So, 19. November 2017

Königliche Visite

28.10.2014 09:30

Zu Besuch bei den Nacktmullen im Zoo Schönbrunn

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für jene Tiere, die von anderen Menschen als unheimlich angesehen werden. Nacktmulle zum Beispiel - kein Fell, übergroße Zähne, und schon mehrmals zum "hässlichsten Tier der Welt" gewählt. Im Schönbrunner Wüstenhaus ist derzeit Nacktmull-Nachwuchs zu bewundern - für mich Grund genug, um eine "Audienz" bei der Königin anzusuchen.

Anders als andere Nager leben Nacktmulle nämlich in Kolonien, die von einer Königin beherrscht werden. Dieses Weibchen ist größer als alle anderen und verbringt einen Großteil ihrer Zeit damit, die anderen Mädels zu unterdrücken und so unter Stress zu setzen, dass diese gar nicht erst fruchtbar werden. Fortpflanzen kann sich also nur die Nacktmull-Königin mit einem Männchen ihrer Wahl. Und das ist nur eine von vielen Besonderheiten dieser spannenden Säugetiere aus Afrika.

Nacktmulle faszinieren die Besucher
Im Tiergarten Schönbrunn züchtet man schon seit Jahren erfolgreich Nacktmulle nach. Erstmals ist dies nun im neuen, 70 Meter langen Glasröhrenlabyrinth im Wüstenhaus gelungen. Dieses ist dem unterirdischen Höhlensystem nachempfunden, das sich diese fast blinden Nagetiere in den Halbwüsten Ostafrikas graben, und zweifellos DIE Besucherattraktion im Wüstenhaus. "Bei den Nacktmullen bleiben die Menschen oft länger stehen als bei den Löwen oder den Elefanten", so der zuständige Kurator Anton Weissenbacher nicht ganz ohne Stolz.

Einzigartiges Sozialverhalten: Der Nager-Staat
Weissenbacher ist ein noch größerer Nacktmull-Fan als ich. Er erzählt mir mehr über das ausgeklügelte Sozialsystem der Nager: "Wie Ameisen und Bienen leben Nacktmulle in einem Staat zusammen. Die Arbeit wird aufgeteilt: Es gibt Soldaten, Babysitter und Arbeiter." Damit sind sie unter den Säugetieren einzigartig. Und nicht nur das: Die kleinen Nackedeis werden bis zu 25 Jahre alt, ein Vielfaches der Lebenserwartung anderer Nager. Warum das so ist, darüber streiten die Wissenschaftler bis heute.

Kein Wasser und keine Schmerzen
Nach einiger Zeit fällt mir auf, dass ich keine einzige Wasserschüssel im Nacktmull-Bau finden kann. "Ja, sie hassen Wasser", bestätigt Anton Weissenbacher. "In der freien Natur bedeutet es Gefahr, wenn etwa der Bau geflutet wird." Die benötigte Flüssigkeit beziehen Nacktmulle aus ihrer Nahrung, die hauptsächlich aus Pflanzenknollen besteht. Und noch etwas Hochspannendes erzählt er mir: Nacktmulle sind die einzige bekannte Säugetierart, deren Haut die Substanz für Schmerzwahrnehmung fehlt. Das bedeutet, dass die Vierbeiner Verletzungen zwar wahrnehmen, aber nicht als schmerzhaft empfinden.

Lang lebe die Königin!
Irgendwie ist das ja schon unglaublich mit der Königin, die ihre komplette Kolonie im Griff hat, und das ganz ohne Fell oder gute Sicht. Auch die zahlreichen Besucher des Schönbrunner Wüstenhauses, die neben mir stehen bleiben und die Nacktmulle bestaunen, scheinen fasziniert. Die Vierbeiner wuseln unbeeindruckt durch ihr Höhlensystem - auch rückwärts - und gehen ihren Aufgaben nach. Einfach nur spannend, da sind Herr Weissenbacher und ich uns einig. Danke für die Audienz, liebe Nacktmull-Königin!

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