Do, 22. Februar 2018

Wie geht's weiter?

18.09.2014 12:33

Die wichtigsten Fragen zum Schottland-Votum

Das Schottland-Referendum verspricht ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Befürwortern und Gegnern der Unabhängigkeit zu werden. Ein offizielles Endergebnis soll am Freitagmorgen bzw. am späten Vormittag feststehen. Wie es danach weitergeht, wird mit Spannung erwartet. Im Folgenden ein kurzer Überblick über die brennendsten Fragen.

Worum geht es bei dem Referendum?
Die Frage lautet: "Sollte Schottland ein unabhängiges Land sein?" Die Wahlberechtigten dürfen zustimmen oder ablehnen. Eine dritte Antwortmöglichkeit - vollständige Autonomie in inneren Angelegenheiten bei einem gleichzeitigen Verbleib in Großbritannien - hatte die britische Regierung von Premierminister David Cameron im Vorfeld kategorisch abgelehnt.

Werden viele zur Urne schreiten?
Die Schotten scheinen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen zu wollen, denn 97 Prozent der mehr als 4,2 Millionen Wahlberechtigten im Alter ab 16 Jahren haben sich registriert. Wahlforscher rechnen mit einer sensationell hohen Beteiligung von bis zu 93 Prozent.

Wer sind die Streitparteien?
Durchgesetzt wurde das Referendum von Schottlands Regierungschef Alex Salmond, dem Vorsitzenden der Schottischen Nationalpartei (SNP). Der 60-Jährige wurde erstmals 1990 zum SNP-Chef gewählt und arbeitete seitdem beharrlich auf die Unabhängigkeit hin.

Die drei größten Parteien im britischen Unterhaus lehnen die Abspaltung Schottlands ab. Camerons konservative Tory-Partei und die mitregierenden Liberaldemokraten haben sich mit der oppositionellen Labour Party auf weitreichende Machtübertragungen an Schottland verständigt, sollten die Schotten gegen eine Unabhängigkeit stimmen.

Was passiert bei einem Nein?
Dann darf sich Salmond trotzdem als Sieger fühlen, weil er Cameron zahlreiche Zugeständnisse abgetrotzt hat. Cameron wiederum kann sein Amt zumindest bis zu den Parlamentswahlen im Frühjahr behalten. Doch die neuen Machtbefugnisse für Edinburgh dürften auch andernorts Begehrlichkeiten wecken. Wales und einige englische Regionen werden von London womöglich ähnliche Kompetenzen fordern.

Was passiert bei einem Ja?
Die Unabhängigkeit wäre ein großer Sieg für Salmond und eine historische Niederlage für Cameron. Britische Medien spekulieren für diesen Fall über einen Rücktritt oder gar eine Absetzung Camerons durch das Parlament.

Für Schottland und den Rest Großbritanniens würde eine Phase komplizierter Verhandlungen über die Abwicklung der Trennung beginnen. Dafür hätten sie 18 Monate Zeit, am 24. März 2016 würde Schottland unabhängig.

Kann Schottland auch ohne die Briten existieren?
Ja, Schottland kann wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen. Das Bruttoinlandsprodukt Schottlands ist in etwa so groß wie dasjenige Irlands oder Finnlands, zweier Staaten mit ähnlicher Bevölkerungszahl. Im Zentrum der Unabhängigkeitsdebatte steht aber die Frage, ob es den Schotten alleine auch wirtschaftlich besser geht.

Das Ja-Lager verweist auf die milliardenschweren Einnahmen aus der Öl- und Gasförderung in der Nordsee, welche nicht länger mit London geteilt würden. Außerdem würde die Wirtschaftspolitik allein auf die schottischen Bedürfnisse ausgerichtet. London warnt dagegen vor sinkenden Fördermengen in der Nordsee, vor der Abwanderung großer Unternehmen nach England und einem Aus für die bisherige Gemeinschaftswährung Pfund Sterling.

Was würde die Unabhängigkeit für Resteuropa bedeuten?
Zahlreiche Länder mit eigenen Unabhängigkeitsbewegungen blicken gespannt auf den Ausgang des schottischen Volksentscheids. In Spanien streben Katalonien und das Baskenland nach Unabhängigkeit, in Belgien ist es die Region Flandern, und auch in den italienischen Gebieten Südtirol und Padanien gibt es Sezessionsbefürworter.

Die EU steht bald womöglich vor der schwierigen Frage, ob sie den Schotten die Tür vor der Nase zuschlagen soll oder mit einer zügigen Aufnahme Schottlands riskiert, weitere Unabhängigkeitsbewegungen zu ermutigen. Ferner fürchtet die NATO, dass der von Edinburgh geforderte Abzug der mit Atomraketen bestückten britischen U-Boot-Flotte aus Schottland die Briten zu einem vollständigen Verzicht auf ihren Atommachtstatus bewegen könnte.

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