Mo, 21. Mai 2018

Fahne als Auslöser

15.10.2014 10:30

Straßenschlachten in Wien nach Skandal in Belgrad

Ein Riesenskandal in der Fußball-EM-Qualifikation hat einen Polizei-Großeinsatz in Wien ausgelöst! Das Spiel zwischen Serbien und Albanien wurde am Dienstag in Belgrad nach Tätlichkeiten zwischen Spielern und Attacken von Zuschauern abgebrochen. Nach den Zusammenstößen wurde der Bruder des albanischen Regierungschefs Edi Rama angeblich noch im Stadion festgenommen. Weil es durch den Eklat in Belgrad auch in Wien-Ottakring zu Ausschreitungen kam, mussten schließlich WEGA, die Diensthundeabteilung sowie die gesamte Bereitschaftseinheit und Streifenpolizisten aus allen Wiener Bezirken einschreiten.

Aufgrund der Eskalation in Belgrad sammelten sich laut Polizei gegen 21.30 Uhr etwa 50 Albaner auf der Ottakringer Straße in Wien und warfen Flaschen gegen ein vermutlich serbisches Kaffeehaus. Es wurden auch pyrotechnische Sätze (Bengalen) gezündet.

200 Serben wollten Polizeisperren durchbrechen
Die Polizei konnte nach eigenen Angaben zu diesem Zeitpunkt die Randalierer vorerst stoppen, gegen 22.30 Uhr sammelten sich aber mindestens 200 Serben ebenfalls im Nahbereich der Ottakringer Straße und versuchten, die inzwischen errichteten Polizeisperren zu durchbrechen. Um die drohenden Zusammenstöße zu vermeiden, wurden Kräfte der WEGA und der Diensthundeabteilung, die gesamte Bereitschaftseinheit sowie Streifenpolizisten aus allen Wiener Gemeindebezirken in Ottakring zusammengezogen. Darüber hinaus wurden die Ottakringer Straße und umliegende Straßenzüge sowie der äußere Gürtel teilweise für den gesamten Verkehr gesperrt.

Durch die große Präsenz konnte laut Polizei verhindert werden, dass die beiden Gruppen aufeinandertrafen. Gegen 23.30 Uhr hätten sich beide Lager zerstreut. Verletzte gab es nicht. Auch Festnahmen blieben aus, allerdings wurden etwa 30 Anzeigen wegen Verwaltungsübertretungen, etwa nach dem Pyrotechnikgesetz, erstattet. Zudem wurden 14 Pkws beschädigt, darunter auch Polizeifahrzeuge. Ermittlungen wegen Sachbeschädigung laufen. Um Mitternacht herrschte auf der Ottakringer Straße wieder Ruhe, alle Straßensperren konnten aufgehoben werden. Es blieben jedoch Teile der zusammengezogenen Polizeikräfte vor Ort.

Skandal in Belgrad durch Drohne ausgelöst
Der Auslöser: In der 42. Minute tauchte über dem Stadion beim EM-Qualifikationsspiel in Belgrad zwischen Serbien und Albanien eine Drohne mit einer Fahne auf, die ein potenzielles Großalbanien zeigte. Olsi Rama, der Bruder des albanischen Regierungschefs Edi Rama, soll die Drohne vom VIP-Bereich aus per Fernbedienung gesteuert haben. Der serbische Spieler Stefan Mitrovic konnte die Flagge an sich reißen, worauf albanische Gegenspieler auf ihn losgingen. Aufgebrachte serbische Zuschauer gelangten aufs Spielfeld und attackierten albanische Spieler. Diese konnten sich in die Kabine retten.

Schande für den Fußball-Sport
Auf Empfehlung der UEFA waren keine albanischen Anhänger zu dem Länderspiel gereist. Im Gegenzug würden auch keine serbischen Fans zum Rückspiel kommendes Jahr nach Tirana kommen. Darauf hatten sich die nationalen Verbände geeinigt. Genutzt hat dies leider nichts, denn die Fans und Spieler rasteten zum Teil völlig aus. "Die genauen Umstände" würden nun der Kontroll-, Ethik- und Disziplinarkammer der UEFA gemeldet, teilte die Europäische Fußball-Union noch Dienstagnacht auf ihrer Internetseite mit.

Nicht die ersten Ausschreitungen
Es waren nicht die ersten gewalttätigen Ausschreitungen mit Beteiligung Serbiens. Kurz vor Ende und nach dem Schlusspfiff der U21-Partie gegen England am 16. Oktober 2012 in Belgrad war es zu Randalen auf den Rängen sowie handgreiflichen Auseinandersetzungen auf dem Rasen gekommen. Die englischen Spieler beklagten dabei, auch rassistisch beleidigt worden zu sein.

Schon im Februar 2011 hatte UEFA-Präsident Michel Platini Serbien im Fall von weiteren Krawallen mit dem Ausschluss von kontinentalen Wettbewerben gedroht. Im Oktober 2010 war das EM-Qualifikationsspiel gegen Italien in Genua wegen der Randale serbischer Anhänger abgebrochen worden.

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