Mo, 20. November 2017

Streit um Hygiene

04.12.2014 15:30

Bio-Pionierin geht wegen Holzlöffeln ins Gefängnis

Weil sie in ihrem Bioladen mit Holzlöffeln kocht und damit gegen die Hygieneleitlinien verstößt, muss eine Grazerin 550 Euro Strafe zahlen. Als Zeichen des Protests will die Bio-Pionierin nun die zweieinhalbtägige Ersatzfreiheitsstrafe antreten. Rückendeckung bekommt die Steirerin von der Wirtschaftskammer.

Der Bioladen Matzer besteht seit 35 Jahren und gilt damit als erster und ältester Österreichs. Ushij Matzer steht mit vollem Eifer hinter diesem Konzept. Rund 70 Kindergärten und Kinderkrippen beliefert der Betrieb mit biologischen Gerichten. Da bei deren Zubereitung auf die Verwendung von Holzutensilien statt Kunststoff zurückgegriffen wird, geriet der Betrieb ins Visier des Gesundheitsamts.

Demnach könne man Holz nicht so gut reinigen wie Kunststoff oder Edelstahl. Dem widerspricht die Grazerin jedoch vehement. "Holz ist ein seit Jahrtausenden verwendetes Material, es hat ätherische Öle, die bei jedem Schnitt freigesetzt werden und bakterientötend wirken", zeigte sich die Seniorchefin gegenüber dem ORF verständnislos. Matzer legte gegen den Bescheid daher Berufung ein, doch das Landesverwaltungsgericht bestätigte inhaltlich die Strafe und halbierte lediglich das Strafausmaß.

Wirtschaftskammer gibt Rückendeckung
Bei der Wirtschaftskammer Steiermark sei der Fall nur einer von mehreren "Schmankerln" infolge des "bürokratischen Zuwachses" für die Unternehmer. Kammerpräsident Josef Herk meinte "bei allem Respekt für Hygienevorschriften", nach der "Wut-Oma" sei das nun der "Wut-Kochlöffel": "Ich setze mich liebend gerne mit Frau Matzer die zwei Tage ins Gefängnis, sogar mit Liveübertragung, um die Symbolik zu unterstreichen." Ähnliches ließ auch Christoph Leitl als Präsident der österreichischen Wirtschaftskammer verlauten. Herk hatte erst am Mittwoch in einer Pressekonferenz bürokratische Hürden und Schikanen für Geschäftsleute beklagt.

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