Mo, 11. Dezember 2017

Kindererziehung

26.10.2017 09:15

Was tun, wenn Oma alles besser weiß?

Keine Frage, Großeltern haben definitiv Ahnung von Kindererziehung - und dazu noch jede Menge wichtige Lebenserfahrung. Dennoch können zu viele gut gemeinte Ratschläge die Beziehung zwischen Jungeltern und Großeltern ganz schön auf die Probe stellen.

Für Eltern ist es meist eine ganz besondere Erfahrung, wenn ihre Kinder selbst Nachwuchs bekommen haben und sie damit zu Großeltern werden. Man erinnert sich an die Zeit, als man selbst seine Kinder beim Aufwachsen begleitet und unterstützt hat. Und hat vielleicht auch den Wunsch, dem Enkel möglichst viel seiner Erfahrung mitzugeben oder die Kinder in der Erziehung zu unterstützen.

Gut gemeint ...
Dieser Wunsch stößt jedoch nicht immer auf Gegenliebe, denn Ratschläge werden oft als Kritik aufgefasst und als unliebsame Einmischung empfunden. Die Grenzen aufzuzeigen ist gegenüber den eigenen Eltern bzw. Schwiegereltern nicht immer einfach. Schließlich will man keinen offenen Streit, aber umgekehrt will man sein Kind nach seinen Vorstellungen erziehen. Auch sind viele Ansichten und Tipps von damals heute überholt, weil man in der Zwischenzeit neue medizinische oder psychologische Erkenntnisse gewonnen hat.

Aussprache suchen
Machen Sie sich daher zunächst bewusst, dass das, was Sie als Einmischung oder sogar Kritik empfinden, zeigt, dass Sie und das Enkelkind den Großeltern wichtig sind. Sprechen Sie daher mit den Großeltern, wenn Sie noch nicht vollständig verärgert sind, weil die Situation sehr schnell eskaliert. Sagen Sie den Großeltern, dass es unterschiedliche Methoden gibt, ein Kind zu erziehen. Machen Sie deutlich, dass Sie (beide) sich für eine bestimmte Methode entschieden haben, weil diese aus Ihrer Sicht zu Ihren Vorstellungen und Werten passt.

Bringen Sie zum Ausdruck, wie Sie sich fühlen: Dass Sie wissen, dass die Ratschläge gut gemeint sind, aber Sie sich nicht wohl damit fühlen, weil Sie das Gefühl haben, bevormundet zu werden, dass dadurch Ihre Erziehungsmaßnahmen untergraben werden, etc. Stellen Sie klar, was für Sie die grundlegenden Spielregeln sind, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Drohen Sie aber nicht damit, dass die Großeltern das Kind sonst nicht mehr sehen dürfen - damit schaden Sie Ihrem Kind im Endeffekt nur, weil es keinen Draht zu seinen Großeltern aufbauen kann.

Spielregeln festlegen
Versuchen Sie aber auch, die Bemühungen der Großeltern zu verstehen, und lassen Sie deren Aktivität in Bereichen zu, mit denen Sie leben können. Wenn das Kind sich beispielsweise im Supermarkt eine Zeitschrift aussuchen darf oder mal auch am Vormittag ein Stück Kuchen naschen darf, schadet das Ihrem Kind langfristig nicht. Denn dass bei Großeltern und Eltern jeweils ein wenig in der Strenge variiert wird, ist nicht schlimm und wird von den Kindern gut verkraftet.

Machen Sie aber auch klar, wo bei Ihnen das Verständnis aufhört. Beispiele dafür:

  • Einmal ein bisschen naschen am Tag ist genug. Mehr ist nicht gut für das Verdauungssystem des Kindes und macht dick - das Kind leidet dann später darunter.
  • Ein bisschen später schlafen gehen ist in Ordnung, viel später aber nicht, weil sonst ein mühsam angewöhnter Tag-Nacht-Rhythmus komplett durcheinandergerät.
  • Fernsehen und Computerspiele dürfen nicht überdosiert werden. Auch darf das Kind nicht alles anschauen, sondern nur Sendungen, die Sie vorgeben.
  • Das Kind braucht nicht bei jedem Besuch ein Geschenk oder Süßigkeiten. Es freut sich auch so, wenn die Großeltern vorbeischauen.

Erklären Sie Ihren Eltern, warum Ihnen die jeweiligen Punkte wichtig sind und warum Sie manche Dinge anders sehen als sie. Und geben Sie Ihren Eltern Zeit. Es ist auch für sie ein Lernprozess, wie sie sich nun als Großeltern verhalten sollen - schließlich ist das auch für sie eine neue Rolle. Drücken Sie deutlich aus, worüber Sie sich freuen, aber sagen Sie genauso, wenn Sie etwas stört. Und das am besten gleich. Denn wenn sich ein gewisses Maß an Ärger aufgestaut hat, ist ein ruhiges, klärendes Gespräch meist nicht mehr möglich und es kann viel einer vorher gut funktionierenden Beziehung zerstört werden.

 krone.at
Redaktion
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