Mo, 20. November 2017

Waffen entdeckt

30.10.2014 12:40

Drogenring gesprengt: Frau dealte vom Bett aus

Nach langjährigen Ermittlungen ist es dem Landeskriminalamt Wien in Zusammenarbeit mit Europol gelungen, einen international agierenden Drogenring - bereits zum zweiten Mal - zu zerschlagen. Die Polizei stellte zahlreiche Waffen - darunter auch eine Pumpgun - und fast 100 Kilogramm Cannabis im Straßenverkaufswert von etwa einer Million Euro sicher. Mehrere Verdächtige wurden in Wien festgenommen, darunter auch eine pflegebedürftige Frau, die vom Bett aus gedealt haben soll...

Bei der Aktion handelte es sich um eine internationale Operation. Die Ermittlungen liefen neben Österreich auch in Spanien und Frankreich. Die Gruppe war bereits im Vorjahr im Visier der Drogenfahnder gestanden. Im November 2013 wurden bei Razzien 16 des Suchtgiftschmuggels Verdächtige ausgeforscht, neun davon mussten oder müssen Haftstrafen verbüßen, teilte der heimische Ermittlungsleiter, Gerhard Winkler, am Donnerstag mit. Damals waren bereits 47 Kilogramm Cannabisprodukte beschlagnahmt worden.

"Tätergruppierung hat sich neu organisiert"
Die Ermittler bekamen jedoch bald danach mit, dass der Ring aktiv und im Geschäft blieb. "Die Tätergruppierung hat sich neu organisiert", sagte Winkler. Im März wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Das Suchtgift kam aus Marokko über Spanien nach Europa, von wo es weiter verteilt wurde. Die österreichische Gruppierung bezog sowohl Harz als auch Cannabiskraut. Deshalb gehen die Ermittler davon aus, dass ein Teil der Drogen über die Niederlande ins Land kam.

Am 11. September schlugen die Suchtgiftfahnder erneut zu. Bei elf Hausdurchsuchungen wurde das Cannabis sichergestellt, laut Winkler zumindest eine der größten Mengen, die im heurigen Jahr in Österreich sichergestellt wurden. Dazu kamen eine Pumpgun und eine Maschinenpistole des Typs "Skorpion" sowie ein Taser. Fünf Verdächtige wurden in Untersuchungshaft genommen.

Zweiter Boss und mehrere Subdealer gefasst
Als Hauptverdächtiger gilt ein 49-Jähriger, den Winkler als mutmaßlichen "zweiten Österreich-Geschäftsführer" bezeichnete - den "Österreich-Geschäftsführer" hatten die Fahnder im Vorjahr erwischt - und der der Polizei schon seit Längerem bekannt ist. Die anderen vier Personen sind mutmaßliche Subdealer, die das Suchtgift im Wiener Raum unter die Konsumenten brachten. Bei ihnen handelt es sich um 56, 51 und 22 Jahre alte Männer sowie um eine 32-jährige Frau. Nur der jüngste der Gruppe ist bisher nicht bei Amtshandlungen aufgefallen. Weitere drei Verdächtige blieben auf freiem Fuß, da ihr Tatbeitrag als geringer eingestuft wurde.

Pflegebedürftige Frau dealte vom Bett aus
Der Hauptbunker für die Drogen war eine Wohnung am Sonnenweg in Penzing. Bei den Ermittlungen stießen die Fahnder auch auf eine Frau Mitte 50 in Währing, die pflegebedürftig und bettlägerig war. Sie betrieb den Drogenverkauf daher vom Bett aus. Die Kunden hatten den Code zu einem Schlüsselsafe beim Eingang zur Wohnung und kamen so zu ihrer Dealerin. Die Frau hatte das Cannabis neben einer ganzen Batterie von Medikamenten in Gefrierbeuteln neben sich liegen, ebenso das Geld. Sie finanzierte ihre umfangreichen Therapien mit den Drogenverkäufen.

Noch Fragen offen, Ermittlungen laufen weiter
Die Ermittlungen sind laut Winkler noch nicht abgeschlossen. Unter anderem untersuchten die Fahnder noch, wozu die Gruppe die Waffen benötigte. Die Herkunft des Geräts ist unklar, die Seriennummern wurden entfernt. Ebenso galt es noch zahlreiche sichergestellte Spuren auszuwerten. Unter anderem erhofft sich die Polizei dadurch Erkenntnisse zu der Frage, wie das Suchtgift ins Land gebracht wurde.

Die Verdächtigen gaben sich bei den Einvernahmen, nicht zuletzt auf Anraten ihres Strafverteidigers, sehr schweigsam und kündigten an, sich erst äußern zu wollen, wenn die Polizei ihre Ermittlungsergebnisse vorlege. Winkler betonte, dass die Gruppe nach den Erkenntnissen vermutlich seit Jahren im Geschäft ist. Als gesichert gelten die Aktivitäten zumindest für die vergangenen beiden Jahre.

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