Di, 17. Oktober 2017

Diva in der Karibik

16.10.2014 14:20

Kuba: Fidel, Revolution und Straßenkreuzer

"Gott wollte es so. Und Fidel war einverstanden." So die Erklärung der Kubaner für die Schönheit ihrer Karibikinsel – und den Stellenwert, den sie ihrem "Máximo Lider" einräumen. Fidel Castro und die Revolution haben Kuba geprägt, es ist kein Land wie jedes andere. Noch scheint die Zeit stehen geblieben zu sein.

Ankunft in Havanna, Kubas Hauptstadt mit Hang zum Größenwahn: Weil einst für ein noch größeres Regierungsgebäude als in Washington das Geld fehlte, baute man das Kapitol einfach nach – die Kuppel allerdings einen Meter höher! Schneeweiß leuchtet sie seit der Restaurierung über den verfallenen Palästen der ehemaligen Zuckerbarone.

Gereifte Diva erhält Facelifting
Havanna ist heute eine gereifte Diva, bei der dank aktuellem Facelifting ansatzweise wieder die alte Schönheit aufblitzt. Zumindest in der Altstadt, einst die größte und wichtigste der spanischen Kolonien. Nach jahrelangem Verfall wird jetzt eifrig restauriert. Wie der prächtige Palast der Generalkapitäne an der Plaza de Armas, über 100 Jahre Sitz der spanischen Gouverneure. Die Straße davor ist mit Holz gepflastert – die hohen Herren sollten nicht durch das Rattern der Kutschen in ihrem Schlaf gestört werden.

Nicht weit davon lockt die dunkle Pracht des Franziskanerklosters. Gleich um die Ecke der Kathedrale geht es dann um eine bodenständigere Spiritualität: Ein Mojito in der  Bodeguita del Medio gehört zum Programm. Hier soll der legendäre Rum-Cocktail der Schriftsteller-Legende Ernest Hemingway ganz besonders gut geschmeckt haben.

Rund um die Plaza Vieja schieben sich die Touristen durch die Gassen. Dazwischen Erdnuss-Verkäufer, Andenken-Händler, Straßenmusikanten, Kartenleserinnen und herausgeputzte Habaneras, die für ein paar CUC – die offizielle Touristenwährung – für ein Erinnerungsfoto zur Zigarre greifen.

Die Einfahrten der alten Paläste geben Einblicke in verschwiegene Innenhöfe frei. In der Conde de Villanueva schlägt ein Pfau sein Rad unter alten Palmen. Die naive Malerei an den Wänden steht ihm an Farbenpracht nicht nach.

Mit dem Straßenkreuzer in die 40er-Jahre
Mit der prunken auch die alten Dodges, Chevrolets und Fords, dank derer man sich auf dem Malecon, der sieben Kilometer langen Uferpromenade, wie bei einer Oldtimer-Parade wähnt. Die "Ami-Schlitten" aus den 40er- und 50er-Jahren mit ihren chromblitzenden Kühlergrills und langen Heckflossen sind aber "echt": Rund 120.000 Straßenkreuzer rollen noch über Kubas Straßen, die Hälfte davon in Havanna – auch als Taxi.

Und schon sind wir mittendrin in Politik und Revolution. Der Malecon ist Treffpunkt für Verliebte und Schwarzmarkthändler, er war aber auch Schauplatz der Auftritte Fidel Castros, der hier bis zu 24 Stunden am Stück gegen die imperialistischen Feinde wetterte. Für den Zustrom der Massen sorgte die CTR, eine Spitzelorganisation, die auch heute noch jeden Häuserblock, jede Wohnung unter Kontrolle hat.

Neben einem Wald von Hunderten Fahnenmasten steht am Aufmarschplatz "Patria o Muerte" (Vaterland oder Tod) in riesigen Lettern in Beton gegossen. "Wir kämpfen immer noch", meint unser Guide Bobby zynisch. "Wir wissen nur nicht, gegen wen."

Der Geist der Revolution
Bei Castros Revolution vor über 50 Jahren war der Feind klar: Die Mafia und amerikanische Firmen, welche das Land ausbeuteten, wurden verjagt. Die USA reagierte mit einem Embargo, dafür unterstützten die Russen das nunmehr kommunistische Inselparadies. Doch mit dem Zerfall der Sowjetunion war es damit vorbei: Seither herrscht in Kuba die Dauerwirtschaftskrise.

Der seit Längerem kranke Fidel hat die Staatsmacht inzwischen seinem Bruder Raúl übergeben, der das Land langsam an den Westen annähert. So gibt es seit einigen Jahren private Gästehäuser und Restaurants. Die meisten mit viel Flair und liebenswerten Gastgebern, manche schon mit Kultstatus, wie das Paladar "La Guarida" in Havanna, in dem bereits die spanische Königin Sophia bewirtet wurde.

Fidel Castro ist in der Öffentlichkeit kaum präsent, sein Compañero Ernesto "Che" Guevara dafür allgegenwärtig. Ches Porträt findet sich auf Mauerwänden, T-Shirts, Plakaten und in Schulklassen, Bücherstände quellen über vor Dokumentationen und Biografien des Comandante.

In Santa Clara in Zentralkuba erinnert ein gigantisches Monument an den Guerillero, der bei dem Versuch, den Bürgerkrieg nach Bolivien zu exportieren, erschossen wurde. Ches letzte Ruhestätte ist längst Wallfahrtsort für Revolutionsromantiker aus aller Welt.

"Nicht viel zu besichtigen, aber viel zu sehen"
"Es gibt nicht viel zu besichtigen, aber unglaublich viel zu sehen", so der begeisterte Kommentar einer Rundreise-Kollegin. Wie etwa das zauberhafte Valle de Viñales im Nordwesten. Aus dem grünen Meer der Tabakplantagen ragen dicht bewachsene Kalksteinkegel empor. Dazwischen schlängelt sich ein Flüsschen durch samtweiche Wiesen mit den glücklichsten Ziegen der Welt.

Oder die alten Städtchen an der Südküste, die unterschiedlicher nicht sein können. Cienfuegos, von französischen Zuckerbaronen errichtet, verblüfft mit einem Mini-Triumphbogen und einer wunderschönen Oper, in der bereits Caruso seine Arien schmetterte.

Ganz anders Sancti Spíritus, welches sich zum 500-Jahre-Jubiläum einen neuen Anstrich in allen Farben des karibischen Regenbogens gegönnt hat. Oder das gleich alte Trinidad, das nach einem Sklavenaufstand  im 18. Jahrhundert in einen Dornröschenschlaf gefallen ist.

Auf einem Hügel gelegen, mit gepflasterten Straßen und wunderschönen kleinen Stadtpalästen ist die ganze Stadt ein Museum. Aber ein äußerst lebendiges: Am Abend wird gefeiert, Livemusik mit Salsa, Rumba und Mambo tönt aus allen Ecken. "Ein Kubaner ohne Party ist kein Kubaner", sagt Bobby. Und der Habanero muss es schließlich wissen.

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