Di, 22. Mai 2018

Geschmeidelaster

10.11.2014 18:54

Peugeot 308 SW: Was? So schnell? Und so viel?

Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich schneller unterwegs bin, als ich eigentlich will. Das liegt unter anderem daran, dass der Peugeot 308 SW extrem leise ist und sich noch dazu extrem geschmeidig und komfortabel fährt. Und das, obwohl er, was die Platzverhältnisse betrifft, beinahe als Lastwagen durchgeht.

Der Kombi-308er hat die Qualitäten des Fließheckfahrzeugs übernommen, aber deutlich an Größe gewonnen. Der um elf Zentimeter längere Radstand macht ihn noch erwachsener und im Gleichklang mit der gestreckten Länge fasst der Kofferraum nun Mengen, die auch eine Klasse höher als Maßstab dienen können: 610 Liter sind es voll bestuhlt, 1.660 Liter gar, wenn man die zweite Reihe per Hebelzug im Kofferraum ratzfatz (völlig!) flachgelegt hat. Das Abdeckrollo verschwindet unter dem Boden.

Schade, dass die Ablagemöglichkeiten im Innenraum nicht ganz so opulent sind. Aber immerhin befindet sich ein Fach unter der (in Höhe und Länge verstellbaren!) Mittelarmlehne und ein weiteres davor.

Dank des längeren Radstandes sitzt es sich auf den Rücksitzen jetzt richtig luftig. Die Sitze sind ohnehin sehr bequem (samt langer Sitzfläche) und auch die Materialien im Innenraum gehen sehr in Ordnung. Überhaupt geht es ziemlich wohnlich zu im Peugeot 308 SW, wozu auch das schlichte Design beiträgt. Es tut dem Auge gut, dass es nur eine Handvoll Knöpfe gibt und der Rest auf das 9,7-Zoll-Touch-Display ausgelagert ist.

Praktisch ist allerdings anders. Wenn ich sogar die Klimaanlage per Fingertapper in Halbgradschritten bedienen muss, diese aber relativ zögerlich reagiert, hört für mich der Spaß auf. Jede Sekunde, die ich zu lange nicht auf die Straße schaue, ist ein unnötiges Risiko. Insgesamt ist die Menüeinteilung durchaus intuitiv, im Einzelnen ecke ich aber dann doch immer wieder an, etwa beim Radio. Aber vielleicht müsste ich mich intensiver damit befassen – andererseits will ich, dass mein Auto ohne Fachstudium zu bedienen ist.

Ein Hoch auf das Anderssein!
Echt einzigartig ist beim Peugeot 308 die Anordnung von Tacho und Drehzahlmesser ÜBER dem Lenkrad, das dadurch deutlich kleiner ist als anderswo. Es fühlt sich anfangs ungewöhnlich an, so ein großes Auto mit einer Art Gokart-Steuer zu dirigieren, aber es macht Spaß und gestaltet sich völlig problemlos. Man darf nur nicht den Fehler machen, es zu hoch einzustellen, weil es sonst die Instrumente verdeckt. Diese liegen besser im Blickfeld des Fahrers als bei klassischer Anordnung, weshalb man sich theoretisch ein Head-up-Display sparen kann.

Im Detail ist das Ganze aber nicht ganz zu Ende gedacht. Tacho (links) und Drehzahlmesser (rechts) liegen unnötig weit auseinander und dadurch seitlich außerhalb des Blickfeldes. Der Drehzahlmesser läuft auch noch gegen den Uhrzeigersinn (unnötige Spielerei), somit sind dann bei beiden Instrumenten die Zeiger ganz außen. Das wäre noch nicht so schlimm, wenn das Infodisplay dazwischen informativer wäre. Es zeigt zwar die aktuelle Geschwindigkeit digital an, diese Information hat aber keine Priorität, d.h. sie kann jederzeit verschwinden, z.B. wenn ich auf ein anderes Auto auflaufe und plötzlich nur noch "Fahrzeug nahe" zu lesen ist oder weil mich das Navi bittet abzubiegen. Vielleicht sollte man jemandem bei Peugeot klar machen, das so etwas wie eine Tachoanzeige eine essentielle Info ist, auf die man sich verlassen können muss.

