Di, 12. Dezember 2017

"Ich wollte töten"

12.11.2014 16:43

Handgranatenmord: Prozessstart mit Geständnis

Keine weinerlichen Erklärungen, keine fadenscheinigen Ausflüchte - selten hat ein Angeklagter so klar gestanden. "Ja, ich wollte töten. Und es ging mir nur um die Ermordung meiner Opfer", so der Mann am Mittwoch im sogenannten Handgranaten-Prozess. Deshalb besorgte er eine Pistole und eine Handgranate.

Mit flottem Schritt betritt der Hauptangeklagte Kristijan H. (35) den Verhandlungssaal. Mit seinem ganzen Auftreten vermittelt er eher den Eindruck eines Verwaltungsjuristen als den eines kaltblütigen Mörders. Genau das soll er aber sein, ist Staatsanwalt Leopold Bien überzeugt. Und erzählt den Geschworenen die Geschichte.

Illegaler Treibstoffhandel
Alles begann mit einem illegalen Treibstoffhandel. Versteuert wurde eine Ladung, tatsächlich verkauft wurde mehr. Beteiligt waren Unternehmer Zlatko N., dessen Fahrer Waldemar W., Kristijan H. und Schwester Renata. Alle verdienten prächtig. Doch bald gab es Probleme. Denn einer wollte seine ihm zugedachte Rolle nicht mehr spielen: Waldemar W., der mit seinem Namen für die Schwarzlieferungen haftete, drohte auszupacken. Deshalb wurden Waldemar W. und dessen Chef Zlatko N. am 10. Jänner zu einem - finalen - Treffen nach Wien-Ottakring beordert.

Quasi nach dem Motto "bring your family" hatte Kristijan H. Frau und Kind aus Salzburg mitgebracht. Schwester Renata kam aus dem Urlaub in der Dominikanischen Republik. Und H. hatte einen Dritten im Bunde fürs Treffen gewonnen: Dejan V. (30) - er spielte einen Geschäftspartner. Bei dem Treffen ging alles schnell: H. stieg ins Auto von Zlatko N., schoss auf den Lenker und warf Beifahrer Waldemar W. eine Handgranate vor die Beine. Für beide gab es kein Entrinnen.

"Mein Mandant wird bedroht"
Beim Prozess in Wien gibt sich der 35-jährige Hauptangeklagte schweigsam. Anwalt Philipp Winkler: "Mein Mandant wird bedroht." Deshalb verliest Richterin Martina Krainz frühere Protokolle. Dort spricht der Mann von der "Ermordung", vom "Töten" und leugnet kein einziges Mal.

Unklar sind die Rollen der Mitangeklagten. Die Schwester, vor Gericht ein heulendes Elend, wird von Anwalt Nikolaus Rast in Schutz genommen: "Sie wusste nichts vom Mordplan." In ein ähnliches Horn stößt Anwalt Ernst Schillhammer für Dejan V.: "Mein Mandant wäre durch die Handgranate fast gestorben." Doch Ankläger Bien meint: V. habe gesehen, dass H. vor dem Mord Projektile auffeilte. Da müsse man sich doch was dabei denken. Am Donnerstag wird der Prozess fortgesetzt.

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