Mi, 13. Dezember 2017

Große Verzweiflung

19.11.2014 08:19

Flüchtlinge bitten um flottere Asylverfahren

Es ist erstmalig, was sich am Dienstag im Zentrum von Innsbruck abgespielt hat: Im Café Central gaben syrische Flüchtlinge eine Pressekonferenz. Sie bedankten sich, dass sie im sicheren Tirol sein dürfen. Aber sie brachten auch ihre Verzweiflung zum Ausdruck, weil die Asylverfahren in Tirol so lange dauern.

Yamen Abdul (34) ist studierter Innenarchitekt. Im September 2013 begann seine Flucht aus Syrien. Elf Monate später, im Juli dieses Jahres, erreichte er Tirol, ist derzeit in Götzens untergebracht. Am Beginn seiner Ausführungen lächelt er. Er ist froh, im Rahmen einer Pressekonferenz seine und auch die Situation vieler anderer Syrer in Tirol zum Ausdruck bringen zu dürfen.

Gefühlsausbruch bei Pressekonferenz
Yamen beginnt mit einem höflichen Danke, dass er hier in einem sicheren Land sein darf. "Es ist sehr wichtig zu betonen, dass wir nicht aufgrund von Armut, wirtschaftlicher Probleme oder Hunger hier sind. Wir haben Syrien verlassen, weil willkürlich Kinder, Frauen und Männer verfolgt, gefoltert und umgebracht werden."

Der 34-Jährige schüttelt den Kopf, wenn er an sein Zuhause und diesen grausamen Krieg denkt. Er hält Bilder hoch. Von verzweifelten Nachbarskindern aus seiner Siedlung, von Folteropfern und von Toten. Dann kann er seine Emotionen nicht mehr bändigen, bricht in Tränen aus. Und mit ihm der Großteil der Zuhörenden im Raum. Vorwiegend Männer aus Syrien, ebenfalls in Götzens untergebracht.

"Wir bitten die Politik um Hilfe"
Nach kurzer Unterbrechung hat Yamen wieder Fassung. "Wir treten an die Öffentlichkeit, um die Politik um Hilfe zu bitten. Viele von uns warten Monate auf eine Einvernahme durch das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl. Diese Wartezeit ist für uns und unsere Familien, die in Syrien sind, unerträglich. Wir haben jeden Tag Angst um sie."

Asylverfahren in Tirol dauern unverhältnismäßig lange
Grundsätzlich sollten Asylverfahren innerhalb von sechs Monaten abgeschlossen sein, heißt es seitens der Politik. Die Realität sieht zumindest in Tirol anders aus. Viele der derzeit hier gestrandeten Syrer wurden nach sechs Monaten noch nicht einmal erstbefragt. Das heißt, sie konnten die Gründe ihrer Flucht noch nicht einmal darlegen.

"Wir sollen den Menschen dann erklären, warum ein syrischer Freund in Wien nach zwei Monaten einen Bescheid erhält, man aber in Tirol nach zehn Monaten noch nicht einmal erstbefragt wurde", schildert Katharina Lang von der Plattform Rechtsberatung. Sie fordert mehr, aber auch qualifizierteres Personal für das BFA in Tirol, damit die Verfahren rascher gehen.

Syrer suchen Dialog mit Bevölkerung
Die Syrer wollen nun mit der Bevölkerung in Dialog kommen. Deshalb finden jeden Freitag und Dienstag (15 bis 19 Uhr) vor dem Ferdinandeum in Innsbruck Aktionen statt. Yamen Abdul abschließend: "Wir kamen voll mit Hoffnung hierher. Bitte gebt uns diese Hoffnung zurück."

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