Mo, 20. November 2017

Neues Musikbuch

21.11.2014 12:26

Die Toten Hosen: Am Anfang war der Lärm

Mit drei Jahrzehnten Punk und Rock 'n' Roll in den Knochen, bringen die Toten Hosen passend zur Altersmilde ihre Biographie heraus. Darin kann man noch einmal den beeindruckenden Karriereweg von Campino, Kuddel und Co. nachverfolgen. Oder anders gesagt - wie die Toten Hosen vom deutschen Bürgerschreck zum verbindenden Glied in der gesellschaftlichen Mitte wurden.

Die Haare standen zu Berge – die von der Band und von den besorgten Eltern, deren Kinder zu den Konzerten der wilden Truppe pilgerten und zu Songs wie "Eisgekühlter Bommerlunder" mitgrölten.  Ihren ersten Auftritt hatten sie 1982 – in einem ehemaligen Schlachthof in Bremen. Damals enterten sie als "Tote Hasen" die Bühne, der Veranstalter hatte sich verlesen. Egal – Chaos gehörte zum freien Konzept von Campino & Co. Hauptsache, laut, Hauptsache, Punk, Hauptsache, unkonventionell, Hauptsache, weit weg vom Spießertum.

In der Mitte der Gesellschaft
30 Jahre später stehen nur noch Campino (52) die Haare ein wenig in die Höhe. Die Frisur und der Sänger sind längst gesellschaftsfähig geworden, bei den Konzerten grölen die Kinder mittlerweile gemeinsam mit ihren Vätern. Noch nie waren die Toten Hosen so erfolgreich wie heute – Bierzelte, Hochzeiten, kleine Clubs und Stadien, die einstigen Helden am Rand der Gesellschaft sind in der Mitte angekommen. Die Revoluzzer sind massentauglich, aber damit hat Campino seinen Frieden gemacht.

"Die Toten Hosen waren für das Mainstream-Deutschland Mitte der 80er-Jahre das erste weithin erkennbare Zeichen für einen anderen Lebensentwurf. Der Protest der 68er hatte sich in den 70ern in so einer Müsli-Gemütlichkeit eingerichtet. Die Tatsache, dass sich das, was die Toten Hosen vorlebten, in den 90ern in Deutschland etabliert hat als eine Nebenströmung unserer Mehrheitsgesellschaft, ist für mich ein Beleg, dass sie dieses Land tatsächlich verändert haben", analysierte ihr Biograph Philipp Oehmke in einem Interview.

Kritik gegen das Konservative
Das Ende des Punk läutete schließlich die CDU ein – allerdings nicht so, wie es sich die konservative Partei vor Jahren vielleicht gewünscht hätte. Ihren Wahlsieg 2013 feierten sie ausgerechnet mit einem Song der Hosen – "Tage wie dieser" schallte aus den Lautsprechern, während Angela Merkel auf der Bühne strahlte. Immerhin: Das sorgte für einen Aufschrei der Entrüstung unter den bequem gewordenen Hosen-Fans. Und die Kanzlerin entschuldigte sich höchstpersönlich bei Campino.

Mit dieser für die Toten Hosen wenig rühmlichen Anekdote beginnt nun die Biographie "Am Anfang war der Lärm", mit dem sie den langen Weg vom Schlachthof in die Wahlkampfzentrale Revue passieren lassen. Die Toten Hosen mögen milde geworden sein, auf fast 400 Seiten lebt alles noch einmal auf, wofür und wogegen sie gekämpft und gerockt haben. Ohne doppelten Boden. "Man zieht sich ganz langsam aus. Plötzlich steht man nackt da. So ist das mit diesem Buch. Trotzdem fühlt es sich irgendwie gut an, wie in einer Therapie", meint Campino über den literarischen Seelenstrip.

Und Gitarrist Kuddel fügt ehrlich hinzu: "Ich hoffe, dass zumindest meine Familie, insbesondere meine Kinder und die Polizei, diese Biographie nie zu Gesicht bekommen."

Verbinden statt spalten
Die Hosen und Deutschland haben sich verändert, das Land ist  liberaler geworden – und Campino und seine ewigen Jungs müssen nicht mehr kämpfen: "Wir haben nicht mehr die Kraft, Naivität und Jugend, um ständig diese Anti-Positionen zu beziehen. Das wäre eine Lüge. Die Zeit hat uns das glücklicherweise in die Karten gespielt. Wir sind nicht mehr hier, um zu spalten. Das waren wir mal, das wollten wir. Aber heute wollen wir verbinden."

Verbinden werden die Toten Hosen mit Sicherheit beim Nova Rock 2015, wo sie eine exklusive Österreich-Show spielen werden. Tickets für das Festivalereignis erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"-Ticketshop.

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