Sa, 18. November 2017

Gewalt gegen Kinder

16.11.2014 19:00

„Gesunde Watsche“ soll nun härter bestraft werden

Leonie war ihr Name, zwei Jahre wurde sie alt - länger sollte sie nicht leben dürfen. Ihr 26 Jahre alter Vater soll das Mädchen mit einer heißen Dusche bestraft haben. Die Zweijährige starb Tage später im Wiener SMZ-Ost. Der unfassbare Fall in der Bundeshauptstadt löst jetzt eine neue Debatte rund um Gewalt gegen Kinder aus: Jugendanwältin Monika Pinterits fordert sogar, die "gesunde Watsche" in Zukunft härter zu bestrafen.

"Gewalt darf niemals Teil der Erziehung sein und die sprichwörtlich 'gsunde Watschn' ist niemals gesund, sondern immer falsch und kategorisch abzulehnen", sagt Familienministerin Sophie Karmasin. Die Wiener Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert, dass Ohrfeigen als Straftatbestand im Strafgesetzbuch verankert werden müssen.

Juristen stehen dieser Forderung derzeit skeptisch gegenüber: Treten Verletzungen nach derartigen "Erziehungsmaßnahmen" bei Kindern auf, wird auch nach Paragraf 83 StGB (Körperverletzung, bis zu einem Jahr Haft) bestraft. Am Strafrahmen selbst wird derzeit gefeilt - er soll erhöht werden.

Neue Studie zum Thema Gewalt gegen Kinder
Die Familienministerin hatte am Donnerstag eine neue Studie zum Thema Gewalt gegen Kinder präsentiert. 1.000 Personen wurden befragt und ihre Einstellung mit einer Studie von 1977 verglichen. Fazit: Die erlebte Gewalt nahm ab, das Motiv hat sich verändert: "Man schlägt nicht mehr aus Überzeugung", sagte Hedwig Wölfl von der Liga für Kinder- und Jugendgesundheit. Für Karmasin ergab die Studie "Gewalt in der Erziehung - Gewalt am Kind" das folgende Resümee: "Die Köpfe der Menschen wurden erreicht, aber leider noch nicht ihre Hände" - und die würden in der Gegenwart häufiger aus Überforderung denn aus Überzeugung erhoben.

Zu dieser Aussage führten die zwei Teile der Studie: Während etwa die Frage, ob das Schlagen mit der Hand als Erziehungsmittel zulässig ist, statt wie von nur 27 Prozent im Jahr 1977 heute bereits von 78 Prozent abgelehnt wird, ergab das Abfragen von tatsächlich erlebter Gewalt ein anderes Bild. "Es ist durchaus noch ein nicht tolerables Maß an Gewalt vorhanden", sagte Karmasin über die Tatsache, dass in der befragten Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen jeder Fünfte von "heftigen Ohrfeigen" berichtete.

"Weiterhin gewisse Toleranz bei Klaps und Ohrfeige"
Zwar ist der Prozentsatz derer, die von persönlich erlebter Gewalt berichten, in der 50-plus-Generation höher, eines hat sich aber auch nach 25 Jahren Gewaltverbot in Österreich nicht geändert: "Wir müssen immer noch auf dieses aufmerksam machen", sagte die Tiroler Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser. "Es gibt den selbstverständlichen Aufschrei bei groben Misshandlungen, aber es gibt weiterhin eine gewisse Toleranz beim Klaps und der Ohrfeige", beschrieb sie das "Messen von Gewalt mit zweierlei Maß".

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