Sa, 26. Mai 2018

Spannender Thriller

01.10.2014 15:23

"Gone Girl": David Fincher ist in seinem Element

Nur wenige Regisseure beherrschen die Kunst, ihr Publikum auf falsche Fährten zu locken und vermeintliche Sicherheiten zu untergraben, wie David Fincher. Der US-Amerikaner, bekannt für Filme wie "Sieben", "Fight Club" oder jüngst "The Social Network" und "Zodiac", ist ein Meister der Inszenierung. Und selbst bei einem Thriller wie "Gone Girl" (Kinostart: 3. Oktober) geht es bei ihm immer um mehr.

Da wird der Traum einer neuen Liebe, die Ben Affleck und Rosamund Pike als die zwei jungen Autoren Nick und Amy erleben dürfen, im Zuckerwirbel einer Bäckerei in Szene gesetzt - und zugleich schimmern überall bereits die Abgründe durch, die sich am fünften Hochzeitstag schließlich unweigerlich Bahn brechen. Im Amerika von heute sind die großen Einkaufscenter geschlossen, die Jobs nach der Finanzkrise noch immer rar, die Tabletten notwendige Einschlafhilfen.

Und dennoch bemüht sich der amerikanische Mittelstand, die Fassade aufrechtzuerhalten - nicht zuletzt mittels der Institution Ehe. Nicks Leben basiert zum größten Teil auf den Ersparnissen seiner Frau, Amy wiederum hat das Leben für den äußerlichen Schein verinnerlicht. Die Fragen in der Ehe, wie Fincher ausführt, lauten längst nicht mehr: Woran denkst du und wie geht es dir? Sondern: Was haben wir uns angetan? Und was werden wir uns noch antun?

Als Amy am fünften Hochzeitstag verschwindet, ist Nick entsetzt - aber irgendwie auch erleichtert. Dass man ihm dies auf Fotos ansieht, macht ihn bald zum Ziel einer medialen Hexenjagd, der sich selbst die ermittelnden Polizisten nur schwer entziehen können. Wie viel stimmt von Nicks Geschichte? Was verschweigt er? Und warum gibt es zwar unzählige Blutspuren, aber keine Leiche? Innerhalb kürzester Zeit entspinnt sich ein Vexierspiel, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: David Fincher, Meister des perfekt inszenierten Suspense, serviert uns eine Bestsellerverfilmung, die raffiniert verschachtelter Thriller, sarkastische Eheanalyse und beinharte Mediensatire ist. Wie Fincher seinen cineastischen Albtraum-Highway mit kühl kalkuliertem Zynismus asphaltiert und uns mit kühner Radikalität an der Nase herumführt, ist hochspannendes Kino - top besetzt.

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