Di, 22. Mai 2018

Führerlos auf See

02.01.2015 11:49

Geisterschiffe: "Neuer Grad der Grausamkeit"

"Ein neuer Grad der Grausamkeit" - wie es die EU-Grenzschutzagentur Frontex ausdrückt - wird in letzter Zeit durch Schlepperbanden im Mittelmeer erreicht: Zuerst nehmen sie Menschen, die sich in Europa eine Zukunft erhoffen, viel Geld ab, dann überlassen sie sie auf vollgepferchten Geisterschiffen ohne Besatzung ihrem Schicksal. Immer häufiger werden Fälle bekannt, in denen sich die Crew einfach aus dem Staub macht und die Schiffe führerlos auf dem Meer treiben.

"Das ist eine neue Erscheinung dieses Winters", sagte Frontex-Pressesprecherin Ewa Moncure am Freitag in Warschau. Schon immer seien die internationalen Schlepperbanden rücksichtslos und menschenverachtend gewesen und hätten den Tod von Flüchtlingen auf Booten von Afrika nach Europa in Kauf genommen. "Wenn ein nicht seetüchtiges Schiff, das völlig überladen ist, in Seenot gerät, haben die im Lagerraum eingeschlossenen Menschen keine Chance."

Für die Schlepper zahlt es sich aus, ganz egal, ob die Menschen auf den Schiffen überleben oder nicht. "Das ist ein Multimillionengeschäft", sagte Moncure über das grausame Geschäft der Schlepperbanden. "Aus jedem dieser Flüchtlinge werden mehrere Tausend Euro oder Dollar für den Transport auf See gepresst. Da lässt sich leicht ausrechnen, wie viel bei einem Schiff mit mehreren Hundert Menschen zusammenkommt." Die Rechnung lohne sich daher auch, wenn ein ohnehin bereits ausgemustertes Schiff ohne Crew und Treibstoff auf dem Meer zurückgelassen werde.

Crew ließ Schiff mit Motorschaden zurück
Am Freitag musste erneut ein verlassenes Schiff von der italienischen Marine gesichert werden, nachdem die Besatzung den Viehfrachter "Ezadeen" mit einem Motorschaden und rund 450 Flüchtlingen an Bord zurückgelassen hatte. Das Schiff sollte eigentlich den französischen Mittelmeerhafen Sete ansteuern. Jetzt wird ein isländischer Schlepper der EU-Grenzschutzmission "Triton" die "Ezadeen" an die Küste bringen.

Erst in der Nacht auf Mittwoch waren über 900 Bootsflüchtlinge auf einem führerlosen Frachter vor Süditalien nur knapp einer Katastrophe entgangen. Das Schiff "Blue Sky M" war auf die Küste der Region Apulien zugesteuert, konnte jedoch von der Küstenwache unter Kontrolle gebracht werden. Von der Besatzung fehlte jede Spur.

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