Sa, 26. Mai 2018

Blut und Beuschel

21.10.2014 09:07

Schlägt auf den vollen Magen: "The Evil Within"

Mit "Resident Evil" hat Shinji Mikami das Genre des "Survival Horror" populär gemacht, jetzt meldet sich der japanische Schöpfer des Schreckens mit einem weiteren verstörenden und bizarren Horror-Trip zurück: "The Evil Within".

"The Evil Within" erzählt die Geschichte von Detective Sebastian Castellanos, der eines Tages zusammen mit seinen Kollegen zu einem Tatort in einer Nervenheilanstalt beordert wird. Kaum eingetroffen, wird er bewusstlos geschlagen und findet sich bald darauf in einem lebendig gewordenen Alptraum wieder.

Ein Kettensäge schwingender Irrer, eine Spinnenfrau, ein mysteriöses Geisterwesen und Dutzende weitere furchteinflößende Launen der Natur sowie tödliche Fallen machen ihm fortan das Leben zur Hölle – und somit auch dem Spieler, der schweißgebadet und verstört vor dem Controller zurückbleibt.

Blut und Beuschel
Auf vollen Magen ist die gebotene Kost nur schwer zu "verdauen": Ganze Schwalle virtuellen Bluts, abgetrennte Gliedmaßen und Gedärm bahnen sich ihren Weg über den Bildschirm. Hinzu gesellen sich unliebsame Überraschungen, die jegliches Gefühl der Sicherheit zunichte und Sebastian somit zu einem fast schon panisch Getriebenen machen, dem Verschnaufpausen nur höchst selten vergönnt sind.

Es mangelt am Nötigsten
Völlig hilflos ist der Cop aber auch nicht. Um zu verhindern, dass es nicht sein Blut ist, dass da vergossen wird, kann Sebastian im Laufe des Spiels auf eine Vielzahl zumeist konventioneller Waffen zurückgreifen, denen – ganz genretypisch – eine Sache gemein ist: Munition – die zum Teil aus Fundstücken erst selbst gefertigt werden muss – für sie ist rar. Es gilt also gut zu haushalten und zu wissen, wann eine Auseinandersetzung gegen die abscheulichen Kreaturen tatsächlich sinnvoll ist.

Wer zu viel wagt, der verliert
Nicht allzu selten nämlich erweist sich ein lautloses Vorgehen bzw. die Flucht als die bessere Wahl. Welcher Lösungsweg der klügere ist, lässt sich im Vorhinein jedoch nicht sagen, sodass Frustmomente leider nicht ausbleiben. Auch deshalb, weil die Steuerung nicht zu den präzisesten zählt und die Kamera in den oftmals beängstigend engen Räumlichkeiten häufiger zickt, als einem lieb ist.

Packender Genremix
Der Mix aus Action, Stealth und kleineren Rätseln steht dem Survival-Horror-Game dennoch gut. Zusätzlichen – wenn auch geringen – spielerischen Tiefgang verdankt "The Evil Within" dem Umstand, dass sich sowohl Sebastians Fähigkeiten als auch seine Waffen mithilfe einer ominösen grünen Flüssigkeit verbessern lassen.

Was den Spieler aber wirklich antreibt und die vielen Momente blanken Entsetzens und der Panik vor dem Bildschirm schmerzlich in Kauf nehmen lässt, ist die Frage nach dem Warum und was es mit diesem Alptraum eigentlich auf sich hat. Vor allem: Wie man am schnellsten aus diesem wieder herauskommt.

Der "Resident Evil"-Schöpfer versteht es gekonnt, den Spieler nur häppchenweise mit Informationen zu füttern und so seine Neugier, wider aller auf ihn wartenden Widrigkeiten, am Leben zu erhalten. Ganz zu schweigen von der schaurig-schönen Atmosphäre, gepaart mit einer grandiosen Sound- und Geräuschkulisse, die Mikami und sein Team auf den Bildschirm zaubern.

Technisch nur Mittelmaß
In technischer und grafischer Hinsicht wäre aber durchaus mehr drin gewesen: Der gewollt raue, körnige Look des Spiels vermag leider nicht über nachladende und aufpoppende Texturen, gelegentliche Ruckler, ungelenke Animationen und einen Mangel an Details hinwegzutäuschen.

Fazit: Subtilität ist Mikamis Stärke nicht. Der japanische Survival-Horror-Vater mag es lieber direkt und deftig - mit literweise Blut und expliziten Gewaltszenen, die Ekel und Entsetzen hervorrufen. Sein Metier, den Spieler mit bizarren Bildern zu verstören und durch immer neue Schockmomente zu ängstigen, hat er aber nicht verlernt und somit knüpft "The Evil Within" an bessere, frühere "Resident Evil"-Tage an. So perfekt das Ganze auf der psychologischen Ebene jedoch funktionieren mag - in technischer (Kamera, Steuerung) und auch spielerischer (Trial-and-Error-Prinip) Hinsicht bietet der Titel noch Platz für Verbesserungen. Wer sich gerne gruselt, wird darüber allerdings getrost hinwegsehen können.

Plattform: Xbox One (getestet), PS4, PC, Xbox 360, PS3
Publisher: Bethesda Softwork
krone.at-Wertung: 8/10

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