Do, 14. Dezember 2017

"Krone"-Rezension

05.11.2014 16:12

Jimmy Barnes feiert zwei Blues-Rock-Jubiläen

Der Australier Jimmy Barnes ist in seiner Heimat seit mehreren Dekaden eine Größe im Pub-Rock-Sektor und versucht zum 30-Jahre-Solojubiläum nun auch in Europa durchzustarten. Auf "Hindsight" hält der 58-Jährige Rückschauf auf eine außergewöhnliche Karriere und hat dazu Freunde und Familie eingeladen.

Jubiläen gehören ordentlich gefeiert und im Falle des australischen Rockstars Jimmy Barnes gibt es in diesem Jahr gleich doppelten Grund dafür. Einerseits feiert das Ex-Mitglied der in Übersee bekannten (und mittlerweile reformierten) Pub-Rocker Cold Chisel sein 30-Jahre-Solojubiläum, andererseits ist "Hindsight" das 15. Album, das er im Alleingang eingespielt hat. Da liegt es natürlich auf der Hand, zur Feier des Jahres etwas ganz Besonders aufzubieten.

Kein schnödes Best-of
Im Falle von Jimmy Barnes ist es eine Retrospektive auf die eigene Karriere unter Begleitung von alten Freunden und Kameraden. "Ich wollte nicht einfach nur ein Best-of machen", so der 58-Jährige. "Wenn ich auf Tour bin, werde ich täglich von Musikern wie Tina Turner, INXS, John Farnham oder Joe Cocker inspiriert. Also hatte ich mich dazu entschlossen, befreundete Musiker und Bands ins Studio zu holen und gemeinsam mit ihnen zu singen. Sie sollten den jeweiligen Song neu einspielen und interpretieren und ich sang dann zu dieser Version entweder alleine oder mit ihnen zusammen im Duett."

Das ergibt in der Praxis einen beträchtlichen Starauflauf, der für so manches Highlight sorgt. Etwa den knackig-frischen Blues Rock im Opener "Lay Down Your Guns" mit The Living End oder das mit Schauspieler/Springsteen-Gitarrist Steven van Zandt eingerockte "Ride The Night Away". Da fällt es auch nicht so schwer ins Gewicht, dass die Songs mit den richtig großen Namen ("Good Times" mit Country-Star Keith Urban und "Stone Cold" mit Gitarren-Zauberer Joe Bonamassa) zwar gut, aber eben nicht herausragend klingen.

Zwischen hart und zart
Eine besondere Note im Barnes'schen Songkosmos bekommt die Beteiligung seiner Familie, denn neben all den mehr oder weniger berühmten Musikern dürfen auch Tochter Mahalia, Sohn David und Schwager Diesel ihr Können zum Besten geben. Eine nette Geste, die aber nur beweist, mit welch selbstloser Bodenständigkeit Barnes auch nach mittlerweile zehn Nummer-eins-Alben in Australien agiert. Der gebürtige Schotte oszilliert am Album meist auf flotten Blues-Rock-Wolken, setzt aber auch sehr gerne auf kantigen Pub Rock (kann man das als australischer Rocker überhaupt außen vor lassen?) und fein gestreute softere Elemente, die dem hervorragend produzierten Geschwindigkeitsritt die nötige Dosis Entschleunigung besorgt.

Mit Iron-Maiden-Produzent Kevin Shirley hat Barnes zum Jubiläumsjahr auch soundtechnisch die goldrichtige Wahl getroffen, denn "Hindsight" klingt weder altbacken noch überladen. Angenehm fällt auch ins Gewicht, dass Barnes nicht ausschließlich auf die größten Hits seiner Karriere zurückgegriffen hat, sondern auch seine eigenen Favoriten und die der Fans auf dem 14 Song starken Album verwurstete. Eine bunte Karriererückschau ohne falsche Nostalgie also.

Zielsetzung nicht ganz gelungen
"Jeder dieser Songs ist auf seine Art wichtig für mich. Ich würde niemals ihr Wesen verändern", erzählt Barnes stolz. "Wenn die Leute das Album hören, werden sie merken, dass es viele moderne Elemente beinhaltet. Sie klingen lebendiger und aggressiver, was ich sehr mag." Nur das Ziel, kein "Hit-Album" zu schreiben, ist dem gebürtigen Schotten doch nicht ganz gelungen. Dafür macht "Hindsight" nämlich eindeutig zu viel Spaß.

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