Di, 22. Mai 2018

US-Waffen erbeutet?

22.10.2014 07:39

IS-Video zeigt ältere, deutsche Handgranaten

Ein von der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) veröffentlichtes Propagandavideo sorgt für Aufregung. Die Aufnahmen zeigen Kämpfer mit Kisten voller Handgranaten. Laut IS-Angaben soll es sich dabei um von den USA abgeworfene Waffen für die kurdischen Peschmerga handeln. Nun hat sich aber herausgestellt, dass es sich dabei nicht um US-Granaten, sondern um deutsche Modelle älterer Bauart handelt.

Auf dem am Dienstag im Internet hochgeladenen Video zeigen Extremisten zunächst eine auf einem Feld niedergegangene Fallschirmladung. Die USA hatten zu Wochenbeginn Waffen aus kurdischen Beständen für die Verteidiger der nordsyrischen Stadt Kobane abgeworfen. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle landete mindestens ein Waffenabwurf in den Händen des IS.

Die Dschihadisten selbst behaupten ebenfalls, sie hätten einen Teil der "Luftpost" abgefangen. "Vielen Dank, USA!", heißt es in einer Twitter-Botschaft unter einem Bild, das aus der Region rund um Kobane stammen soll. Andere Bilder sowie ein Video zeigen weitere Beutestücke, die ebenfalls aus der US-Waffenlieferung stammen sollen.

Deutsche Handgranaten statt US-Waffen
Was dabei allerdings stutzig macht, ist die Tatsache, dass nach einem Schnitt im Video keine US-Waffen, sondern deutsche Handgranaten ausgepackt werden, deren Behälter die Aufschrift "DM41" tragen - die Typbezeichnung eines älteren deutschen Fabrikats. Unklar ist, aus welchen Beständen die Waffen stammen und wie sie den Weg nach Syrien gefunden haben.

Ein deutscher Bundeswehrsprecher sagte am späten Dienstagabend, Granaten des im Video gezeigten Typs seien nicht an die kurdischen Peschmerga-Einheiten im Nordirak geliefert worden. Vielmehr hätten die Kurden dort das Nachfolgemodell "DM51" erhalten. Die Bundeswehr hatte die Kurden im Irak im Kampf gegen den IS mit Waffen ausgestattet. Über die "DM41"-Granaten hatte zuvor der Blog-Autor Thomas Wiegold geschrieben.

Pentagon: "Wir wissen es nicht"
Das US-Verteidigungsministerium hält es jedenfalls für möglich, dass von den 28 abgeworfenen Bündeln mindestens eines versehentlich an den IS gelangte. Pentagon-Sprecher John Kirby sagte jedoch, bestätigen könne er Berichte, nach denen der IS die Waffen in Besitz genommen hat, nicht. "Die kurze Antwort ist: Wir wissen es nicht."

Doch selbst wenn ein Bündel sein Ziel nicht erreicht habe, sei die Erfolgsquote der Abwürfe äußerst hoch, blieb Kirby optimistisch. Auch die kurdischen Milizen bestätigten, dass die Waffenlieferungen der Amerikaner eingetroffen seien. Ein Milizführer forderte aber weitere Unterstützung an: "Wir benötigen keine Kämpfer. Wir sind in der Lage, IS zu besiegen, wenn wir genug Waffen und Munition haben."

IS verstärkt Angriffe auf Kobane
Wie dringend die kurdischen Freiwilligen Waffen im Kampf gegen die Dschihadisten in Kobane benötigen, hat sich am Dienstag gezeigt. In den vergangenen Tagen hatte die Miliz die Angriffe auf die Stadt an der Grenze zur Türkei wieder verstärkt. Anschläge am Montagabend im Norden der Stadt sollten offenbar dazu dienen, Kobane von der türkischen Grenze abzukoppeln. Die Regierung in Ankara hatte am Montag überraschend angekündigt, nun doch ihre Grenze für im Irak ausgebildete Peschmerga-Kämpfer zu öffnen, damit diese die kurdischen Volksverteidigungseinheiten beim Kampf um Kobane unterstützen können.

USA wollen Irak Panzermunition liefern
Indes wollen die USA neben leichten Waffen den irakischen Streitkräften zusätzliche Panzermunition und Ausrüstung im Wert von rund 600 Millionen Dollar liefern. Das US-Außenministerium habe zugestimmt, der Kongress sei unterrichtet, hieß es. Wie das Verteidigungsministerium weiter erklärte, diene die Lieferung der "nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten".

Dies ist ein Hinweis, dass das Material vor allem im Kampf gegen den Islamischen Staat eingesetzt werden soll. "Der vorgeschlagene Verkauf unterstützt direkt die irakische Regierung und dient dem Interesse des irakischen Volkes und der Vereinigten Staaten", teilte das Pentagon mit.

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