Mo, 28. Mai 2018

Fund in der Türkei

19.10.2014 07:00

Archäologen identifizieren 3.500 Jahre alte Stadt

Deutsche Forscher haben bei Grabungen in der Türkei eine Grabungsstätte als ehemalige Hauptstadt des Hethiter-Reiches identifizieren können. Das belegen Tontafeln mit Keilschriften, die die Archäologen vor Ort gefunden haben. Die Lage der hethitischen Königsstadt Samuha war ein bis dato ungelöstes archäologisches Rätsel.

Das 3.500 Jahre alte Samuha war der Wissenschaft als bedeutende Metropole schon länger aus Schriftquellen anderer Fundorte bekannt gewesen. "Wo diese Stadt jedoch lag, blieb in der Forschung heftig umstritten", erläutert der Direktor des Vorgeschichtlichen Seminars der Philipps-Universität im deutschen Marburg, Andreas Müller-Karpe, der an den Grabungen beteiligt war.

Die jüngsten Ausgrabungen in Zentralanatolien brachten aber nun den Durchbruch: Die deutschen Forscher entdeckten Keilschrifttafeln (Bild), die erstmals den hethetischen Namen der Stadt nennen. Samuha befand sich demnach am Nordufer des längsten Flusses Anatoliens, des Kyzylyrmak in der ostkappadokischen Provinz Sivas.

Samuha war sogar zeitweilig Regierungssitz
Die älteste Erwähnung Samuhas datiert in das 19. Jahrhundert vor Christus. "Altassyrische Tontafeln aus Kültepe bei Kayseri belegen, dass schon in dieser Zeit ein Palast in der Stadt existierte, somit ein Herrscher hier residierte", weiß Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Rieken. Händler aus dem 750 Kilometer entfernten Assur (Irak) unterhielten hier zudem einen Stützpunkt.

"Noch wichtiger wurde die Stadt dann aber in der Epoche des Hethiterreiches, insbesondere im 14. Jahrhundert vor Christus, als der Regierungssitz zeitweilig nach Samuha verlegt wurde", so Müller-Karpe aus. Großkönig Tuthalija III. richtete an diesem Ort seine Residenz ein und blieb dort bis zu seinem Lebensende. Sein Sohn und Nachfolger König Suppiluliuma I. führte von Samuha aus zahlreiche Feldzüge, eroberte das hethitische Kernland und die Hauptstadt Hattusa im heutigen Anatolien zurück. Später erweiterte er sein Herrschaftsgebiet zu einem Großreich, das mit Ägypten um die Vormachtstellung im Alten Orient konkurrierte.

Stadt geriet nach Zerstörung in Vergessenheit
Im 13. Jahrhundert vor Christus wurde Samuha Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen innerhalb des Königshauses. Um 1.200 vor Christus wurde die Stadt dann endgültig zerstört und geriet, wie das gesamte Hethiterreich, in Vergessenheit. Erst durch die 2005 begonnenen Ausgrabungen wurden nun wieder Teile der hethitischen Stadt zu Tage gefördert.

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