützenswert?

04.01.2015 19:30

TTIP als Bedrohung für Tiroler Speck & Co.

Jetzt kommt die ganze dramatische Bedrohung der heimischen Bauern durch das Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) ans Licht. Denn die Amerikaner wollen mittels des Handelspakts - ausgerechnet durch den deutschen Agrarminister Christian Schmidt - sogar den Schutz für unseren weltweit einzigartigen Tiroler Speck und ähnliche Traditionsprodukte kippen. "Wir können nicht mehr jede Wurst und jeden Käse schützen", sagte Schmidt am Sonntag in einem entlarvenden Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Die EU-Gütezeichen geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.), geschützte geografische Angabe (g.g.A.) und garantiert traditionelle Spezialität (g.t.S.) waren 1992 als "System zum Schutz und zur Förderung traditioneller und regionaler Lebensmittelerzeugnisse" eingeführt worden. Welche Lebensmittel dementsprechend etwa in Österreich geschützt sind, ist in einer Online-Datenbank erfasst.

Die Regelung bedeutet, in Deutschland etwa darf sich Schwarzwälder Schinken nur nennen, was tatsächlich auch zumindest zum Teil aus dem Schwarzwald kommt. Dasselbe gilt in Österreich zum Beispiel für Tiroler Speck.

Geltende Schutzregeln für Schmidt "zu bürokratisch"
Der Minister aus unserem Nachbarland ist nun aber bereit, diese wertvollen Spezialitäten Europas auf dem Altar des unseligen Freihandelsabkommens zu opfern. Die geltenden EU-Regeln für regionale Lebensmittel seien "sehr bürokratisch", sagte Schmidt dem "Spiegel". Die EU schütze demnach auch solche Spezialitäten, deren Grundstoffe längst nicht mehr nur in ihren Heimatregionen hergestellt würden, kritisierte der Minister. Darüber habe sich der US-Handelsbeauftragte Michael Froman bei einem Treffen in Washington bei ihm beschwert.

"Es wäre unseren amerikanischen Handelspartnern schwer vermittelbar, dass sie keinen Tiroler Speck oder Holländischen Gouda zu uns exportieren dürfen, wenn wir in Europa selbst den Schutz nicht konsequent durchsetzen würden", erklärte Schmidt.

Rupprechter: "Wir werden den Speck verteidigen!"
"Diese Einstellung sagt alles aus. Herren wie Schmidt sind die Bergbauern und Ökolandwirte also herzlich egal", kritisiert ein Sprecher von Greenpeace. Während viele ÖVP-Granden - von Parteichef Reinhold Mitterlehner abwärts - alles schweigend hinnehmen, kündigte Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter Widerstand an: "Ein Aufweichen kommt für uns nicht infrage. Im Gegenteil wir müssen unser geschütztes Spezialitäten-Sortiment noch ausbauen. Wir werden den Speck verteidigen!"

Rupprechter und Schauspieler Tobias Moretti, der auch bekennender Biobauer ist, hatten sich erst am Samstag gegen TTIP ausgesprochen: weil er "Ungemach über unsere Bauern bringen würde", so die beiden Tiroler zur "Krone".

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