Mi, 22. November 2017

Neu erfunden

17.09.2014 11:29

Bernd Eichingers Witwe: Ergreifende Worte

Vor vier Jahren, am 24. Jänner 2011, brach für Katja Eichinger die Welt zusammen. Unerwartet wurde damals ihr Mann, der Filmproduzent, Drehbuchautor und Regisseur Bernd Eichinger, während des Familienabendessens mit nur 61 Jahren durch einen Herzinfarkt aus dem Leben gerissen. Für die neue Ausgabe von "Vogue Business" hat Katja Eichinger nun die Titelgeschichte geschrieben. Darin beschreibt sie, wie sie sich nach dem Tod ihres Mannes, neu ge- und erfunden hat. Hier sind die ergreifendsten Passagen.

"Tatsache ist, dass ich es bis zum 24. Januar 2011 konsequent vermieden hatte, Verantwortung zu übernehmen. In jener Nacht starb mein Mann Bernd. Ich war 39 Jahre alt", gesteht die 43-jährige Journalistin in dem Artikel.

"Vor Bernds Tod hatte ich mich, abgesehen von meiner Ehe, nie auf irgendetwas oder irgendjemanden festgelegt. Als freie Autorin hatte ich eben genau das gesucht: die Freiheit. Zwar interviewte ich gerne Menschen, die Verantwortung trugen – aber selbst welche zu übernehmen? Nein, da schien mir die Last größer als die Vorteile. Ich flog lieber unter dem Radar der Verpflichtung."

Und weiter: "Wenn ein Mensch wie Bernd stirbt, einer mit so einem großen Leben, dann ist das Chaos unvermeidlich. Er war die Sonne in einem enormen System an Sternen und Planeten. Mit seinem Tod war dieses System kollabiert und musste sich neu formieren."

Chaos aufräumen und Ordnung schaffen
Obwohl niemand vorausahnen konnte, dass das Schlimmste eintreten würde, hatte das Ehepaar, das im Dezember 2006 geheiratet hatte, über den Ernstfall gesprochen. Katja Eichinger: "Bernd hatte mir vor seinem Tod das Versprechen abgenommen, dass falls ihm etwas passieren würde, ich 'cool' bleiben und mich 'um alles kümmern' müsste. Und er hatte mich als seine Testamentsvollstreckerin eingesetzt, was eine Reihe an juristischen und wirtschaftlichen Aufgaben mit sich brachte. Das Chaos aufzuräumen und eine Ordnung zu schaffen, mit der das Leben weiter gehen konnte, das war mein neuer Job. Meine alte Angst vor der Verantwortung war verschwunden."

Auch jetzt kümmert sie sich noch um das Vermächtnis ihres Mannes. "Es war und ist meine Verantwortung, mich um Bernds Andenken zu kümmern. Das ist eine schöne Aufgabe, denn dabei kann ich meine Liebe zu ihm ausleben", schreibt sie. Gemeinsam mit Werner Herzog ist sie zum Beispiel dabei, den Film "Vernon God Little" zu realisieren. Eines der letzten Projekte ihres Mannes.

Durch den Schmerz geholfen habe ihr das Teilen ihrer Erfahrung. "Und das ist meiner Erfahrung nach der Weg, wie man sich aus dem Schutt wieder nach oben kämpft, wenn gerade die Welt über einem eingestürzt ist: Die Rettung liegt in der Empathie für den anderen. Man ist nicht allein. Man ist nicht die Erste, die ihren Partner verliert, und wird auch nicht die Letzte sein. Die Geschichten anderer helfen, die eigene in eine Perspektive zu setzen. Der Schmerz relativiert sich."

Im Mai erfüllte sich Eichinger mit der Veröffentlichung ihres ersten Romans "Amerikanisches Solo" einen lang gehegten Traum. Auch privat ist die Witwe wieder glücklich mit dem US-Künslter Anthony James liiert.

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