Fr, 25. Mai 2018

19 Tote in Türkei

08.10.2014 11:30

Anti-IS-Allianz wächst weiter: Auch Kanada an Bord

Das kanadische Parlament hat einem Militäreinsatz im Kampf gegen die IS-Miliz zugestimmt. Mit den Stimmen der konservativen Mehrheit billigte das Haus am Dienstag den Plan von Regierungschef Stephen Harper, sich an der US-geführten Koalition zu beteiligen. In der Türkei eskalierten in der Nacht auf Mittwoch Proteste der Kurden, die für ein militärisches Vorgehen zur Rettung der syrischen Enklave Kobane demonstrierten: Es gab mindestens 15 Tote.

Harpers Plan sieht vor, sechs Kampfjets vom Typ F-18 sowie weitere Militärflugzeuge für einen Einsatz im Irak zu entsenden. Rund 600 Soldaten sollen dafür abgestellt werden, die Mission ist zunächst auf sechs Monate befristet. 157 Abgeordnete stimmten für den Einsatz, 134 dagegen. Kanadische Bodentruppen in Syrien und dem Irak schließt Harper ebenso wie US-Präsident Barack Obama aus.

Einer Umfrage zufolge unterstützen 64 Prozent der Kanadier eine Beteiligung ihres Landes am Kampf gegen den IS. Die USA begrüßten das Votum für einen "weiteren Beitrag Kanadas gegen den Terrorismus", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses. An den Luftangriffen der internationalen Koalition sind derzeit außerdem Australien, Belgien, Dänemark, Frankreich, die Niederlande und Großbritannien sowie die arabischen Länder Jordanien, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar und Bahrain beteiligt.

15 Tote bei Kurdenprotesten in der Türkei
Die Proteste gegen die Tatenlosigkeit der Türkei angesichts des IS-Vormarsches auf die kurdisch-syrische Enklave Kobane (siehe Infobox) arteten in der Nacht auf Donnerstag erstmals aus. Mindestens 19 Menschen kamen in der Türkei ums Leben, viele weitere wurden laut Medienberichten bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, aber auch mit Islamisten, verletzt.

Die Demonstranten in zahlreichen mehrheitlich von Kurden bewohnten Städten im Südosten der Türkei werfen Ankara vor, dem drohenden Fall der Grenzstadt Kobane tatenlos zuzusehen. Das Parlament hat zwar den Einsatz der Armee in Syrien und dem Irak autorisiert, doch hat die Regierung von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu bisher keine militärische Intervention gestartet. Die Kurdenpartei HDP hatte deshalb zu den landesweiten Protesten aufgerufen, Tausende Menschen folgten dem Appell.

In der südöstlichen Großstadt Diyarbakir wurden laut Medienberichten von Mittwoch früh acht Menschen bei Schusswechseln zwischen prokurdischen Aktivisten und Islamisten getötet. Mindestens zehn weitere Personen wurden verletzt. Ein Polizeifahrzeug, weitere Autos, Geschäfte und Regierungsgebäude wurden in Brand gesteckt oder anderweitig beschädigt. Mindestens drei Tote wurden in Mardin gemeldet, zwei in Siirt sowie jeweils einer in den Städten Batman und Mus.

Ausgangssperre in Kurdenprovinzen, Tränengas in Ankara
In den kurdischen Provinzen Diyarbakir, Mardin, Siirt und Van wurde eine Ausgangssperre verhängt. In Istanbul und Ankara setzte die Polizei Tränengas und Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. Proteste gab es auch in der Küstenstadt Antalya sowie in Mersin und Adana im Süden. Innenminister Efkan Ala forderte die Demonstranten zum Rückzug auf, sonst drohten "unvorhersehbare Folgen".

Auch in Hamburg kam es zu Ausschreitungen zwischen prokurdischen Demonstranten und radikalen Muslimen. Dabei wurden ebenfalls mehrere Menschen verletzt. Der UNO-Syrien-Vermittler Staffan de Mistura forderte die Weltgemeinschaft eindringlich zur Hilfe bei der Verteidigung des seit Tagen umkämpften Kobane auf, die Türkei appellierte an die USA, verstärkte Luftangriffe auf die IS-Miliz in Syrien zu fliegen.

Luftangriffe gehen weiter: Erste Rückschläge für IS
Am Mittwoch wurden die Luftschläge auf Kobane fortgesetzt. Unmittelbar danach stieg dicker schwarzer Rauch von einem strategisch wichtigen Hügel im Osten der Stadt auf, berichtete ein AFP-Reporter. Laut kurdischen Medien sind bei dem Angriff auf IS-Stellungen auch Waffendepots zerstört worden, die IS-Kämpfer zogen sich aus Teilen der Stadt zurück. Im Südwesten Kobanes waren sie dagegen weiter im Vormarsch und eroberten einige Gebäude.

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