Di, 22. Mai 2018

PANIK!

13.10.2014 13:42

Löst Fluchtreflexe aus: "Alien: Isolation"

Die menschliche Psyche ist ein Hund: Ein bisschen Dunkelheit und unheilvolle Geräusche, und schon werden archaische Fluchtreflexe ausgelöst - selbst dann, wenn die Reize wie in Segas Survival-Horror-Game "Alien: Isolation" rein virtueller Natur sind. Ein schaurig-schöner Schrecken.

Survival-Horror im All, das kennt man spätestens seit Electronic Arts' "Dead Space". Doch "Alien: Isolation" gibt sich im Vergleich dazu geradezu unaufgeregt zurückhaltend. Schockmomente am laufenden Band oder abscheulich missgebildete Kreaturen sucht man in dem Game, es spielt 15 Jahre nach Ridley Scotts Filmklassiker "Alien" mit Sigourney Weaver als Ellen Ripley in der Hauptrolle, nahezu vergeblich. Der Horror im Inneren der Sevastopol, jener Raumstation, auf der Ripleys Tochter Amanda nach einem Lebenszeichen ihrer Mutter sucht, ist ein gänzlich anderer: feiner, subtiler – und gerade deshalb so nervenaufreibend.

Verantwortlich dafür zeichnet wenig überraschend das titelgebende Alien – die einzige außerirdische Bedrohung an Bord der Sevastopol. Wer deshalb glaubt, dass der Überlebenskampf auf der weitgehend menschenleeren Raumstation ein Spaziergang wäre, irrt jedoch gewaltig. Es mag zwar nur den einen extraterrestrischen Bewohner geben, doch der ist dafür absolut tödlich und noch dazu äußerst gerissen, reagiert er doch selbst auf kleinste Geräusche und entpuppt sich zudem als lernfähig.

Ein Katz-und-Maus-Spiel durch Korridore und Lüftungsschächte beginnt, bei dem der Sieger von vorneherein festzustehen scheint. Denn wirklich anhaben kann dem Alien kaum etwas: Genretypisch spärlich gesäte Waffen, die teils erst aus diversen Bauteilen zusammengesetzt werden müssen, dienen eher der Ablenkung oder dazu, ein paar lebensnotwendige Sekunden für die Flucht vor dem Monster herauszuschlagen. Denn Zeit ist ein durchaus nicht zu unterschätzender Faktor in "Alien: Isolation".

Das wird einem nicht erst beim Versuch bewusst, sich in einem Spind oder unter einem Tisch zu verstecken, sondern schon bei weit banaleren Aufgaben wie dem Öffnen von Türen. Ob man diese in Form eines Mini-Games nun hackt oder mittels Schraubenschlüssel aufsperrt – das Spielgeschehen, und damit das Alien, läuft ungehindert weiter. Auch wer den Spielstand manuell speichern möchte, muss an dafür vorgesehenen Automaten zunächst quälend langsam verstreichende Sekunden abwarten.

Was bleibt, ist ein Gefühl ständiger Gehetztheit, während man sich Raum für Raum durch die Sevastopol arbeitet und dabei immer wieder mit neuen Herausforderungen und Hindernissen konfrontiert wird. Zusätzlich verstärkt wird dieses noch durch die hervorragende Geräuschkulisse, die das Alien durch Gepoltere und andere furchteinflößende Klänge ankündigt und dadurch den Adrenalinspiegel vorsorglich schon einmal in die Höhe schnellen lässt.

Grafisch ist "Alien: Isolation" nicht minder fesselnd. Gekonnt fangen die Entwickler von Creative Assembly den – aus heutiger Sicht bereits leicht angestaubt wirkenden – Look des "Alien"-Films von 1979 ein und schaffen damit eine authentische Atmosphäre, die durch die überzeugenden, realistisch animierten Charaktere zusätzlich verstärkt wird. Angesichts dieser Umstände lässt sich über kleinere Lags bei der getesteten Konsolenversion (Xbox One) getrost hinwegsehen.

Fazit: "Alien: Isolation" ist Horror pur, denn das Grauen spielt sich in erster Linie im Kopf des Gamers ab, hervorgerufen durch ein Gefühl der ständigen Bedrohung, des Ausgeliefertseins und der Wehrlosigkeit. Verschnaufpausen gibt es wenige, Ressourcen ebenfalls, und so bleibt einem nichts anderes übrig, als vor dem Grauen davonzurennen – so gut und schnell es eben geht. Der besondere Nervenkitzel entsteht dadurch, nie zu wissen, wann und wo das Alien als nächstes auftaucht – und ist es erst einmal da, ist es häufig schon zu spät. "Alien: Isolation" schafft damit, was anderen Genrevertretern nicht gelingt: Auch ohne Effekthascherei eine Atmosphäre der Angst zu kreieren. Großes Kino also, sofern die Nerven mitspielen.

Plattform: Xbox One (getestet), PS4, PC, Xbox 360, PS3
Publisher: Sega
krone.at-Wertung: 8/10

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