Mo, 11. Dezember 2017

Frühestens im März

04.12.2014 14:19

Entscheidung über "Beethovenfries" vertagt

Jetzt heißt es weiter warten: Entgegen offizieller Ankündigung ist am Donnerstag keine Entscheidung über den Verbleib des berühmten "Beethovenfries" von Gustav Klimt gefallen. Wie es aus dem Büro von Kulturminister Josef Ostermayer hieß, seien noch nicht alle Dokumente ausreichend geprüft. Die nächste Sitzung wird Anfang März 2015 stattfinden.

Seit 1986 ist das "Beethovenfries" in einem eigenen Raum im Untergeschoß des Secession untergebracht. Erben der Familie des Sammlers Erich Lederer haben im Vorjahr die Rückgabe des Werks beantragt. Das monumentale Wandgemälde, das als eines der Hauptwerke des Wiener Jugendstils gilt, wurde nach der Enteignung der Familie in der NS-Zeit zwar formell zurückgegeben, aber mit einem Ausfuhrverbot belegt und schließlich 1972 um 750.000 Dollar (damals rund 15 Millionen Schilling) durch die Republik gekauft. Vom Auktionshaus Christie's war der Wert kurz davor auf 25 Millionen Schilling geschätzt worden.

Wurde Sammler Lederer zum Verkauf gedrängt?
Bereits 1999 war die Rückgabe des 2,15 Meter hohen und 31,14 Meter langen "Beethovenfries" von der Kommission für Provenienzforschung behandelt und abgelehnt worden. Mit der Novelle des österreichischen Kunstrückgabegesetzes 2009 hat sich nach Ansicht der Erben die Rechtslage jedoch entscheidend geändert. Nun können auch solche Kunstwerke zurückgegeben werden, die Österreich den ursprünglichen Besitzern abgekauft hat. Entscheidend ist, ob Druck auf Lederer ausgeübt wurde. Neue Dokumente sollen dies angeblich beweisen.

"Es wäre der bisher prominenteste Rückgabefall"
"Es wäre sicher der bisher prominenteste Rückgabefall", sagt Provenienzforscherin Sophie Lillie, die für eine der Erbengruppen ein Gutachten abgegeben hat und davon überzeugt ist, dass die Voraussetzungen für eine Rückgabe gegeben sind. Lillie hatte bereits vor Monaten einen Runden Tisch angeregt, an dem Vertreter von Bund, Secession und Belvedere - zu deren Sammlungen der Fries gehört - gemeinsam mit den Erben Vergleichsmöglichkeiten ausloten hätten sollen.

"Dieses spezielle Kunstwerk würde verdienen, dass man speziell damit umgeht", so Lillie. Ihr Vorschlag sei jedoch ungehört verhallt. Wie das von der Kommission für Provenienzforschung erarbeitete und nun dem Restitutionsbeirat vorgelegte Dossier aussieht, sei auch den Antragstellern nicht bekannt, erklärte sie.

Secession: "Republik hat Werk rechtmäßig erworben"
In der Künstlervereinigung Wiener Secession geht man davon aus, dass die Republik das Werk "rechtmäßig erworben hat" und die Antragsteller "im Unrecht sind", betont jedoch, "die sorgfältige Arbeit der Restitutionskommission" wertzuschätzen und "deren Entscheidung selbstverständlich und ohne Einschränkungen" zu akzeptieren. Formal spricht das Gremium lediglich eine Empfehlung aus, bisher hat sich die Republik jedoch stets daran gehalten.

Entscheidung frühestens im März
Die nächste Sitzung wir erst Anfang März stattfinden. Es könne sein, dass man dann zu einem Ergebnis kommen werde, es könne aber auch sein, dass erst in der Juni-Sitzung entschieden werde, sagte Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien und wissenschaftliche Koordinatorin der Kommission für Provenienzforschung, am Donnerstag.

Es handle sich um ein sehr umfassendes Dossier und einen außergewöhnlichen Fall, bei dem man in der heutigen Sitzung erst jene "Knackpunkte" herausgearbeitet habe, deren Beurteilung laut Kunstrückgabegesetz entscheidend seien. Das im Dossier enthaltene Material sei jedoch ausreichend, zusätzliche Recherchen müssten nicht angestellt werden.

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