Di, 24. Oktober 2017

Debatte um Mängel

02.10.2014 18:01

Auch das noch: Eurofighter-Notlandung in Innsbruck

Mitten in die Debatte um neue Mängel ist am Donnerstag die Meldung über eine dramatische Notlandung eines Eurofighters geplatzt: Ein Jet musste wegen eines Brandalarms in Innsbruck notlanden. Kurz zuvor hatte das Heer verraten, dass die Flugzeuge eigentlich nur 45 Stunden pro Jahr in der Luft sind.

Ein Überschallknall, kurz darauf der nächste: Viele Tiroler wurden am Donnerstag von dem Eurofighter-Lärm erschreckt, nur Minuten später kam die Meldung über die dramatische Notlandung in Innsbruck - dem Piloten wurde eine Warnung über einen Brand des Triebwerks angezeigt.

"Zunächst hat er das eine Triebwerk abgeschaltet, dann ist er den Innsbrucker Flughafen angeflogen", erklärte Heeressprecher Michael Bauer. Der Eurofighter sei "routinemäßig" gelandet, betonte Bauer. Im vergangenen Jahr seien für derartige Fälle alle zivilen Flughäfen in Österreich angeflogen und entsprechende Landemanöver geübt worden.

Maschine bleibt vorerst in Innsbruck
Die Maschine bleibt jedenfalls laut Bauer vorerst am Innsbrucker Flughafen. Techniker des Heeres seien auf dem Weg dorthin, um sie unter die Lupe zu nehmen.

Die beiden explosionsartigen Geräusche, die in der Tiroler Landeshauptstadt zu hören waren, stammten laut dem Heeressprecher vom Überschallflug des Jets. Im Stadtgebiet sei sogar eine Schaufensterscheibe zu Bruch gegangen, berichtete ein Tiroler Versicherungsunternehmen.

Pilz: "Systemzusammenbruch Eurofighter"
Für den Grünen Peter Pilz ist der Eurofighter-Notfall in Innsbruck jedenfalls "der letzte Beweis, dass das System Eurofighter in Österreich nicht mehr betrieben werden kann". Er bereite "zum Systemzusammenbruch Eurofighter" die Einberufung des Nationalen Sicherheitsrates vor, kündigte der Abgeordnete an.

Eurofighter fliegt nur 45 Stunden im Jahr
Erst wenige Stunden vor der peinlichen Panne in Innsbruck hatte das Bundesheer gegenüber der "Krone" verraten: Der älteste, 2003 ausgelieferte Jet flog erst 500 Stunden - er war pro Jahr also nur 45 Stunden oder vier Tage im Einsatz. Und Verteidigungsminister Gerald Klug ist sauer, weil er vom neuen Skandal viel zu spät informiert worden ist.

Während die Schweizer Luftwaffe jeden ihrer Abfangjäger vom Typ Boeing F/A-18D "Hornet" zu mindestens 200 Flugstunden pro Jahr aufsteigen lässt, verstauben Österreichs Eurofighter im Jahresschnitt an 361 von 365 Tagen im Hangar in Zeltweg. "Es ist korrekt, dass unser ältester Eurofighter erst 500 Flugstunden geleistet hat", bestätigt das Verteidigungsministerium die bereits elf Jahre dauernde "Schonzeit" für die zwei Milliarden Euro teuren Bundesheer-Jets.

Die (mit vielen Sparbefehlen erzwungene) geringe Anzahl an Flugstunden wird von einem Bundesheersprecher jetzt sogar als "Glücksfall" interpretiert: Denn so würden die am Mittwoch aufgedeckten neuen Mängel am Abfangjäger "erst in vielen Jahren zu einem echten Problem". Mit derartiger Schönfärberei vernichtet das Bundesheer natürlich seine momentan nicht allzu schlechte Verhandlungsposition gegenüber dem Jet-Hersteller BAE Systems.

Köpferollen, weil Brief verheimlicht wurde?
Kein Wunder, dass Klug angesichts dieser Taktik und nach dem monatelangen Verheimlichen der "Causa Schrott-Jet" verärgert ist: Ein Köpferollen wird erwartet - der Minister könne sich das "so nicht bieten lassen", dass ihm das Kommando Luftstreitkräfte die Mängelwarnung des Herstellers BAE Systems verschwiegen hat. Denn erst die Recherchen der "Krone" und die Nachfrage von Pilz ließen den neuen Jet-Skandal auffliegen.

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