Di, 21. November 2017

Von Klug geprägt

03.12.2014 16:34

„Situationselastisch“ ist das Wort des Jahres

Der von Verteidigungsminister Gerald Klug geprägte Begriff "situationselastisch" ist das Wort des Jahres 2014. Klugs Wortschöpfung wurde mit großem Abstand - insgesamt 42 Prozent der Stimmen - an die erste Stelle gewählt. Auch das Unwort des Jahres kommt von einem Politiker: Der ehemalige FPÖ-EU-Spitzenkandidat Andreas Mölzer verwendete den Begriff "Negerkonglomerat" in einer Wahlkampfrede.

"Situationselastisch" hatte Klug bei einem Ministerrats-Pressefoyer im Februar verwendet. Er erklärte damit das mögliche Fernbleiben von Kanzler und Vizekanzler bei künftigen Presseterminen.

"Vom potenziellen Unwort zum geflügelten Wort"
"Populär wurde der Begriff nicht zuletzt aufgrund seiner prägnanten Unverbindlichkeit, die verschiedene ironische Verwendungen ermöglicht", begründete die Fachjury unter der Leitung von Rudolf Muhr von der Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Uni Graz die Wahl. "Aufgrund dieser Mehrdeutigkeit und begrifflichen Vielfältigkeit hat sich das Wort zwischenzeitlich von einem potenziellen Unwort zu einem geflügelten Wort entwickelt, was es zu einem würdigen Wort des Jahres macht", so die Jury.

Auf dem zweiten Platz des Rankings landete "Hypotopia". Das ist der Name der Milliardenstadt, die von Studenten der TU Wien als Modell in Wien gebaut und ausgestellt wurde, um begreifbar zu machen, was man mit jenen 19 Milliarden Euro bauen hätte können, die der österreichische Staat möglicherweise für die Pleitebank Hypo ausgeben muss. "Der Begriff und das Projekt veranschaulichen die Verschwendung von Steuergeldern in großem Ausmaß, indem sie mit dem Modell einer großartigen Stadt eine positive Alternative aufzeigen und damit das Ausmaß der Verschwendung erst vorstellbar machen", begründet die Jury ihre Wahl.

Kein Platz für "Negerkonglomerat" im öffentlichen Diskurs
Als "Negerkonglomerat" bezeichnete Andreas Mölzer in einer Europawahlkampfrede die Europäische Union und ein seiner Meinung nach zunehmendes Chaos in der EU. Die auf diese Weise ausgedrückte rassistische und stark abwertende Bedeutung des Ausdrucks macht es zum Unwort des Jahres 2014. Es sollte im öffentlichen Diskurs und darüber hinaus keinen Platz haben, bekräftigte die Jury. Auf Platz zwei folgt "GrünInnen", eine ironisch-abwertende Wortschöpfung, die gegen die Grünen und deren Eintreten für eine geschlechtergerechte Sprache gerichtet ist.

Zum Jugendwort des Jahres wurde "Selfie" gewählt, auf Platz zwei folgt "Fail". Spruch des Jahres wurde "Jetzt hat uns die den Schaaß gwonnen". So reagierte ORF-Moderator Andi Knoll auf den Sieg von Conchita Wurst beim Song Contest. "Es handelt sich dabei nicht nur um einen originellen Ausspruch, sondern auch um eine Handlung, die große Spontaneität und Mut des Sprecher zeigt", meinte die Jury.

Un-Spruch: "Das ist nicht jeden Freitag!"
Der Un-Spruch des Jahres stammt wiederum aus der Politik: "Das ist nicht jeden Freitag!", so die verharmlosende Antwort der ehemaligen Justizministerin und nunmehrigen Vize-Generalsekretärin des König-Abdullah-Zentrums, Claudia Bandion-Ortner. Sie war bei einem Interview gefragt worden, wie es sich mit den freitags stattfindenden Hinrichtungen in Saudi-Arabien verhält.

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