Mi, 22. November 2017

„Mehr Engagement!“

03.12.2014 10:36

Chefcoach Puelacher macht Abfahrts-Herren Dampf

Kritisch hat sich ÖSV-Herrenchef Andreas Puelacher nach dem ersten Abfahrtstraining in Beaver Creek gegeben. "Ich bin nicht ganz zufrieden, es war zu wenig Engagement da", sagte Puelacher nach dem ersten Abtasten mit der spektakulären Raubvogelpiste, bei dem aus seinem Team nur Matthias Mayer als Vierter in die Top-12 gekommen war.

Dass der neue sportliche Leiter der ÖSV-Herren seinen Abfahrern Dampf macht, hat mehrere Gründe. Die Truppe des ebenfalls neuen Gruppentrainers Florian Winkler hat im Sommer und Herbst wetterbedingt nicht wie gewünscht trainieren können. Die erste Weltcup-Abfahrt vergangenen Samstag in Lake Louise ging prompt in die Hose.

"Attacke ist angesagt"
Schlechte Stimmung kam deshalb in Colorado aber nicht auf. "Die Jungs haben mich beruhigt und beteuert, alles im Griff zu haben", erzählte Puelacher lachend. Um gleich wieder ernster zu fordern: "Wir wollen endlich wissen, wo wir stehen. Da ist Attacke angesagt."

Wirklich zufrieden war Puelacher zunächst nur mit Mayer. Zwar gehört das derzeitige Momentum im Speed dem Norweger Kjetil Jansrud. "Aber auch Mayer hat in meinen Augen Qualitäten, die nur wenige haben. Topleute wie er oder Jansrud brauchen nicht so viel Training wie andere", sagte Puelacher über den Olympiasieger aus Kärnten, der trotz Verletzung und mehrwöchiger Pause auf Anhieb wieder schnellster ÖSV-ler war.

Mayer in "Topliga"
Der Herrenchef ist überzeugt, mit Mayer neben Marcel Hirscher einen weiteren Ausnahmefahrer in seiner Mannschaft zu haben. "Matthias ist inzwischen im Super-G und im Riesentorlauf in einer Topliga. Einer Liga, die sich auch von den guten Skifahrern abhebt. Er gehört zu jenen Siegläufern, die irgendwann auch eine Serie starten können."

Laut Puelacher ist Mayer vor allem im Kopf sehr stark und hat einen totalen Plan. "Skifahrerisch hat er sich zudem in den letzten Jahren brutal entwickelt. Er hat das Gefühl für den Schnee und die Ski und viel Mut."

Am zweiten Abfahrtstraining von Beaver Creek am (heutigen) Mittwoch nahm mit Hirscher auch der zweite ÖSV-Top-Mann teil. Als Risiko wollte Puelacher den ersten Abfahrts-Auftritt des Slalom-Weltmeisters auf einer der schwierigsten Abfahrten der Welt aber nicht sehen.

Zu viele Schauergeschichten
"Marcel hat zwar jede Menge Schauergeschichten gehört, aber die Piste ist in einem Top-Zustand und eigentlich sehr ruhig und schön zu fahren. Außerdem ist Hirscher ein sehr guter Skifahrer der weiß, was er braucht", war Puelacher überzeugt, dass der 25-jährige Technik-Spezialist in Beaver kein allzu großes Risiko nimmt.

Für seine Abfahrer hätte sich der Coach wegen des Trainingsrückstandes drei Testläufe gewünscht, was aber abgelehnt wurde. "Es ist schade, bei Top-Bedingungen nur zwei Mal zu fahren, wenn wir doch in Kanada nur ein halbes Training gehabt haben", bedauerte Puelacher.

Auch der Tiroler ist überzeugt, dass Jansrud auch auf der WM-Piste in Beaver Creek den Ton angeben wird. "Er ist nicht zufällig Olympiasieger im Super-G geworden und der Topfavorit hier runter." Das Fehlen des verletzten Teamleaders Aksel Lund Svindal spiele mit eine Rolle. "Dass die Nummer eins fehlt, hat Jansrud die Führungsrolle im norwegischen Team eingebracht. Derzeit ist er sogar die Nummer eins der Welt."

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