Komfortabel und doch verbindlich
In Sachen Antrieb und Fahrverhalten haben die Franzosen ihre Hausaufgaben gemacht, ohne sich von billigen Effekten ablenken zu lassen. Das Fahrwerk ist höchst komfortabel und schluckt Unebenheiten bravourös weg. Trotz spürbarer Seitenneigung liegt der 308 SW auch in Kurven sicher und die Lenkung vermittelt auch Kontakt zur Straße. Man kann ihn auch richtig sportlich bewegen.

Das unterstützt auch der 150 PS starke Zweiliter-Dieselmotor des Testwagens, obwohl er sein maximales Drehmoment von 370 Nm erst bei 2.000/min erreicht und es glatte zehn Sekunden dauert, bis die 1,5 Tonnen Leergewicht aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigt sind. Zwei Zehntel gehen auf Kosten der nicht ganz zeitgemäßen Sechsgangautomatik. Immerhin gehört der Wagen mit 4,2 l/100 km zur sparsamen Sorte, auch wenn der Bordcomputer in der Praxis über sechs Liter anzeigt.

Warum sind nicht alle Stopp-Start-Systeme so gut?
Herausragend gut ist die Stopp-Start-Automatik: Der Motor ist beim Anfahren so schnell wieder da, dass man praktisch nicht merkt, dass er zwischendurch aus war. Nicht das einzige Feature, das das Leben mit dem Peugeot 308 SW angenehm macht und ihn richtig hochwertig erscheinen lässt: Das Keyless-System arbeitet wie bei Premiumfahrzeugen (also mit Sensor statt Plastikknopf an den Türen und mit Startknopf in der Mittelkonsole), die Hupe klingt mehr als erwachsen, die Mittelarmlehne lässt sich in Längsrichtung verschieben und in der Höhe verstellen, Parkassistent und Rückfahrkamera sind vorhanden.

Schade nur, dass die Kamera recht lichtschwach ist und im Dunkeln außer Peillinien praktisch nichts anzeigt. Ungewöhnlich: Der Ausparkassistent lenkt zwar, sagt dem Fahrer aber nicht, ob er vor oder zurück fahren soll. Nichts für Verfrorene: Die Sitzheizung meint es offenbar gut mit dem Genitalienschutz. Nervig: Das künstlich ploppende Blinkergeräusch hindert mich teilweise am Setzen des Blinkers, weil ich es nicht aushalte.

Ab 29.900 Euro ist der Peugeot 308 SW mit dem 150-PS-Diesel in der Topausstattung Allure zu haben, da sind u.a. LED-Scheinwerfer, Navi, 2-Zonen-Klima, fetter Audioanlage, Touchscreen usw. schon dabei. Mit Automatik, 18-Zoll-Alus, Glaspanoramadach, 220-V-Steckdose, Heizsitzen etc. kommt der Testwagen auf gut 35.000 Euro.

Fazit
Ich würde den 308 SW wahrscheinlich nicht in dem Rot des Testwagens kaufen, aber z.B. in Schwarz oder einer anderen dunklen Farbe schaut er richtig schnittig aus. Von der Optik her betrachtet traut man ihm zwar Eleganz und geschmeidiges Fahren zu, wird dann aber von den Qualitäten als Lademeister überrascht. Er kommt sogar knapp an den Ladekönig Honda Civic Tourer heran. Auf jeden Fall gehört der Peugeot 308 SW zu den unterschätzten Könnern in der Klasse – und ein paar Eigenheiten kann man ihm gut als Charakter durchgehen lassen.

Warum?

  • Sehr komfortables und doch verbindliches Fahrwerk
  • Rücksitzlehnen lassen sich vom Kofferraum aus ganz flach machen.

Warum nicht?

  • Nerviges Blinkergeräusch
  • Nicht zu Ende gedachtes Info-Konzept rund um Tacho/Drehzahlmesser

Oder vielleicht …

… VW Golf Variant, Seat Leon ST, aber auch Peugeot 508 SW

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